
Serenadenkonzerte 2025: Die Highlights
Das Jubiläumsjahr 2025 hält auch eine Besonderheit bereit
© Pfoser ZT/Herfert
Bereits zum 65. Mal würdigen die Serenadenkonzerte des Landes NÖ in ununterbrochener Reihenfolge große Komponisten, die hier lebten, wirkten oder geboren sind. Unter dem Titel „Musik am Ursprung“ begeistern auch heuer wieder international gefeierte Künstlerinnen und Künstler – wie auch herausragende junge Talente.
Die Serenadenkonzerte würdigen große Komponisten des Landes
Diese älteste, durchgehend existierende Konzertreihe hat das Ziel, die musikhistorischen Gedenkstätten des Bundeslandes im kollektiven Bewusstsein zu verankern und dem kompositorischen Schaffen des jeweiligen Genius Loci ein Podium am Originalschauplatz zu bieten. In diesem Sinne ist es unter der Künstlerischen Leitung von Michael Linsbauer wieder gelungen, ein beachtenswertes Programm zusammenzustellen, welches über zwei Monate an elf Standorten das Erbe dieser Komponisten zu feiert. „Auch diesen Herbst stellen herausragende Künstlerinnen und Künstler ihr Talent und meisterhaftes Können in den Dienst der Sache, um dem Publikum aus Nah und Fern unvergessliche Konzerterlebnisse zu bescheren“, freut sich Michael Linsbauer und betont ebenso, dass ohne die Hilfe der Gemeinden, kooperierenden Vereinen und oftmals ehrenamtlichen Kulturschaffenden vor Ort eine Konzertserie in dieser Form nicht durchführbar wäre.

Das Jubiläumsjahr 2025 hält auch eine Besonderheit bereit
In der Ehemaligen Synagoge St. Pölten würdigt das Land NÖ mit einer Serenade erstmals niederösterreichische Komponisten, die aufgrund ihrer jüdischen Abstammung ihre Heimat verlassen und im Exil leben mussten – allen voran den in Brunn am Gebirge geborenen Hans Gál. Eine weitere Attraktion ist, dass im Rahmen der Schönberg-Serenade auf dem 1913 gebauten und 1916 von Arnold Schönberg erworbenen Original-Ibach-Flügel musiziert wird. Im Zentrum der Serenadenkonzerte steht immer das klassische Lied ergänzt von Instrumentalmusik und inhaltlich passenden Lesungen oder Rezitationen.
Die Highlights der Serenadenkonzerte 2025
Wir baten vier Künstlerinnen zum Gespräch über den Schönberg-Flügel, die Höhen und Tiefen der Liebesbeziehung zwischen Gottfried von Einem und Lotte Ingrisch, die Fähigkeit der Musik politische Brücken zu bauen – und warum Christoph Wagner-Trenkwitz im Wald eine Ohrfeige bekam …
Sopranistin Cornelia Horak
Zeller-Strauss Serenade
31. August, 18 Uhr, Schloss St. Peter in der Au

Frau Horak, Carl Adam Zeller war hauptberuflich Jurist und Ministerialrat im k.k. Unterrichts-Ministerium. Nebenberuflich komponierte er und gilt mit seinem Werk „Der Vogelhändler“ als ein wichtiger Vertreter der Goldenen Operettenära. Können Sie uns einen ersten Vorgeschmack auf das Konzert an seinem Geburtsort geben?
Wenn man nach Carl Zeller im Internet sucht, scheint doch tatsächlich „Österreichischer Jurist“ auf! Er hatte einen Brotberuf, neben dem er noch Zeit für seine kreative Betätigung fand – ganz ähnlich wie etwa Franz Grillparzer oder Franz Kafka. Uns allen ist Zeller als Schöpfer des „Vogelhändler“ bekannt, ich kenne das Werk sehr gut. Bei einer Neuproduktion in München habe ich die Christel gesungen – und dafür eigens Posthorn spielen gelernt (lacht). Die Kurfürstin habe ich in drei Produktionen verkörpert, natürlich werden einige Stücke aus diesem wunderbaren Werk erklingen. Es freut mich aber, dass Norbert Ernst und ich auch weniger Bekanntes aus der Feder von Carl Zeller aufführen werden, nämlich Ausschnitte aus der seinerzeit sehr populären Operette „Der Obersteiger“ und ein paar seiner Volkstümlichen Lieder.
Aber auch Melodien des Jahresregenten Johann Strauss Sohn werden erklingen…
Ja, denn es ist sehr reizvoll, den volkstümlichen und herzenswarmen Zeller dem großen Walzergenie Strauss gegenüberzustellen. Von diesem werden ebenfalls ein paar wohlbekannte Stücke, etwa aus der „Fledermaus“ und der „Nacht in Venedig“ erklingen, aber auch selten Gehörtes: Ich singe sehr gerne die originale Vokalfassung des „Indigo“-Walzers aus der ersten Strauss-Operette „Indigo und die 40 Räuber“. Da darf ich gleich zur Begrüßung ein hohes C schmettern!
Ihr Ehemann, der bekannte Dramaturg, Musikwissenschaftler und Intendant der Operettenfestspiele Langenlois, Christoph Wagner-Trenkwitz, wird moderieren. Neben der Oper scheint Ihnen beiden die Liebe zur Operette sozusagen in die musikalische DNA geschrieben zu sein. Wie erleben Sie so einen gemeinsamen Abend?
Wir treten nicht so oft gemeinsam auf, und deshalb genießen wir es besonders, wenn es mal dazu kommt. Ich glaube, die Freude, die wir daran haben, springt auch aufs Publikum über! Wir arbeiten viel in der sogenannten „ernsten“ Musik, aber gemeinsame Projekte sind oft wienerische Programme und Operettenaufführungen. Wir sind ja beide aus Wien und teilen eine große Liebe zu unserer gemeinsamen Sprache und Kultur. Da gehe ich mit derselben Hinwendung und Genauigkeit daran wie an Mozart oder Haydn, die, nebenbei bemerkt, ja auch Repräsentanten einer wienerischen Musikkultur waren. In Klagenfurt sind mein Mann und ich vor ein paar Jahren im „Vogelhändler“ aufgetreten. Ich als Kurfürstin sollte ihm, dem Kurfürsten, eine Ohrfeige geben. Das widerstrebte mir so, dass wir die Sache auf einer Wanderung üben mussten. Die vorbeikommenden Spaziergänger haben nicht schlecht gestaunt, dass da mitten im Wald eine Frau ihrem geduldigen Begleiter immer wieder schallende Ohrfeigen verabreicht hat!
Marialena Fernandes & Ranko Markovic
Schönberg Serenade
21. September, 18.30 Uhr, Schönberg Haus Mödling

Frau Fernandes, Sie werden mit Ranko Markovic vierhändige Werke von Arnold Schönberg und Franz Schubert spielen, und Zacharias Galaviz Guerra bei Liedern von Gustav Mahler und Franz Schubert begleiten. Wie fühlt es sich an, auf Schönbergs eigenem Flügel zu spielen?
Arnold Schönberg erwarb den Ibach Flügel 1916, und behielt das Instrument sein Leben lang. Es war ein Teil seines Haushalts in Mödling, in Berlin und in Los Angeles. Im Hause Schönberg wurde immer wieder fleißig vierhändig musiziert. Von daher können wir annehmen, dass die Werke, die wir am 21. September in Mödling aufführen, auf diesem Flügel im Beisein Schönbergs erklungen sind. Wir fühlen uns daher höchst geehrt, insbesondere die Kammersymphonie op.9 in der Version seines Schwiegersohnes Felix Greissle vortragen zu dürfen.
Sopranistin Claudia Goebl
Gottfried von Einem-Serenade
5. Oktober, 16 Uhr, Kirche Oberdürnbach bei Maissau

Frau Goebl, Gottfried von Einem, einer der großen Opernkomponisten des 20. Jahrhunderts, vertonte zahlreiche Gedichte seiner Frau, der Schriftstellerin Lotte Ingrisch, wie „Prinzessin Traurigkeit oder Ein Känguruh im Schnee“ aus dem Jahr 1992. Worauf dürfen wir uns bei dieser Kombination aus Text und Musik freuen?
Auf eine musikalische Reise durch die Höhen und Tiefen einer Liebesbeziehung! Die pointierten, oft doppeldeutigen Texte von Lotte Ingrisch hat Gottfried von Einem mit großem Feingefühl vertont und findet für die emotionalen Stationen dieser Beziehung sowohl ariose als auch rezitativische Ausdrucksformen. Seine Musik erzählt stets den Text – und darf deshalb auch explodieren, wenn es um Streit und Trennung geht. Ich freue mich sehr darauf, dieses Werk gemeinsam mit meinen Kollegen und Freunden Horst Lamnek und Andreas Fröschl aufzuführen. Unsere langjährige Freundschaft trägt viel dazu bei, die Tiefe und Wahrhaftigkeit dieses Stücks auf die Bühne zu bringen.
Im zweiten Teil des Konzertes werden Lieder und Duette von Felix Mendelssohn-Bartholdy, Robert und Clara Schumann sowie Johannes Brahms erklingen – und Sie sind bekannt für Ihre einfühlsamen Interpretationen…
Mit der Wahl der Komponisten Mendelssohn, Schumann und Brahms als Hauptvertreter der Romantik, wird der zweite Programmteil quasi eine Reise mitten ins Herz dieser Epoche sein. Wir zeigen anhand von Duetten und Sololiedern eine ganze Palette an Gefühlen: Zarte Sehnsucht, verliebte Leichtigkeit, bitteren Schmerz, Abschied und stille Melancholie. Und auch Naturmotive spielen an dem Abend eine große Rolle: Das Rauschen des Wassers, der Sonnenuntergang, das nächtliche Meer oder der Wechsel der Jahreszeiten werden zu Spiegeln innerer Zustände, ganz im Sinne der Romantik. Wir haben ganz bewusst sehr bekannte Lieder mit dem ein oder anderen weniger oft gesungenen Duett verknüpft und hoffen, dass das Publikum mit uns diesen poetischen, sehnsuchtsvollen und leidenschaftlichen Ausflug in die Romantik genießen wird.
Sopranistin Shira Patchornik
Serenade des Exils
26. Oktober, 18.30 Uhr, Ehemalige Synagoge St. Pölten

Frau Patchornik, Sie sind in Israel geboren, und haben Ihre Ausbildung in Tel Aviv und Leipzig absolviert. Was bedeutet Ihnen dieser Abend mit Werken von H. Gál, A. Zemlinsky, K. Rankl und G. F. Händel?
Als ich 22 Jahre alt war und nach Deutschland ziehen wollte, um mein Studium in Leipzig fortzusetzen, bat mich mein Vater, nicht zu gehen. Er hat bis heute keinen Fuß auf deutschen Boden gesetzt. Für mich war jedoch klar, dass es der richtige Schritt für meine Karriere war, nach Deutschland zu kommen. Ich habe die grausame Geschichte nie vergessen, aber ich wusste auch, dass ich mit Menschen arbeiten werde, deren Ziel es ist, Botschaften der Hoffnung und des Friedens zu verbreiten. Das ist unser Geschenk als Musikerinnen und Musiker – und wenn wir Programme wie dieses aufführen, sagen wir im Grunde: Wir erinnern uns, wir lernen, wir gestalten eine bessere Zukunft.
Beinhalten diese Werke – angesichts der aktuellen politischen Situation – eine noch größere Botschaft?
Diese Werke und ihre Inhalte sind nicht zwangsläufig politisch. Ich denke, das Wichtigste ist zu erkennen, dass es sich um Komponistinnen und Komponisten handelt, die einst wegen ihrer Religion oder politischen Überzeugungen zum Schweigen gebracht und ins Exil gezwungen wurden. Dass wir ihre Musik heute aufführen, erinnert daran, dass keine Stimme auf Dauer unterdrückt werden kann. Ich finde, das aktuelle politische Klima in der Welt ist erschütternd. Wir müssen lernen, mehr Mitgefühl zu zeigen. Was die Hamas am 7. Oktober getan hat, lässt sich durch nichts rechtfertigen – und gleichzeitig darf man sich niemals freuen, wenn ein Kind in Gaza verhungert. Musik war schon immer ein politisches Mittel, aber sie muss auch Brücken schlagen und Menschen verbinden – und genau darum geht es in diesem Konzert. Was früher nicht gemeinsam aufgeführt werden konnte und keinen Platz im Mainstream hatte, findet heute diesen Raum.
Mehr Infos und alle Termine findet ihr hier!
_____________
Das könnte dich auch interessieren:
Weitere Artikel zu diesem Thema
People
2 Min.
Ed Westwick: Hollywood-Star shootet für Trachtenlabel
Der Schauspieler überzeugt mit Lara Runarsson für Krüger vor der Kamera.
Schauspieler und Stil-Ikone Ed Westwick ist das neue Gesicht der Herbst-Winter-Kampagne von Krüger. Gemeinsam mit Influencerin Lara Runarsson präsentiert er die Highlights der kommenden Saison – inszeniert vor malerischer Kulisse am Tegernsee. Bereits im letzten Jahr zeigte sich Ed Westwick an der Seite von Krüger auf dem Münchner Oktoberfest. Nun geht die Zusammenarbeit in eine … Continued
2 Min.