Bäuerin Barbara Pletzer

Barbara Pletzer: Bäuerin für echten Genuss

Ein Interview über Genuss, Regionalität & gelebtes Miteinander.

6 Min.

© Cornelia Wurst

Von der Vermarktung über den Heurigenbetrieb bis zur Büroarbeit – die Aufgaben von Barbara Pletzer sind vielseitig. Wir haben mit der Bäuerin aus Haugsdorf über ihre Leidenschaft für Genuss, Regionalität und gelebtes Miteinander gesprochen. 

Barbara Pletzer aus Haugsdorf im Talk

Wer keine Zeit hat zu genießen, hat keine Zeit zu leben“ – so lautet das Motto von Barbara Pletzer und ihrem Mann Christoph, mit dem sie gemeinsam rund 100 ha Ackerbau, sowie den Weinbau und Heurigen Pletzer in Hausgdorf im Weinviertel betreibt. Ihre große Leidenschaft: Die Kreation regionaler Speisen, die Gästebewirtung und die Förderung des Miteinanders in der Region. Neben ihrer Arbeit auf der eigenen Landwirtschaft ist Barbara Pletzer Bezirksbäuerin und Umsetzerin zahlreicher regionaler touristischer Angebote, wie etwa dem Weinviertler Radlerpicknick oder Tafeln im Weinviertel gemeinsam mit Winzerkollegen. Die Landwirtin im Gespräch über regionales Miteinander, Nachhaltigkeit und ihre große Leidenschaft für Gästebewirtung.  

Barbara, dein Aufgabenbereich reicht von Vermarktung über Heurigenbetrieb bis zur Büroarbeit. Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei dir aus?

Es gibt eigentlich keinen normalen Alltag, jeder Tag ist unterschiedlich, je nachdem welche Arbeit gerade ansteht. Der Morgen beginnt eigentlich immer damit, dass wir gemeinsam mit den Kindern aufstehen, Jause machen und sie in den Kindergarten und die Schule bringen – und dann geht die Arbeit los. Mein Mann und ich starten meist im Büro und erledigen To-dos wie Rechnungen überweisen oder E-Mails beantworten. Danach kümmere ich mich um Aufgaben wie die Speisekarte für den Heurigen, plane neue Gerichte, schreibe die Einkaufsliste, fahre auf den Gastromarkt, koche und richte den Gastgarten her. Dazu kommen Tätigkeiten im Weingarten, der Versand von Weinbestellungen und natürlich Termine in meiner Funktion als Bezirksbäuerin. Kein Tag ist wie der andere! Genau diese Abwechslung und die Mischung aus vielen verschiedenen Aufgaben macht meinen Beruf so besonders. 

Wusstest du immer schon, dass du in die Landwirtschaft willst? 

Ursprünglich wollte ich Eventmanagerin werden und nie einen Bauern heiraten! (lacht) Wir hatten selbst zuhause einen Betrieb, auf dem ich auch als Kind immer schon mitgeholfen habe und eigentlich konnte ich mir das für meine Zukunft nie vorstellen. Aber es kommt immer anders als man denkt! (lacht) Dann habe ich meinen Mann Christoph kennengelernt, für den immer klar war, dass er einmal den Betrieb seiner Eltern übernehmen wird. Bevor ich dann selbst in den Hof miteingestiegen bin, habe ich in der Landwirtschaftskammer in Wien gearbeitet – ich hatte dadurch viel mit Winzerinnen und Winzern zu tun und habe gelernt, was die wesentlichen Themen sind und was man alles aus einem Betrieb machen kann. So ist auch meine Leidenschaft für die Landwirtschaft gewachsen. Nachdem wir unser erstes Kind bekommen haben, war mir schnell klar, dass ich am Hof bleiben und den Betrieb mitführen werde. 

Welche deiner vielen Rollen liegt dir besonders am Herzen?

Ich glaube, es ist tatsächlich die Mischung aus allem. Ich bin gerne Gastgeberin und sehe mich gleichzeitig auch als Botschaftern für unsere Region. Und ich freue mich, wenn Gäste kommen und ich etwas über unsere Region erzählen kann, oder darüber, wie unsere Weine entstehen und warum wir mitten im Weinviertel immer noch eine Rotweingemeinde sind. Ich bin auch stolz darauf, dass ich in unserem Heurigen zu unseren Weinen regionale Gerichte anbieten kann und zu jeder einzelnen Zutat sagen kann, woher sie kommt, wer sie produziert hat und wie ich sie zubereitet habe. Das ist schon mein Ding! (lacht)

Euer Motto lautet: „Wer keine Zeit hat zu genießen, hat keine Zeit zu leben.“ Was bedeutet Genuss für dich persönlich?

Genuss bedeutet für mich gutes Essen, dessen Herkunft ich kenne und wo ich weiß, wie es zubereitet wurde. Und es bedeutet für mich auch, die Speisen bewusst zu genießen. Es geht darum, sich Zeit zu nehmen, sich in Ruhe hinzusetzen, etwas Gutes zu essen und dazu ein gutes Glas Wein zu trinken – am besten umgeben von Menschen, die man gerne hat und mit denen man diesen Moment teilen will! 

Genuss bedeutet für mich, gutes Essen von dem ich weiß, woher es kommt und wie es zubereitet wurde.

Barbara Pletzer

Ihr betreibt euren Heurigen seit 2018, der mittlerweile das Aushängeschild eures Betriebes ist – was war die Vision dahinter? 

Ich wollte damit einen Ort schaffen, an dem man sich wohlfühlt. Ich sage immer, es ist unser Wohnzimmer des Weines. Es ist einfach total gemütlich eingerichtet, mit sehr hochwertigen Materialien. Denn sowohl bei der Ausstattung als auch bei unseren Weinen und Speisen legen wir großen Wert auf Qualität und hochwertige Zutaten. Wir sind ein gemütlicher Heuriger für alle Leute, die Wert auf Genuss legen und auch den Anspruch haben, dass sie gutes Essen mit saisonalen Zutaten von regionalen Produzenten serviert bekommen. Wir haben mittlerweile viele Stammgäste, die auch regelmäßig Feste wie Hochzeiten, Geburtstage oder Pensionierungen bei uns feiern. Und wir sprechen auch ein junges Publikum aus der Region an. Ich bin sehr zufrieden mit unserer Entwicklung und es macht mir große Freude, mir immer wieder neue Events und neue Gerichte einfallen zu lassen.

Buffet beim Heurigen Pletzer im Haugsdorf
© Weinbau Pletzer

Wie wichtig ist Zusammenarbeit unter Winzerkollegen und Landwirten für den regionalen Erfolg?

Sehr wichtig. Unsere Region wurde lange unterschätzt, hat sich aber in den letzten Jahren stark entwickelt. Im Weinviertel, speziell auch bei uns im Pulkautal, ist der Weintourismus stark gewachsen. Es gibt großes Potential, das wir nutzen können. Wir haben etwas zu bieten und mir ist wichtig, das den Menschen zu zeigen. Wir haben nicht nur unsere wunderbare Landschaft, sondern vor allem auch tolle Betriebe, die etwas für unsere Gäste anbieten. Darum sind Projekte wie „Tafeln im Weinviertel“, der Weinviertler „Jausenkorb“ oder „Kunst & Wein“ so wichtig. All das funktioniert nur, wenn wir hier in der Region zusammenhelfen und gemeinsam Ideen umsetzen – nur so sind wir stärker. Solche Gemeinschaftsprojekte schweißen zusammen und das ist wichtig für den regionalen Erfolg! 

2026 steht unter dem Motto „Jahr der Bäuerin“ – Was bedeutet dieses Jahr für dich persönlich und für deine Rolle als Bezirksbäuerin?

Mir ist ganz wichtig, dass wir – die Bäuerinnen im Bezirk Hollabrunn – noch mehr zusammenwachsen, uns vernetzen, uns gegenseitig fachlichen Input geben, uns austauschen und gegenseitig stärken. Ich sehe das „Jahr der Bäuerin“ auch als Chance, nach außen zeigen zu können, was wir Bäuerinnen wirklich leisten. Wir selbst wissen das, aber wir wollen unsere Arbeit auch sichtbar machen. Ich denke, dass uns dieses Jahr auch untereinander noch stärker machen wird. Wir sind innerhalb unserer Organisation viele Frauen mit unterschiedlichen Betrieben und Aufgaben. Wenn wir zusammenhalten und unsere Leistungen klar zeigen, können wir unsere Anliegen besser vertreten. 

Wann genießt du selbst am liebsten ein Glas Wein – und welchen?

Am liebsten genieße ich Wein in Gesellschaft! Entweder nach einem anstrengenden Tag gemeinsam mit meinem Mann – jetzt im Frühling wieder auf der Terrasse – oder wenn ich unterwegs bin mit Freundinnen oder mit Freunden. Es gibt viele Orte, guten Wein zu genießen. Mein Lieblingswein ist im Moment unsere „Sommerzeit“. Das ist ein Gemischter Satz, den mein Mann für unsere Hochzeit kreiert hat.

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