Sugar: Manche mögen's heiß, Sommernachtskomödie Rosenburg

“Sugar – Manche mögen’s heiß”: Intendatin Nina Blum im Interview

Sommernachtskomödie Rosenburg 2026

8 Min.

© Martin Hesz

Mit „SUGAR. Manche mögen’s heiß“ wird auf der Rundbühne vor der Rosenburg die Bühnenfassung der Kultkomödie aus Hollywood gespielt, in der einst Marilyn Monroe brillierte. Im Talk: Nina Blum, die Intendantin und künstlerische Leiterin der Sommernachtskomödie Rosenburg, die 2026 auch gleichzeitig 20 Jahre Märchensommer Niederösterreich feiert – und wo sie selbst Regie führt.

SUGAR: Fliegende Röcke & Rauchende Colts

Federboas, Handschuhe, Netzstrümpfe, Perlenketten, Fransen, Nadelstreif-Anzüge und Gamaschen – die Kostümbildnerin Agnes Hamvas lässt die wilden Zwanziger Jahre auch in den Outfits Wiederauferstehung feiern, wenn der von Billy Wilder einst inszenierte Filmklassiker mit Marilyn Monroe, Tony Curtis und Jack Lemmon in den Hauptrollen, das Publikum vor der Rosenburg ins Chicago der Roaring Twenties, in die Zeit von Prohibition und Jazz, entführt. 

Die Story

Die Musiker Joe und Jerry werden zufällig Augenzeugen eines Massakers der Mafia, und müssen infolge um ihr Leben fürchten. Um den Killern zu entkommen, tauchen sie – stilecht als Frauen verkleidet – in der berühmten Girl-Band Society Syncopators unter,  die sich gerade auf dem Weg nach Miami befinden. Doch trotz Tarnung geraten Joe und Jerry ins Visier der Verbrecher, die sie auf der Abschussliste haben. Und dann wird’s brenzlig…

Nina, mit diesem Filmklassiker bringt Ihr die erste Gangsterkomödie auf die Bühne vor der Rosenburg. Wie „heiß“ wird’s denn?

Sehr heiß! Denn nicht nur die Hauptfigur „Sugar“ wird von einer unglaublich talentierten und natürlich erotischen jungen Sängerin und Schauspielerin verkörpert, wir haben auch eine wunderbare vierköpfige Frauenband mit tollen jungen Musikerinnen, die Saxophon, Kontrabass, Klavier und Schlagwerk spielen. Und unsere zwei Männer in Frauenkleider sind auch nicht zu verachten (lacht).

Die Vorgabe für die Figur der Monroe ist ja ziemlich respekteinflößend…

Ja, diese sehr besondere Schauspielerin wäre heuer 100 Jahre alt geworden, das finde ich als einen sehr schönen Zufall, dass wir zu ihren Ehren dieses Stück aufführen. Lola Witzmann, unsere Schauspielerin, die in Monroes Fußstapfen steigt, hat da einen sehr guten Zugang. Sie bewundert Monroe, will sie aber keinesfalls kopieren, sondern ihre eigene „Sugar-Version“ spielen. Lola ist also ganz anders, hat aber gleichzeitig auch diesen natürlichen Charme der Monroe.

Sugar: Manche mögen's heiß, Sommernachtskomödie Rosenburg
© Martin Hesz

Ist es in einem Kultstück wie diesem schwierig, die Balance zwischen Slapstick, Romantik und Spannung zu halten?

Ich glaube, genau diese drei Ingredienzien machen dieses Stück so besonders. Der Slaptstick ist die Basis dieser Komödie, denn wenn Männer in Frauenkleidern spielen ist das immer lustig, doch das Besondere hier ist ja, dass sich der Mann als verkleidete Frau in eine Frau verliebt und dadurch wirklich in Not ist. Die Romantik und Erotik der Frauenband gibt dem Ganzen die besondere Würze – und die gangsterhafte Spannung wie die Verfolgungsjagden sind das Sahnehäubchen dieses Stücks.

Wie wichtig ist die Musik für die Dynamik des Stücks?

Musik spielt hier eine ganz wichtige Rolle! Die Komödie läuft beim Verlag auch als Musical. Wir haben zwar einige Musiknummer gestrichen, weil wir die Geschichte mehr ins Zentrum rücken wollten, aber es ist immer noch sehr viel Musik übriggeblieben. Das ganze vierzehnköpfige Ensemble singt, tanzt und einige steppen sogar.

Welche Rolle spielt der Humor in gesellschaftlich bewegten Zeiten?

Ich glaube, Humor ist wichtiger denn je. Menschen, die es schaffen auch in schwierigen Zeiten zu lachen, sind nicht nur resilienter, sondern auch gesünder und zufriedener. Die Sommernachtskomödie hat seit ihrer Gründung vor elf Jahren ein Ziel: Unser Publikum soll glücklich nach Hause gehen. Ein zu hoher Anspruch? Ich finde nicht. Das kann Komödie, das kann Theater, daher liebe ich meinen Job.

Von welcher Figur in SUGAR können wir etwas lernen?

Als erstes fällt mir Joe ein. Warum? Er ist intelligent und anpassungsfähig, nutzt aber zunächst seine Fähigkeiten vor allem zur Täuschung anderer. Im Laufe der Handlung merkt er, dass Ehrlichkeit und echte Gefühle wichtiger sind als eine perfekt gespielte Rolle. Seine Entwicklung zeigt, dass man kurzfristig durch Tricks Vorteile gewinnen kann, langfristig aber Authentizität, Liebe und Verantwortung zählen. Und dann natürlich auch Sugar Kane. Obwohl sie schon oft von Männern enttäuscht wurde, verliert sie ihren Optimismus nicht. Sie bleibt warmherzig und hoffnungsvoll und glaubt bis zum Schluss an die wahre Liebe. Jerry wiederum punktet mit seiner Fähigkeit über sich selbst lachen zu können und zeigt, wie hilfreich Flexibilität und Gelassenheit in herausfordernden Situationen sind.

Gespielt wird von der Premiere am 25. Juni bis zum 9. August 2026. Alle Infos zum Stück sowie Termine und Karten auf www.sommernachtskomoedie.at

Außerdem beim Märchensommer Niederösterreich: Aschenputtel – Neu getanzt!

Nina Blum im Talk.

20 Jahre Märchensommer NÖ, jedes Jahr eine neue Märchenwelt! Welche Momente aus zwei Jahrzehnten blieben dir besonders in Erinnerung?

Ich erinnere mich noch sehr gut, wie ich vor 20 Jahren beim ersten Märchensommer im Schloss Thürnthal – gemeinsam mit meiner Autorin Michaela Riedl-Schlosser und einem ganz kleinen Team – noch alles selbst gemacht habe: die Sitzhocker für die Kinder vor jeder Vorstellung neu aufgestellt, Eintrittskarten abgerissen, das Pausenbuffet gemacht, Kostüme zwischen den Vorstellungen gewaschen und vieles mehr. Das wäre bei der jetzigen Größe des Märchensommers undenkbar, aber es ist schön zu sehen, wie das Festival in den 20 Jahren stetig und organisch gewachsen ist. Aber natürlich ist diese „Start up“-Energie der ersten Jahre etwas Besonderes gewesen. Jetzt liebe ich es, wie es uns gelungen ist – trotz einer beachtlichen Größe den familiären Charakter des Festivals beizubehalten. 2006 hatten wir 4.300 Besucher und Besucherinnen, die letzten Jahre über 16.000 pro Jahr.

Aschenputtel beim Märchensommer Niederösterreich
© Martin Hesz

Welche Rolle spielen traditionelle Märchen in einer immer mehr digitalisierten Welt?

Märchen sind bis zu einem gewissen Grad zeitlos, da sie archaische Grundthemen des Menschseins behandeln, wie die Suche nach dem Glück oder der persönlichen Bestimmung. In unserer digitalen Welt sind Märchen eine Art Gegenpol, weil sie uneindeutig und vielschichtig sind und immer ein Happy End haben. Das finde ich besonders für Kinder sehr wichtig. In jedem guten Märchen gibt es zwar den oder die Böse – was Kinder übrigens lieben – doch am Ende ist alles gut und ist es noch nicht gut, dann ist es noch nicht das Ende. Das wünschen wir uns doch alle in Wahrheit auch im echten Leben, nur gelingt es da leider nicht immer. Aber im Märchen ist dieses Wunder möglich und das gibt Hoffnung, nicht nur Kindern.

Im Märchen ist am Ende alles gut – und ist es noch nicht gut, dann ist es noch nicht das Ende.

Nina Blume

Mit „Aschenputtel – neu getanzt“ inszenierst du eine besondere Mädchenfigur. Welches Rollenbild wird das modern adaptierte Aschenputtel vermitteln und welche Neuinterpretation ist nötig?

Gerade Aschenputtel ist ein gutes Beispiel für ein überaltertes Rollenmodell für junge Mädchen oder Frauen. Denn im Grimmschen Originalmärchen entkommt Aschenputtel dem grauenhaften Zusammenleben mit ihrer Stiefmutter und ihren Stiefschwestern durch die Heirat mit einem Prinzen. Das ist keine Botschaft, die ich meiner 9-jährigen Tochter fürs Leben mitgeben möchte. In unserer Version schafft es Aschenputtel mit Hilfe ihrer Freunde – den Waldtieren und zwei schrägen Tauben, die ein bisschen zaubern können- ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen. Mithilfe einer Schatzkarte, die in einem ihrer Tanzschuhe versteckt war, findet sie einen Schatz: das echte Testament ihres Vaters, das besagt, dass ihr Schloss Poysbrunn gehört und sie frei und unabhängig ist, das zu tun, was sie will. Sie erkennt, dass sie von ihrer Stiefmutter jahrelang belogen wurde. Natürlich verliebt sich auch unser Aschenputtel ein bisschen in einen Prinzen, aber am Ende heiratet sie nicht, sondern geht auf Weltreise und Prinz Fabian wird sie auf dieser Reise besuchen kommen, zusammen mit den schrägen Tauben. So kann man alte Märchenstoffe neu erzählen, finde ich. Denn die Botschaft heißt bei uns: „Glaube an deine Träume – mit Hilfe guter Freunde ist fast alles möglich.“

Aschenputtel beim Märchensommer Niederösterreich
© Martin Hesz

Was ist das Besondere beim Märchensommer NÖ und was möchtest du deinem Publikum, vor allem all den Kindern ab drei Jahren, zum Jubiläum sagen?

Das Besondere ist, dass wir Kinder ernst nehmen. Wir haben tolle Schauspielerinnen und Schauspieler, eine wunderbare Musik, besondere Kostüme und ein tolles Bühnenbild und mit Schloss Poysbrunn eine märchenhafte Kulisse, die einzigartig ist. Ich glaube auch, dass das interaktive Wandertheaterkonzept für Kinder besonders gut passt. Dadurch wird das Publikum Teil des Geschehens, singt und tanzt mit und wandert von einem Spielort zum nächsten. Allen Kindern möchte ich sagen: „Kommt zum Märchensommer ins Schloss Poysbrunn und lasst euch verzaubern. Lasst euch Märchen von euren Eltern und Großeltern, Freunden und Bekannten vorlesen oder lest sie selbst – und glaubt an die Erfüllung eurer Träume. Denn Wunderbares passiert im Märchen, wie auch im echten Leben.“

Gespielt wird vom 9. Juli bis 30. August 2026 im Schloss Poysbrunn, Märchensommer-Allee, alle Vorstellungen und Infos auf www.maerchensommer.at

ADULTS ONLY

Bella ciao, bella ciao, bella ciao ciao ciao!

Für alle ab 18 Jahren lädt der Märchensommer ab 24. Juli mit “Code Red”” zu einem Wanderkrimi 5.0 ins mörderische Schloss Poysbrunn, unglaublichen Mafia-Machenschaften inklusive. Es wird ein Abend voller Dolce Vita und Felicità mit kulinarischer Begleitung!

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