Aline Tosch: Österreichs jüngste Thriller-Autorin im Interview
Mit nur 14 Jahren begeisterte sie mit ihrem Debütroman „Blauäugig in Paris“
© Walter J. Sieberer
Mit nur 14 Jahren begeisterte Aline Tosch mit ihrem Debütroman „Blauäugig in Paris“. Nun legt die jüngste Thriller-Autorin Österreichs mit einer packenden Geschichte über eine bizarre Organisation auf der thailändischen Insel Koh Samui nach: „Der rote Pool von Samui“. Das große Ziel: die Verfilmung …
La vie est belle?
Die hübsche Neulengbacherin mit einem ausgeprägten Sinn für feine Erzählkunst hat generell ein Faible für Nostalgisches. Und so war es für die Gymnasiastin – als andere während der Coronazeit in die digitale Welt abdrifteten – nur eine logische Folgerung, den Laptop durch ganz altmodisches Schreiben auf einer Schreibmaschine zu ersetzen. Diese fand sich als außergewöhnliches Geschenk für die damals 14-Jährige unterm Christbaum – und wurde zur Initialzündung für ihren ersten Thriller. Darin verbindet sie die Geschichten von zwei jungen Frauen in einem ziemlich komplizierten Plot mit unvorhersehbaren Wendungen: Melissa, die sich auf Schulschiwoche in Tirol befindet, und Julia, die nach einem Autounfall mit einem Gedächtnisverlust in einem Pariser Krankenhaus ins Leben zurückfinden muss …
Ein Projekt im Paradies
Es sind die Begegnungen mit Menschen auf ihren Reisen, die Aline inspirieren. Ein Herzensort ist dabei Thailand, wo die junge Autorin ihr neuestes Werk ansiedelt: Die La vie est belle-Organisation des Arztes Dr. Luc Beaurallet setzt sich auf der idyllischen Insel für etwas Außergewöhnliches ein: Von der Gesellschaft verachtete und von Experten als unheilbar eingestufte Mörder sollen durch die neuesten neuropsychologischen Erfindungen zur Einsicht und Reue gelangen, um dadurch mit ihren Taten abschließen zu können. Mitten in den Tropen befinden sich zur positiven Umsetzung dieses brillanten Projektes zehn Mörder auf einem Fleck – doch dann geschieht ein Mord …
Aline Tosch im Interview
Aline, wie bist du in dieser traumhaft harmonischen Atmosphäre auf das Thema Gut und Böse, Himmel und Hölle gekommen?
Thailand ist für mich das Paradies auf Erden. Ein Ort, der wahrhaftig zum Träumen anregt. Die Menschen empfingen mich jedes Mal mit einem Lächeln auf dem Gesicht und waren stets zuvorkommend. Während meiner Reisen in jenem tropischen Land verspürte ich kein einziges Mal ein Gefühl von Furcht, weswegen ich es umso spannender fand, eine Geschichte, die nur von diesem dramaturgischen Element lebt, dort spielen zu lassen. Als Thriller-Autorin liebe ich es, einem himmlisch wirkenden Ort eine teuflische Geschichte zuzuschreiben, die, je länger man sie liest, immer verwobener und spannender wird.
In der Geschichte begibst du dich in die Problematik psychiatrischer Behandlungen. Wie hast du recherchiert?
Wenn man als Autorin in bestimmte Themenbereiche eintaucht, ist es sehr wichtig, ordentliche Recherchearbeit zu leisten. Die Psyche eines Menschen hat mich schon immer fasziniert. Am liebsten kreiere ich Charaktere, die ich selbst keineswegs verstehen kann, wie die Mörder in „Der rote Pool von Samui“. Um bei der Erstellung der Patientenprofile keine Fehler zu machen, habe ich mithilfe einiger psychologischer Fachliteratur gearbeitet und sogar ein Gespräch mit einer Psychologin, die in einer Justizanstalt tätig ist, geführt.
Gab es in deiner Recherche auch Fakten, die dich erschreckt haben?
Es hat mich erschreckt, dass die Geschichten meiner Charaktere genauso gut im echten Leben vorkommen können. Das Böse schläft nie! Zudem war ein weiterer Gedanke sehr bedenklich: Die Mörder aus meinem Buch würden in der Menge nicht auffallen. Sie würden wie der normale Durchschnittsbürger wirken. Man weiß nie, mit wem man es eigentlich zu tun hat, weshalb es wichtig ist, immer genau hinzusehen.
Du erzählst sehr authentisch und spannungsgeladen. Planst du die Handlung im Detail oder lässt du dich von einigen deiner Protagonisten vielleicht sogar überraschen?
Ich bin definitiv eine detailverliebte Planerin. Ohne eine fixe Idee und einen funktionierenden Plot beginne ich erst gar nicht zu schreiben. Während des Schreibens lasse ich aber durchaus neue Ideen zu.
Sind darunter auch Figuren, die dir besonders naheliegen?
Ich hege zu jedem Charakter eine Beziehung und sie liegen mir alle am Herzen, da sie schließlich ein Produkt meiner eigenen Fantasie sind. Zu den Mördern aus „Der rote Pool von Samui“ pflege ich jedoch eine Hass-Liebe.
Du bist siebzehn Jahre alt. Siehst du es eher als Vorteil oder als Herausforderung, so jung im Thriller-Genre zu sein?
Ich habe mich meines Erachtens auf wunderschönste Art und Weise in diese Welt eingefunden. Es gab natürlich schwierige Momente, aber wo gibt es die nicht? Ich sehe es allerdings als Vorteil, da ich somit zeigen kann, dass das Alter nur eine Zahl ist, wenn man seinen künstlerischen Beitrag zur Gesellschaft leisten möchte.
Gibt es ein Genre, das du noch ausprobieren möchtest?
In meinem dritten Buch, das sich bereits in der Entstehungsphase befindet, werde ich mich auch in das Genre „Romanze“ wagen. Trotzdem werden Spannung, Mord und jede Menge Plots nicht zu kurz kommen!
Wie stehst du zu Büchern, die komplett von ChatGPT generiert sind?
Diese Werke würde ich nicht einmal als „Bücher“ bezeichnen. Geschichten leben von Menschen und Menschen von Geschichten. Eine Story ist für mich mehr wert, wenn ich weiß, dass ein gewisser Mensch mehrere Monate oder sogar Jahre damit zugebracht hat, sie zu schreiben.
Hättest du drei Wünsche an die gute Fee, welche wären das?
Zuallererst einmal Gesundheit. Dann wünsche ich mir, dass ich weiterhin so magische Orte bereisen kann, die mich zu neuen Geschichten inspirieren. Als Letztes wünsche ich mir, dass meine Werke eines Tages auf der Leinwand zu sehen sind …
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