© Rainer Benatzky Fotografie
Seit 2018 stellt die Künstlerin und Autorin Sonja Raab aus Opponitz in ihrer „GoldSpinnerei“ in filigranster Kleinarbeit einzigartige Klosterarbeiten her. Bei der Paris Fashion Week 2026 wird sie ihr Kunsthandwerk gemeinsam mit der Haute Couture des Modeateliers Fénix einem internationalen Publikum präsentieren. Wir werfen einen Blick auf die Schmuckstücke…
GoldSpinnerei: Klosterarbeit goes Haute Couture
Es war im Jahr 2019, als ich mit Sonja Raab unter dem Titel „Die Hümmimuatta hat mich gestärkt“ ein großes Interview führen durfte, nachzulesen auf der Webseite der Künstlerin. Wir sprachen darüber, wie sie nach gesundheitlichen Problemen und einer geglückten Operation im Stift Seitenstetten einen Klosterarbeits-Kurs absolvierte. Im September 2018 wurde ihre „GoldSpinnerei“- Werkstatt eröffnet – ein heiliger Dom für ihre persönliche Wiedergeburt.

Gold spinnen? Ja, meinte sie, „weil man schon ein wenig spinnen muss, wenn man sich stundenlang hinsetzt und eine Fitzelarbeit macht, die einem alles an Geduld und Hingabe abverlangt. Deshalb wurde Klosterarbeit auch ‚beten mit den Händen‘ genannt.“ Eine Arbeit, welche feinste, versilberte und vergoldete Drähte in traditioneller Handwerkskunst mit Perlen, Halbedelsteinen und edlen Stoffen verbindet; eine Arbeit, mit der sie alles schmückt, was den Menschen heilig ist; eine Arbeit, die das Heidnische mit dem Christlichen verbindet – von der Heiligenfigur bis zur Krone, von vergoldeten Tierschädeln bis zum Haarschmuck. Unikate, die nur entstehen können, weil das Seelenfeuer der Ahnen, Götter, Geister und Engel in ihr brennt.
Sonja Raab im Interview
Sonja, kannst du uns einen kleinen Überblick über deine Arbeit der letzten Jahre geben?
Die letzten Jahre waren wie ein Feuerwerk an Ereignissen: Meine Werkstücke haben Titelseiten von sieben Zeitschriften und Magazinen verziert, Ausstellungen in Linz, Wolfpassing und in der Schweiz, sowie Museen in Österreich, Deutschland und der Tschechischen Republik bereichert, hatten einen Auftritt bei Heimatleuchten/Servus TV, wurden im ORF von der Modeexpertin Martina Reutter vorgestellt und schmückten ein Model am Laufsteg der Initiative der Landesinnung Mode und Bekleidungstechnik der WKO Niederösterreich. Ich habe eine Krone für die Tracht der niederösterreichischen Eisenstraße designt, eine Goldhaube und eine Perlhaube gestickt und Ikonenbilder als erweitertes Arbeitsfeld entdeckt. Auch einen Klosterarbeitskurs bei Birgit Aigner in Oberösterreich konnte ich wieder besuchen und mich weiterbilden, bei ihr habe ich auch die Kurse für Perlhaube und Goldhaube besucht. Und die „goldene Flitterkrone“ war schließlich das Highlight der Munich Fashionweek 2025.

Was unterscheidet die schwarze Perlhaube von der Goldhaube?
Früher war es üblich, die Haare in der Kirche zu bedecken. Während sich die betuchten Bürgerfrauen die teuren Goldhauben leisten konnten, haben Frauen mit weniger Geld Perlhauben gestickt, die wesentlich kostengünstiger waren, da sie nicht mit Gold bestickt wurden, sondern mit schwarzen Glasperlen und Granatperlen. Aber auch der Arbeitsaufwand ist unterschiedlich. Ich habe an der Goldhaube ca. 250 Stunden lang gestickt, die Perlhaube hat nur 120 Arbeitsstunden gebraucht. Manche Goldplättchen müssen erst vorsichtig mit einer Ahle gelocht, mit einer Feile glattgeschliffen und dann mit zwei Stichen festgenäht werden, wobei vor jedem Stich ein Stück Bouillondraht aufgefädelt wird, der dann auch noch links und rechts vom nur wenige Millimeter kleinen Goldplättchen niedergenäht werden muss. Das komplette Muster der Goldhaube wird auf säurefreiem Papier vorgezeichnet und dieses Papier muss nach dem Sticken mühsam mit einer Pinzette wieder unter der Stickerei hervorgezupft werden. Das war meine persönliche Hölle. Aber es gab kein Zurück, die Goldhaube war einer Kundin schon versprochen.

Wie stimmst du deine Kreationen mit der Haute-Couture-Kollektion von Martha Hornburger vom Modeatelier Fénix aus München ab?
Martha hat in ihrer femininen, elfenhaften und zarten Mode eine ganz klare Linie. Sie schickt mir Stoffproben, ich bekomme Bilder ihres „Moodboards“ auf dem sie Ideen, Farben und Bilder sammelt. Das Ganze ergibt ein Gefühl. Und ich kann mich da gut reinspüren. Ich weiß genau, was sie haben will, was diese Farben, Stoffe, dieses Gefühl am besten ausdrückt und ergänzt. Es muss immer luftig, verspielt und märchenhaft-verträumt sein. Plumpe, gerade Linien und dunkle Farben passen da nicht.
Was bedeutet es dir, deine Arbeiten bei der Paris Fashion Week ab 28. September 2026 präsentieren zu können?
Vor allem bin ich stolz auf Martha, denn SIE hat es geschafft, dort eingeladen zu werden. Und ich freue mich wahnsinnig darüber, dass sie mich dann gefragt hat, ob ich den Schmuck wieder beisteuern könnte, da ich ja schon für die Münchner Fashion Week Haarreifen und die Krone beigesteuert hatte. Broschen, ein Diadem und weiterer Haarschmuck sind exakt abgestimmt auf die Kleider, die sie nun nach Paris mitnimmt. Es ist mir eine große Ehre – und ein bisschen damit zu vergleichen, wenn die Kinder erwachsen werden und in die Welt rausgehen.

Im September heiratet auch euer jüngster Sohn Finn. Wird es bei der Zeremonie ein Schmuckstück von dir geben?
Ja, ich durfte den Haarschmuck zum Schleier der Braut designen und herstellen. Das Thema ist “Rot wie Blut, schwarz wie Ebenholz und weiß wie Schnee“ – die Farben der Göttin, passend zur Hoch-Zeit der Braut. Auch den Ringbehälter, einen Totenschädel aus Kunstharz, darf ich versilbern und mit Klosterarbeiten schmücken.
Die GoldSpinnerei
Sonja Raab
Hauslehen 39
3342 Opponitz
pottwal@gmx.at
www.goldspinnerei.at
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