Seitliches Profil einer Frau, die sich gestresst auf den Kopf greift

Kein Stress! Warum Resilienz durch Regeneration entsteht

Eine Expertin klärt auf

5 Min.

© Matteo Vistocco / Unsplash

Stress zählt zu den häufigsten Gesundheitsrisiken unserer Zeit. Doch warum ist das so – und wie lässt sich Resilienz stärken? Im „Stress Awareness Month“ April haben wir uns diesem Thema gewidmet und mit einer Expertin darüber gesprochen. 

So wirken wir Stress entgegen

“Sorry, ich bin im Stress!“ – ein Satz, den wohl die meisten von uns nur allzu gut kennen. Stress ist längst zum ständigen Begleiter im Alltag geworden. Laut der „Mavie Stress Studie 2025“ fühlen sich 70 Prozent der Österreicherinnen und Österreicher häufig gestresst und geben an, dass die Belastung weiter steigt. Häufige Gründe sind etwa der Job, familiäre Verpflichtungen oder soziale Erwartungen. Die Folgen der Dauerbelastung machen sich oft  körperlich bemerkbar: Erschöpfung, Schlafstörungen oder Gereiztheit sind nur einige der möglichen Symptome einer zu starken Belastung des Nervensystems.

70 Prozent
der Österreicherinnen und Österreicher sind (sehr) häuig gestresst. Vier von zehn Befragten sagen außerdem, dass die Stressbelastung in den vergangenen Jahren noch schlimmer geworden sei.

Mavie Stress Studie 2025

Dass Stress mittlerweile als Volkskrankheit gilt und besonders Frauen darunter leiden, zeigen auch aktuelle Zahlen zur Alltagsbelastung von Frauen in Österreich, die im Rahmen einer repräsentativen Umfrage von Pure Encapsulations gemeinsam mit dem unabhängigen Forschungsinstitut TQS erhoben wurden. Demnach berichten 51 Prozent von innerer Unruhe, Nervosität oder Anspannung. Für 45 Prozent zählen familiäre Verpflichtungen und soziale Erwartungen zu den größten Belastungsfaktoren. Gleichzeitig sagt ein erheblicher Teil der Befragten, dass im Alltag vor allem eines fehlt: Zeit für sich selbst. Dabei wäre genau das entscheidend. Denn die eigentliche Gefahr liegt nicht in der Belastung selbst, sondern im fehlenden Ausgleich. 

Stress ist kein Feind

Krank macht also nicht der Stress selbst, sondern der falsche Umgang damit. Genau davor warnt Dr. Magdalena Mischkounig, Ärztin und Expertin für emotionale Selbstführung unter anhaltender Belastung. Sie unterstützt Frauen unter anderem mit einem strukturierten 10-wöchigen Trainingsprogramm dabei, ihre Resilienz und Selbstregulation nachhaltig zu stärken – und plädiert bei dem Thema auf einen wichtigen Perspektivenwechsel: „Stress ist kein Feind. Er ist ein biologisches Hochleistungsprogramm, das uns hilft, mit Anforderungen umzugehen. Ohne Stress gäbe es keine Entwicklung, keine Anpassung, kein Lernen.“ Er ist also kein Zeichen von Schwäche, sondern medizinisch gesehen eine sinnvolle Anpassungsleistung unseres Organismus an eine Herausforderung, die uns dabei hilft, Energie, Fokus und Handlungsfähigkeit zu mobilisieren.

Dennoch wird Stress gesellschaftlich häufig fast ausschließlich negativ bewertet. Viele Menschen versuchen, ihn um jeden Preis zu vermeiden und ordnen Anforderungen im Alltag schnell als Überforderung ein, erklärt die Expertin. Dabei liegt das grundlegende Problem woanders: „Krank macht nicht die Herausforderung selbst, sondern wenn wir dem Körper danach keine Zeit zur Erholung und Verarbeitung geben“, so Mischkounig, denn: „Unser Nervensystem ist darauf ausgelegt, zwischen Anspannung und Erholung zu pendeln. Bleibt dieses Pendeln aus, entsteht ein Zustand chronischer Aktivierung.“ Die gute Nachricht: Genau dieses Pendeln können wir bewusst steuern. Wer lernt, Stress zu verstehen und aktiv auszugleichen, kann ihn als Energiequelle nutzen statt als Last.

Resilienz durch Regeneration

Um chronischen Stress und eine dauerhafte Überlastung des Nervensystems zu vermeiden, ist es wichtig, Resilienz aufzubauen, indem wir Belastung und Erholung bewusst abwechseln. Wer dies vernachlässigt und körperliche Warnsignale wie Schlafstörungen, Erschöpfung oder Verdauungsprobleme ignoriert, riskiert, dass aus einer gesunden Stressreaktion ein gesundheitliches Risiko wird. Ein Thema, mit dem auch die Expertin in ihrer Arbeit immer wieder konfrontiert ist: „Viele Menschen – insbesondere Frauen in dauerhafter Mehrfachverantwortung – erleben Belastung als konstanten Normalzustand. Das Nervensystem gewöhnt sich an diesen Alarmmodus.“ Die Lösung: Resilienz durch Regulation.

Regulation ist trainierbar. Wir sind dem Stress nicht ausgeliefert!

Dr. Magdalena Mischkounig

Aber was ist Resilienz eigentlich genau? „Es ist kein Durchhalten!“, stellt Magdalena Mischkounig klar. Es gehe nicht darum, Belastungen einfach auszuhalten, sondern vielmehr um die Fähigkeit, flexibel darauf reagieren zu können, ohne dauerhaft in Alarmbereitschaft zu bleiben. Ziel ist es, Erfahrungen in einem Zustand von Sicherheit und Regulation einzuordnen, emotional zu verarbeiten, die eigene Handlungsfähigkeit zu erweitern und Herausforderungen in unsere innere Struktur zu integrieren. „Die gute Nachricht ist: Regulation ist trainierbar. Wir sind dem Stress nicht ausgeliefert – aber wir müssen lernen, Aktivierung bewusst zu unterbrechen und Integration zu ermöglichen“, beruhigt die Ärztin und versichert, dass sich unser Umgang mit Stress dadurch grundlegend verändert. Wie das gelingt? Durch gezielte Pausen.

Kein Stress!

Wer sich bei dem Gedanken an die Pausenplanung während turbulenter Phasen schon jetzt gestresst fühlt, kann an dieser Stelle durchatmen: Regeneration muss nicht lange dauern und kann schon durch kleine tägliche Auszeiten geschehen, in denen Stresshormone abbauen können. „Entscheidend ist die Regelmäßigkeit“, betont Mischkounig und erklärt: „Konkret kann das bedeuten: eine langsame, verlängerte Ausatmung über mehrere Atemzyklen, ein bewusster Moment der Körperwahrnehmung oder ein kurzes reflektierendes Innehalten am Ende des Tages.

Wichtig ist nicht die Methode, sondern dass das Nervensystem die Erfahrung von Regulation macht.“ Und dafür muss Zeit sein! Denn: „Wer dauerhaft keine Zeit für Regulation einplant, wird früher oder später gezwungen sein, Zeit für Erschöpfung oder Krankheit einzuplanen“, warnt die Ärztin. Umso wichtiger ist es, die Kraft kurzer Pausen zu erkennen: Sie sind entscheidend für unsere emotionale Selbstregulation und unsere körperliche Gesundheit. Wer diese Momente bewusst zulässt und einplant, stärkt seine Resilienz – und lernt, Stress aktiv zu steuern, statt ihm hilflos ausgeliefert zu sein.

Dr. Magdalena Mischkounig
© Magdalena Mischkounig

Über Dr. Magdalena Mischkounig

Dr. Magdalena Mischkounig ist Ärztin und Expertin für emotionale Selbstführung unter anhaltender Belastung. Sie begleitet Frauen in einem strukturierten 10-wöchigen Trainingsprozess dabei, Regulation und Resilienz nachhaltig aufzubauen. Mehr Infos unter www.meet-greetmischkounig.com

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