Tanja Beranek

Musikerin Tanja Beranek im Interview

Vom Weitergeben des Schönen

4 Min.

© Tanja Beranek

Es war 2014, als wir Tanja Beranek, damals Schülerin des Musikgymnasiums Wien, in ihrem Elternhaus in Hörersdorf besuchten. In unserer 125. Ausgabe bitten wir die vielfältige Musikerin und  Instrumentalpädagogin um ein Update ihrer Karriere…

Tanja Beranek: Vom Weitergeben des Schönen

Zum Interview in einer unserer ersten Magazine befand sich die Gymnastin gerade im Vorbereitungslehrgang der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien (Mdw) und lebte für den Erfolgskurs der damaligen Kammermusikformation, dem „SMS-Quintett“ – ein Holzbläserquintett der Musikschule Staatz. Googelt man Tanja Beranek, so findet man die Oboistin – abseits ihrer zahlreichen Konzerte – auch als ausdrucksvolle Interpretin selbst komponierter Songs bei diversen Home Sessions. Wir fragen nach…

Tanja, was ist seit unserem Besuch bei dir vor zwölf Jahren passiert?

Viel! Ich konzertiere im In- und Ausland als Oboistin im Orchester und in diversen Kammermusikformationen, komponiere, arrangiere und bin bei Wettbewerben mit meinen Schülerinnen und Schülern sehr erfolgreich.

Du hast Instrumentalpädagogik studiert, und bist auch der Musikschule Staatz treu geblieben.  Also: “Plötzlich Lehrerin“?

(lacht) Ja, ich lebe diesen Beruf durch und durch, und erzähle nicht ganz ohne Stolz, dass ich an der Musikschule Staatz mittlerweile eine der größten Oboenklassen Niederösterreichs aufgebaut habe. Die jungen Oboenspieler verbreiten ihre Spielfreude überall im Weinviertel und auch die Musikkapellen im Umkreis haben nun fixe Oboen in ihren Reihen. Mein Unterrichtsalltag ist weit entfernt von Eintönigkeit.

Ein für mich besonders herausstechendes Projekt war das im Frühjahr 2022 durchgeführte Konzertfestival „Es war einmal… Alte Musik neu gehört!“, ein musikschulübergreifendes Mittelalter-Fest. Dieses Projekt bildete gleichzeitig die Grundlage für meine schriftliche Masterarbeit. Im März 2023 schloss ich mein Studium Instrumentalpädagogik Oboe an der Mdw Wien mit Auszeichnung ab. Die Probenarbeit und Planung war damals aufgrund der Corona-Pandemie äußerst schwierig – umso glücklicher war ich über den großen Erfolg! Am Abend des Mittelalter-Fests in Staatz erhielt ich von der Mutter einer Schülerin eine Nachricht. Sie schrieb, dass ich keine Oboenklasse, sondern eine Oboenfamilie leite – ein für mich bedeutsameres Feedback hätte ich nicht bekommen können. Für das Projekt wurde ich mit dem 1. Aviso Preis der Mdw ausgezeichnet und durfte den Preis mit ein paar meiner Schüler entgegennehmen.

Wolltest du immer schon unterrichten?

Nein, ursprünglich wollte ich mich rein künstlerisch entfalten und hauptberuflich ins Orchester. Den Beruf der Oboenlehrerin sah ich eher als eine Art „Alternativ-Route“. Es war also Schicksal oder Fügung, dass sich die Gelegenheit ergab, spontan als Lehrerin an der Musikschule Staatz einzusteigen. Damals betreute ich zwei Schüler, heute sind es um die 35. Die Liebe zu diesem Beruf und meine Leidenschaft am Weitergeben des Schönen ist immer mehr gewachsen.

Was wäre gewesen, hättest du nicht so früh deinen Platz im System Musikschule gefunden? 

Wir alle stellen uns hin und wieder die „Hätte, Wenn und Wäre“- Frage. Tatsache ist, dass ich in meinem Berufsalltag fast täglich Momente erfahre, die mich wissen lassen, dass alles so richtig ist, wie es ist. Ich sehe meinen Beruf als unglaubliches Privileg. Das bedeutet aber auch, dass es mir sehr wichtig ist, mich neben der Lehrtätigkeit auch als Oboistin zu definieren. Ich liebe es auf der Bühne zu stehen und Musik zu produzieren! Genau dieses Gefühl möchte ich auch meinen Schülern weitergeben – was zum Unterrichtserfolg enorm beiträgt.

Im renommierten Holzschuh-Verlag ist heuer dein erstes eigenes Spielbuch für Oboe und Klavier mit eigenen Kompositionen erschienen…

Ja, mein „Auftritt Oboe“ und macht mich unglaublich stolz und glücklich. Es war mir schon lange ein Anliegen, einen Teil meiner zahlreichen Spielstücke zu veröffentlichen, und damit die Originalliteratur für die „kleinen großen“ Oboisten von morgen zu erweitern. In den letzten Jahren ist bei den Kindern der Andrang Oboe zu lernen zwar enorm angestiegen, doch das Instrument hat dennoch seinen Platz in der Gruppe der Mangelinstrumente. Aus diesem Grund greifen wir Oboenlehrer auf der Suche nach guten Spielstücken oft auf die Blockflötenliteratur zurück. Deshalb wollte ich etwas Eigenes für Oboe erschaffen, damit die Kinder und Jugendlichen sich direkt als Oboisten angesprochen fühlen und sich auch auf dem Cover bewusst erkennen.

Und alles begann mit dem SMS-Quintett…

Ja, vor 16 Jahren gründete Peter Hofmann, nun Direktor der Musikschule Staatz, dieses Ensemble. Hätte ich nicht im SMS-Quintett gespielt, wäre gewiss nie ein Stein um den anderen ins Rollen gebracht worden. Nun leite ich selbst Ensembles, bereite sie auf Wettbewerbe vor und erlebe diese ganz besondere Energie, die unter den jungen Musikern und ihren Familien entsteht. Es erscheint mir noch nicht so lange her, da war ich selbst als Schülerin Teil davon…

"Auftritt Oboe" von Tanja Beranek, Holzschuhverlag, € 16,80
“Auftritt Oboe” von Tanja Beranek, Holzschuhverlag, € 16,80

Tanja Beraneks Spielbuch für Oboe und Klavier ist im renommierten Holzschuhverlag erschienen, € 16.  

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