Der neue BMW iX3: Biberzähne oder Design-Coup?
Der neue BMW iX3 ist das erste Modell der „Neuen Klasse“. Wir haben getestet, ob der Elektro-SUV die hohen Erwartungen erfüllen kann.
© Ana Mrvelj
Biberzähne oder Design-Coup? Beim neuen BMW iX3 gehen die Meinungen auseinander. Auch wir waren nicht ganz sicher, was wir von der neuen Front halten sollen. Nach einigen Tagen mit dem Elektro-SUV war die Sache allerdings klarer: Über das Design lässt sich streiten, über seine inneren Werte allerdings nicht.
Denn der neue iX3 ist für BMW mehr als nur ein weiteres Elektroauto. Als erstes Serienmodell der sogenannten „Neuen Klasse“ soll er zeigen, wie die Marke künftig aussehen, fahren und sich anfühlen will. Entsprechend groß waren unsere Erwartungen, als wir den vollelektrischen Mittelklasse-SUV für unseren Test übernommen haben.

Ein neuer Anfang
Der BMW X3 gehört seit seiner Einführung im Jahr 2003 zu den erfolgreichsten Modellen der Münchner. 2020 folgte mit dem iX3 die vollelektrische Variante. Nun beginnt mit der neuen Generation ein weiterer Abschnitt: Der neue iX3 ist das erste Serienmodell auf der „Neuen Klasse“, einer komplett neu entwickelten Plattform. Deren Technologien sollen bis 2027 in rund 40 neue Modelle und Modellüberarbeitungen einfließen.
Das klingt nach viel Zukunftsmusik. Für uns zählt allerdings weniger, was BMW für die kommenden Jahre verspricht, sondern wie sich das erste Modell dieser neuen Generation im Alltag schlägt. Und genau da wird es interessant.
Das Design: Geschmackssache
Fangen wir mit dem Design an. Die neue, vertikale Niere ist definitiv gewöhnungsbedürftig. Während die einen die neue Optik feiern, erinnert sie andere eher an Biberzähne. Wir können beide Seiten verstehen. Mit der optionalen Iconic Glow-Beleuchtung sieht die Sache allerdings schon wieder anders aus. Wenn die Niere samt seitlichen Elementen bei Dunkelheit leuchtet, wirkt die Front deutlich stimmiger und durchaus elegant.
Überhaupt sind es die Details, die uns beim iX3 gefallen. Die bündig integrierten Türgriffe fahren automatisch aus, sobald man sich dem Auto nähert. Auch die optionalen 22-Zoll-Felgen stehen dem BMW gut. Sie unterstreichen die sportliche Optik, ohne das Auto unnötig wuchtig wirken zu lassen. Apropos wuchtig: Genau das ist der iX3 gar nicht. Mit knapp 1,60 Metern Höhe wirkt er deutlich flacher als viele andere SUV. Das mögen wir, denn dadurch wirkt er eher elegant als bullig. Gleichzeitig sitzt man angenehm erhöht und hat eine gute Übersicht.
Das große Panoramaglasdach sorgt zusätzlich für Licht im Innenraum. Einziger Wermutstropfen: Es lässt sich nicht öffnen. Schade!



Alltag kann er
Bei unseren Testwagen interessiert uns natürlich nicht nur die Optik. Schließlich soll er im Alltag funktionieren – und zwar möglichst unkompliziert.
Beim Platzangebot gibt es wenig zu meckern. Der Kofferraum fasst 520 Liter und lässt sich durch das Umklappen der Rücksitze auf bis zu 1750 Liter erweitern. Das reicht für den Wocheneinkauf ebenso wie für unsere Sporttaschen oder das Gepäck für den Kurztrip. Praktisch sind außerdem der doppelte Ladeboden und der 58 Liter große Frunk unter der Fronthaube. Dort lassen sich Ladekabel und kleinere Dinge verstauen, die sonst gerne im Kofferraum herumfliegen.
Und auch hinten wird es nicht eng. Weil der Mitteltunnel entfällt, können auf der Rückbank drei Erwachsene Platz nehmen. Damit ist der iX3 ein vollwertiger Fünfsitzer.

Der Innenraum
Der Innenraum des neuen iX3 hat uns schlichtweg umgehauen. Hochwertige Materialien, saubere Verarbeitung und sehr komfortable Sitze sorgen dafür, dass man sich bereits beim ersten Platznehmen wohlfühlt.
Unser persönliches Highlight ist „Panoramic Vision“. Dabei handelt es sich um ein Display, das sich im unteren Bereich über die gesamte Breite der Windschutzscheibe erstreckt. Dort werden wichtige Informationen wie Geschwindigkeit oder Navigationshinweise angezeigt, ohne dass man den Blick weit von der Straße nehmen muss. Das Beste daran: Die Inhalte lassen sich individuell konfigurieren und sind auch für den Beifahrer sichtbar. Wir geben es zu: Wir waren schockverliebt.
So viel Begeisterung gibt es allerdings nicht für jedes Detail. Auf dem neuen Lenkrad ist uns persönlich etwas zu viel los. Und auch die neuen Türöffner haben uns vor eine kleine Herausforderung gestellt. Wir haben mehr als einmal daneben gegriffen. Nach ein paar Tagen funktioniert es dann, aber intuitiv ist es nicht unbedingt.

Souverän auf der Straße
Auch technisch hat sich beim neuen iX3 einiges getan. Er basiert auf einer 800-Volt-Architektur und kann mit bis zu 400 kW laden. Unter optimalen Bedingungen sollen zehn Minuten an einer Schnellladesäule für bis zu 372 Kilometer zusätzliche Reichweite genügen.
Stichwort Reichweite: Hier haben die Bayern ordentlich nachgelegt. Auf dem Papier sind bis zu 721 Kilometer nach WLTP möglich. In unserem Test kamen wir auf rund 600 Kilometer. Natürlich hängt die tatsächliche Reichweite von zahlreichen Faktoren ab – unter anderem von Fahrweise, Temperatur und Strecke. Für uns zählt aber vor allem, was im echten Leben herauskommt. Und rund 600 Kilometer sind ein Wert, mit dem sich auch längere Fahrten deutlich entspannter planen lassen.


469 PS und trotzdem ganz entspannt
Wer beim iX3 nur an komfortables Dahingleiten denkt, unterschätzt ihn massiv. 469 PS sorgen für ordentlich Schub und exzellente Überholmanöver. Von null auf 100 Stundenkilometer geht es in nur 4,9 Sekunden. Das Schöne daran: Man muss diese Leistung nicht ständig ausreizen. Der kompakte Bayer kann schnell, wenn man möchte, fährt sich ansonsten aber angenehm ruhig und souverän.
Besonders angenehm ist auch der sogenannte Soft Stop. Die Rekuperation übernimmt den Großteil der Verzögerung und bringt den Wagen besonders sanft zum Stehen. Das klingt zunächst nach einem kleinen technischen Detail, macht im Alltag aber tatsächlich einen spürbaren Unterschied.
Und dann wäre da noch der Preis …
Wo viel Licht ist, gibt es natürlich auch Schatten. Beim iX3 ist das leider der Preis. Unser Testmodell, der iX3 50 xDrive, startet bei 69.950 Euro. Mit der Topausstattung kommen noch einmal knapp 20.000 Euro dazu. Damit kratzt der BMW schnell an der 90.000-Euro-Marke. Da darf man schon einmal schlucken …
Denn so überzeugend Technik, Reichweite und Komfort auch sind: Fast 90.000 Euro für einen Mittelklasse-SUV sind eine Ansage. Hier muss jeder für sich entscheiden, welche Ausstattung wirklich notwendig ist und wie viel Zukunftstechnik man sich leisten möchte.
Unser Fazit:
Der neue BMW iX3 ist mehr als nur die nächste Generation eines erfolgreichen SUV. Er zeigt, welche Richtung BMW mit der „Neuen Klasse“ einschlagen will. Besonders das neue Anzeige- und Bedienkonzept, die deutlich verbesserte Ladeleistung und die alltagstaugliche Reichweite haben uns beeindruckt. Das Design wird nicht jeden Geschmack treffen, aber das muss es auch nicht – denn wer will schon „Everybody’s Darling“ sein?
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