Karin Metz - Bio-Bäuerin

Karin Metz: Bäuerin mit Weitblick

Die Mostviertlerin im Interview

6 Min.

© Uschi Wolf

Sie verbindet die Liebe zur Heimat mit der Leidenschaft für hochwertige Bio-Produkte: Bio-Bäuerin Karin Metz über landwirtschaftliche Vielfalt, Verantwortung und die Begeisterung für ihren Beruf.

Bio-Bäuerin Karin Metz im Interview

Als Älteste von zwei Schwestern wurde Karin Metz in die Landwirtschaft hineingeboren. Schon früh war ihr klar, dass sie den elterlichen Betrieb in Haag im Mostviertel eines Tages übernehmen würde. Nach einer landwirtschaftlichen Ausbildung und beruflichen Stationen beim Maschinenring sowie der oberösterreichischen Wasserschutzberatung stieg sie schließlich in den elterlichen Hof ein und baute gemeinsam mit ihrem Mann den Bio-Kürbishof Metz auf. Ihr Ziel ist es, Tradition und Moderne im Anbau und in der Verarbeitung von Kürbissen zu verbinden, sowie ihr Wissen und ihre Erfahrungen bei ihren Hofführungen weiterzugeben und dadurch Türen und Tore für die Landwirtschaft zu öffnen. Wir haben die leidenschaftliche Bio-Bäuerin zum Interview getroffen. 

Was bedeutet es für dich, Bäuerin zu sein und einen Hof zu führen?

Das bedeutet für mich Freude, Entfaltung und Verantwortung. Mir wurde etwas anvertraut, mit dem ich so umgehen möchte, dass ich es auch der nächsten Generation gut weitergeben kann. Es sind die Felder, die Tiere, die Familie und so vieles dazwischen, für das ich Verantwortung spüre. Ich trage Verantwortung für das, was ich säe – insbesondere als Bio-Betrieb, der strenge Kontrollen einhalten muss – wie wächst das, wie pflege ich das, wie schone ich Ressourcen, wie sorge ich für Nachhaltigkeit und vieles mehr. Ich möchte schließlich gute, hochwertige und gesunde Lebensmittel erzeugen, die ich direkt an die Konsumenten weitergeben darf. All das bedeutet Verantwortung, aber es bringt gleichzeitig auch große Entfaltungsmöglichkeiten mit sich. Ich glaube, es gibt keinen Beruf, in dem man so viele Möglichkeiten hat, das zu tun, was einem Freude bereitet! Ich habe natürlich auch das große Glück gehabt, dass meine Eltern das auch immer zugelassen haben und wir viele Freiheiten bekommen haben. Und nicht nur meine Eltern, sondern auch die Großelterngeneration war schon sehr offen und aufgeschlossen. Ich glaube, ein wesentlicher Aspekt für einen erfolgreichen Betrieb ist, dass Veränderung und Neues zugelassen wird.

Du sagst selbst „Vielfalt ist eure Stärke“ – wie zeigt sich das auf eurem Hof?

Vielfalt ist etwas, das sich bei uns in jeder Hinsicht zeigt: Sei es die Fülle an verschiedenen Kürbissorten – wir haben über 150 verschiedene –, oder die Vielfalt unserer Betriebszweige, denn der Kürbishof ist ja nur einer davon. Wir betreiben den Bio-Ackerbau, der die Basis für alles ist, was wir machen; wir haben eine Ölmühle für kaltgepresste Bio-Öle, der  Getreidehandel und die Grünraumpflege im ländlichen Raum sind weitere Standbeine, und kürzlich hat unser Sohn noch mit Hackgut-Erzeugung begonnen – unsere Aufgaben sind also extrem vielfältig und verändern sich das ganze Jahr über je nach Saison. Der Alltag ist dadurch immer abwechslungsreich und spannend, und natürlich oft auch fordernd, aber ich liebe genau diese Abwechslung! In einem reinen Bürojob, in dem ich das ganze Jahr über jeden Tag das Gleiche machen müsste, wäre ich nicht glücklich geworden. 

Dir liegt die Zusammenarbeit mit anderen Betrieben besonders am Herzen – warum ist es dir so wichtig, eine lebendige Region und ein Miteinander zu fördern?

Ich denke, wenn jeder seinen Beitrag leistet, dann ist eine lebendige Region einfach die Basis dafür, dass sich etwas tut. Im Verein der Bäuerinnen bin ich Gebietsbäuerin – das ist eine großartige Gemeinschaft, in der viele Ideen entstehen, die einem alleine wahrscheinlich nicht einfallen würden. Sei es in Workshops, bei Projekten wie „Schule am Bauernhof“, wo wir Kindern und Jugendlichen Einblicke in landwirtschaftliche Betriebe geben, oder einfach beim gemeinsamen Austausch: Durch das Miteinander entstehen Dinge, die dann wieder jeder Einzelnen helfen können. Es ist wichtig, dass wir lernen, uns gegenseitig zu stärken und zu unterstützen. Denn wir profitieren alle voneinander! Oft ist es auch einfach schön, sein eigenes Wissen an andere weitergeben zu können und etwas zurückzugeben. Das ist für ich absolut sinnerfüllend und sinnstiftend!  


Das Jahr der Bäuerin ist ein großes Geschenk für uns!

Karin Metz
2026 ist das „Jahr der Bäuerin“, das nicht nur die Rolle der Frau in der Landwirtschaft würdigt, sondern auch ihre Herausforderungen sichtbar machen soll. Welche Herausforderungen erlebst du selbst?

Speziell bei den Bäuerinnen ist es die Vielfalt der Aufgaben, die wir oft zu stemmen haben: Landwirtschaft, Beruf, Familie, Haushalt, bürokratische Aufgaben, die Verantwortung für die Tiere und vieles mehr. Vor allem das Thema Familie, Generationen & Partnerschaft, und wie sehr wir alle am Arbeitsplatz miteinander verflochten sind, ist etwas, das viele Bäuerinnen stark beschäftigt. Die Tage sind oft lang, man muss auf seine Pausen schauen, sich Auszeiten nehmen und Energietankstellen finden, mit denen man wieder zu Kräften kommt. Das ist ganz wichtig! Unser Familienleitbild ist: Ich muss zuerst auf mich schauen. Denn wenn es mir gut geht, kann es mir in meiner Partnerschaft gut gehen und das spürt wiederum die ganze Familie. Und wenn die Familie harmoniert, dann wirkt sich das auf den Hof aus und das wirkt dann wiederum in die Region hinaus. Es geht nur in dieser Reihenfolge! Das ist etwas, worauf wir auch in der Gemeinschaft der Bäuerinnen einen großen Fokus legen und ein Thema, dem wir uns bereits jahrelang stark annehmen: Kommunikation und Mental Load. Wir sensibilisieren einerseits unsere Konsumenten und unsere Kunden für die Wertschätzung unserer Produkte und unserer Arbeit. Andererseits sensibilisieren wir uns aber auch untereinander dafür, dass es uns gut geht, damit wir unsere vielfältigen Aufgaben zufrieden erfüllen können. 

Was ist deine persönliche Energietankstelle?

Das Singen! Ich bin leidenschaftliche Chorsängerin beim Chor Haag. Das ist ein wunderschöner gemischter Chor mit 70 Mitgliedern. Wir haben tolle Erlebnisse zusammen – von Chorreisen nach Griechenland bis hin zu großen Werken, die wir aufführen. Das tut mir und meiner Seele gut, gibt mir wahnsinnig viel Energie und ist ein wertvoller Ausgleich zu meinem vollgepackten Alltag.

Was sollen Konsumentinnen und Konsumenten aus dem“ Jahr der Bäuerin“ mitnehmen? 

Das Besondere an diesem Jahr ist, dass die Geschichten hinter den Höfen, hinter den Menschen, die auf den Höfen arbeiten, hinter den Lebensmitteln, die die Konsumenten im Geschäft oder in Hofläden bekommen, durch die mediale Aufmerksamkeit jetzt verstärkter nach außen kommen. Ich wünsche mir, dass dadurch das Bewusstsein und die Wertschätzung für die Produkte wachsen dürfen und dass die Konsumenten mit noch mehr Selbstverständnis zu regionalen Lebensmitteln greifen – das wäre ein Meilenstein für die bäuerlichen Familien und unsere Region. Und für die Bäuerinnen und Bauern wünsche ich mir, dass das Selbstbewusstsein wachsen darf! Wir leisten Großes und wir dürfen stolz darauf sein, was wir tun – dann tritt man nämlich auch ganz anders auf und es fällt einem vielleicht auch leichter, sichtbar zu werden. Es ist ganz wichtig, dass die Bäuerinnen und Bauern in die Sichtbarkeit kommen. Das passiert in diesem Jahr nun verstärkt – und das ist ein großes Geschenk für uns!

Mehr Infos zum Kürbishof unter www.biokuerbishof-metz.at

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