Daniela Fally

Klassik.Klang berndorf 2026 feiert das “Frau.Sein”

5-Jahres-Jubiläum

9 Min.

© Andreas Tischler

Zum 5-Jahres-Jubiläum des KLASSIK.KLANG berndorf 2026 feiert die künstlerische Leiterin Daniela Fally das „FRAU.SEIN“ in all seinen Facetten. Spannende Künstlerinnen widmen sich weiblichen Schicksalen in Literatur und Musik, beleuchten ein sich wandelndes Frauenbild – und erzählen von persönlichen Lebenserfahrungen.

Weibsbilder & Frauenzimmer: Klassik.Klang berndorf 2026

Mit zahlreichen international renommierten Künstlerinnen und Künstlern sowie nationalen Größen, ausverkauften Veranstaltungen und einem treuen und begeisterten Publikum, blickt der KLASSIK.KLANG berndorf bereits auf vier äußerst erfolgreiche Saisonen zurück. Wir fragen nach und bringen einen Ausblick…

Frau Kammersängerin, warum widmen Sie das Jubiläum des KLASSIK.KLANG berndorf dem Thema „FRAU.SEIN“?

Daniela Fally: Erstens finde ich Frau.Sein in der heutigen Zeit extrem spannend. Viel wurde von den Generationen vor uns für uns Frauen erreicht, dennoch bleibt und ist Frau.Sein stets facettenreich, individuell und teilweise immer noch herausfordernd. Und zweitens ist ja unser gesamtes ausführendes Team ausschließlich weiblich. Sie allesamt sind beeindruckende Frauen, und die Art und Weise, wie wir gemeinsam arbeiten, kommunizieren, aufeinander achten und uns respektieren, wie wir zwischen Kindern, Kochen oder Spielplatz unsere Sitzungen abhalten – all das fand ich einfach sehr außergewöhnlich und inspirierend. Das war, ganz ehrlich, der Ausgangspunkt zu der Idee.

Wie wählen sie die Künstlerinnen aus und wie schaffen Sie es, große Stars nach Berndorf zu holen?

Aus dem Pool meiner lieb gewonnenen Kolleginnen! Warum sie meinem „Ruf“ folgen und ins wunderschöne Berndorf kommen, das müssen Sie die betreffenden Personen vielleicht besser selbst fragen (lacht). Eines ist mir aber ganz wichtig: eine wertschätzende Arbeitsatmosphäre! Bei uns wird jeder mit Respekt und Wohlwollen behandelt, ich rolle ihnen den roten Teppich in jeder Beziehung aus. Wenn ich dann von Weltstars hören darf: „Weißt Du Daniela, das war so schön bei euch, das Musizieren, aber auch sonst alles!“ – dann freut das unser gesamtes Team und mich persönlich einfach sehr. Eigentlich ist es so simpel:  wenn sich die ausführenden Künstlerinnen und Künstler frei und wohl fühlen, dann arbeitet man gerne und gut. Und dafür zahlt doch am Ende des Tages unser Publikum: für ein schönes, berührendes Theatererlebnis, das im besten Fall in der Seele noch eine Zeit lang nachwirkt. Wir leben in einer Zeit, wo solche Erlebnisse, meiner Meinung nach, essenziell wichtig sind. Das sehe ich als meinen Auftrag, dafür arbeite ich.

NEUE WIENER MUSIK
Tini Kainrath mit Marie-Theres Stickler und Maria Stippich
NEUE WIENER MUSIK Tini Kainrath mit Marie-Theres Stickler und Maria Stippich © Andreas Tischler

FRAUEN.ZIMMER

Am 21. Mai präsentieren Tini Kainrath, Marie-Theres Stickler und Maria Stippich im Stadtsaal alte und neue Wiener Musik mit Gesang, Akkordeon und Kontragitarre – entstaubt, voll Charme und mit einem Blick auf der weiblichen Seite des Wienerliedes. Wir fragen die charismatische Stimm-Ikone Tini Kainrath – der Botschafterin des Wiener Liedes schlechthin…

Tini, die Wiener Liedkunst. Woran liegt es, dass uns diese Lieder gleich so tief ins Herz treffen?

Bestimmt liegt es vor allem an der Sprache. Der Dialekt, also die Alltagssprache, ist uns sehr nahe. Dazu noch die schönen, auch vertrauten Harmoniefolgen, die sich mit Leichtigkeit in die Herzen schmeicheln.

Kommen die Lieder durch das Dudeln noch inniger rüber?

Ja, weil den Wiener Dudler macht ja aus, dass man den Ton ziehen und vibrieren darf. Das wirkt dann „operettig“.

Hat das Wienerlied auch heute noch eine Bedeutung für die Wiener Identität?

Ja, sehr! Das merkt man an den Reaktionen des Publikums. Da ist oft eine starke Rührung dabei.

Beim KLASSIK.KLANG berndorf werdet Ihr als drei Wiener FRAUEN.ZIMMER angekündigt, wobei es auch um „Wein, Weib und Gesang“ geht. Klingen diese Titel in  Zeiten wie diesen  nicht etwas politisch inkorrekt?

(lacht) Als Wienerlied-Interpretin ist man halt eine altmodische Diktion gewöhnt.

Ob Wäschermädel, Fiakerin oder Wirtin – was macht für Sie die „weibliche Seele“ des Wienerlieds aus?

Es ist eine schöne Herausforderung in der Wienerlied-Literatur auf die Suche nach der weiblichen Seele zu gehen. Es gibt sie und sie ist ganz schön frech und selbstbewusst.

Wobei das Neue Wienerlied da sehr viele Facetten zu bieten hat, da gibt es tatsächlich alle Farben.

Wird sich das Genre des Wienerlieds mit der Zeit verändern?

Das Neue Wienerlied gibt es schon. Es ist die Weiterentwicklung der Tradition des Wienerlieds und des Austropop. Dazu zählt so gut wie alles, was im Wiener Dialekt geschrieben wurde und wird.

Katharina, was ist für Sie ein g’standenes Weibsbild?

Katharina Straßer: Das ist für mich eine starke, selbstbewusste Frau, die alles schafft und alles macht. Ich glaube, dass der Begriff in der Vergangenheit etwas überstrapaziert wurde und mitunter auch abwertend verwendet wird. Aber vielleicht ist es genau jetzt an der Zeit, dass wir das Wort „Weibsbild“ wieder zurückholen und prägen als starke, mutige und selbstbestimmte Frau.

Schauspielerin Katharina Straßer
G‘STANDENES WEIBSBILD Die selbstbewusste Katharina Straßer. © Hilde van Mas

WEIBS.BILDER 2.0

Am 31. Mai 2026 laden vier Publikumslieblinge ins Stadttheater Berndorf: KS Angelika Kirchschlager, Burg- und Kammerschauspielerin Maria Happel, Schauspielerin und Sängerin Katharina Straßer und die Pianistin Arabella Cortesi. In einem gemeinsamen Programm beleuchten die „G’standenen WEIBS.BILDER“ Frauenrollen in Literatur und Musik – ein Programm voll Frauenpower zwischen Leidenschaft, Gesellschaftskritik und Humor. Wir fragen die Nestroy-Preisträgerin Katharina Straßer, die sich neben vielen Genres mit der fulminanten Cissy Kraner-Hommage „Alles für’n Hugo“ in die Reihe der Volksdarstellerinnen eingeschrieben hat.

In Ihrem Programm „Was wäre Wien ohne den Wiener“ (Hugo Wiener), gemeinsam mit Katharina Hohenberger und der Wiener Brut, heißt es: „Ich liebe Favoriten – die Triester Straße, ein Traum“… Wie geht’s der Tirolerin mit der Wiener Seele?

Naja ich liebe die Triester Straße. Verteilerkreis ein Traum…. (lacht) Nein, mir geht´s – der Tirolerin und der Wiener Seele – sehr, sehr gut. Ich mag die Wiener Seele sehr gerne und fühle mich deshalb hier so wohl. Ich mag das Wienerische, das Charmante, und die Freundlichkeit – aber auch den Wiener Grant. Irgendwie ist das eine gute Mischung. Die Tiroler sind viel, viel härter – mir sind die Wiener vom Wesen her viel näher.

Ihr belebt darin die gute, alte Doppelconférence, Melancholie trifft auf Witz und viel körperlichen Ausdruck – wie reagiert das jüngere Publikum darauf?

Das kann ich schwer sagen, denn mit einem Cissy Kraner und Hugo Wiener-Abend zieht man natürlich eher das 50plus-Publikum an. Aber ich bin sehr gespannt, denn mein neues Programm „Meine Kindheit auf Kassette“ widme ich, gemeinsam mit meiner Band, der Spicy Backstreet Band, ab Februar 2027 der Musik der 90er Jahre. Und da erwarte ich auch ein Publikum in meinem Alter – und vielleicht sogar zehn Jahre jünger.

Wie wichtig ist Ihnen Improvisation als individuelle Note?

Bei  Songs ist das schwierig, weil oft kein Spielraum für Improvisation ist, beziehungsweise  die Lieder so gut sind, dass ich da überhaupt nichts hinzufügen möchte. Aber ich improvisiere sehr gerne drum herum.

Sie touren gerade mit der 50+Austropop Revue. Gibt es dabei eine besondere Lieblings-Interpretation?

Ich singe sehr gerne „I mecht so gern landen“ von Maria Bill oder „Kalt und kälter“ von S.T.S. und überhaupt war es für mich total spannend, Lieder, die meistens von Männern gesungen wurden, wie alle Danzer- oder Ambros-Songs, mir zu nehmen und als Frau – oder als Weibsbild (lacht) – zu interpretieren. Das hat mir sehr viel Spaß gemacht und macht mir immer noch sehr viel Freude.

In welchem Genre kommen wir der „echten“ Katharina Straßer besonders nahe?

Vermutlich mit der Pop-Musik der 90er Jahre– No Doubt, Spice Girls, Nirvana, Radiohead, Phil Collins – denn damit bin ich aufgewachsen.

Sängerin Pia Baresch
STIMMGEWALTIG Die Schauspielerin und Sängerin Pia Baresch © Caro Strasnik

Pia, Sie sind in Kolumbien aufgewachsen und mit Schulbeginn nach Berndorf gezogen. Haben Sie noch Erinnerungen an das Weihnachtsfest in Bogotá?

Pia Baresch: Da meine kolumbianische Familie, durch meinen österreichischen Urgroßvater einen starken Österreich-Bezug hat und meine Mutter ja ebenfalls Österreicherin war, haben wir Weihnachten eigentlich nicht viel anders gefeiert als bei uns, am 24. Dezember mit Christbaum und Geschenken. Allerding wurde immer ein sehr großes Augenmerk auf die Krippe gelegt, die in Südamerika das Herzstück der Weihnachtszeit darstellt. Zu essen gab es oft zusätzlich auch Traditionelles, wie Tamales, ein in Bananenblätter gewickelter Maisbrei, und Natilla, eine Art Milchpudding.

Gibt es Traditionen von damals, die Sie für Ihren Sohn übernommen haben?

Ja, wir haben in der Vorweihnachtszeit oft schon eine Krippe aufgestellt und öfters auch die Figuren selbst gebastelt.

Ihr deutsch-spanisches Album „Zwischen zwei Welten – Entre dos Mundos“ sowie Ihre neue Single „Vas a Regresar“ erzählen von beiden Heimatsländern. Erleben Sie Momente der Sehnsucht nach dem „Land der tausend Rhythmen“?

Immer wieder! Sobald ich südamerikanische Musik höre, muss ich je nach Rhythmus entweder sofort aufspringen und dazu tanzen – oder ich werde sentimental.

Sie sind Schauspielerin, Sprecherin, Stimmcoach – und Sängerin. Was kann Stimme?

Für mich ist die Stimme eines unserer wertvollsten Ausdrucksmittel. Sie transportiert Gefühle und Emotionen. Nichts verschafft mir außerdem mehr Gänsehaut als der Klang einer schönen Stimme. 

Zum Abschluss des Jubiläumsjahres findet am 29. November 2026 ein Adventkonzert statt. In einem festlichen Programm laden Schauspielerin und Sängerin Pia Baresch, Staatsopern-Sopranistin Maria Nazarova, KS Daniela Fally sowie Sophie Druml an der Violine und Maddalena Del Gobbo an der Viola da gamba – begleitet von einem Bläserensemble sowie dem Kinderchor der Musikschule Triestingtal und dem Stadtchor Berndorf.

Infos und Termine auf www.buehnen-berndorf.at und www.klassik-klang.at.

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