Nahaufnahme Auge einer Frau

Augen unter Druck: Warum gutes Sehen bis 2035 zur Gesundheitsfrage Nummer eins werden könnte

Eine aktuelle Studie

4 Min.

Amanda Dalbjörn / Unsplash

Unsere Augen leisten täglich Höchstarbeit – doch ihre Gesundheit wird oft erst dann zum Thema, wenn Probleme auftreten. Eine aktuelle europäische Delphi-Studie der WHU – Otto Beisheim School of Management im Auftrag von Ursapharm prognostiziert für das Jahr 2035 einen deutlichen Anstieg von Sehproblemen, insbesondere durch zunehmende Bildschirmarbeit, steigende Kurzsichtigkeit und eine alternde Bevölkerung. 

Für die Studie bewerteten 57 Fachleute aus Wissenschaft, Medizin, Industrie und Regulierung insgesamt 14 Zukunftsprojektionen zur okulären Gesundheit in Europa. Ihr gemeinsamer Blick in die Zukunft zeichnet ein deutliches Bild: Mehr Bildschirmarbeit, eine alternde Gesellschaft und steigende Kurzsichtigkeit werden Europas Augen massiv belasten – und machen Augengesundheit damit auch zu einer strategischen Herausforderung für das Gesundheitssystem.

Mehr Bildschirme, mehr Beschwerden

Nach Einschätzung der Expertinnen und Experten sei zu erwarten, dass bis 2035 “mindestens 80 Prozent aller Arbeitsplätze in Europa eine ständige Konzentration auf einen Bildschirm oder ein ähnliches visuelles Anzeigegerät erfordern werden”. Faktoren wie Homeoffice, Künstliche Intelligenz oder die weiter fortschreitende digitale Transformation beschleunigen diese Entwicklung weiter. “Unsere Ergebnisse zeigen klar: Augengesundheit wird in den kommenden Jahren kein Randthema mehr sein, sondern zu einem zentralen Bestandteil der öffentlichen Gesundheitsvorsorge werden”, betont Studienautor Prof. Dr. Sascha L. Schmidt von der WHU. “Digitalisierung und demografischer Wandel verstärken sich gegenseitig – und setzen das visuelle System der Bevölkerung dauerhaft unter Druck.”

Kurzsichtigkeit & Trockene Augen

Vor allem die Prognosen der Studie für die jüngere Generation fallen deutlich aus. Demnach könnten mindestens 60 Prozent der unter 30-Jährigen in Europa bis 2035 kurzsichtig sein. Gründe dafür seien veränderte Lebensgewohnheiten wie die Überlastung der Augen im Nahbereich oder der Mangel an Tageslicht. Eine weitere Folge der zunehmenden Belastung durch Bildschirmarbeit sei zudem ein Anstieg des sogenannten Computer Vision Syndrome (CSV), das Symptome wie trockene und brennende Augen, verschwommenes Sehen, Kopfschmerzen und Konzentrationsprobleme umfasst. Hauptursache dafür sei einerseits die weiter steigende Bildschirmnutzung, andererseits spielen aber auch Faktoren wie die zunehmende Nutzung von Klimaanlagen oder die Luftqualität in Städten sowie der Klimawandel eine Rolle. Die Studie geht sogar davon aus, dass CVS bis 2035 offiziell als Krankheit in die internationale Klassifikation (ICD) aufgenommen werden könnte. „Eine solche Anerkennung würde erstmals standardisierte Diagnosen und gezielte Therapien ermöglichen und die gesellschaftliche Relevanz digitaler Augenbelastung sichtbar machen“, so Schmidt.

Der Markt für Augengesundheit wächst

Die Folgen dessen zeigen sich in Zukunft auch wirtschaftlich: Die Befragten gehen davon aus, dass nicht nur der medizinische Bedarf, sondern auch der europäische Markt für Augenheilkunde wachsen wird. Dieser könnte sich innerhalb der nächsten zehn Jahre laut Prognosen sogar verdoppeln. Wachstumstreiber sind insbesondere neue Technologien in Diagnostik, Therapie und Prävention – darunter Teleophthalmologie, KI-gestützte Screenings, smarte Linsen und individualisierte Behandlungskonzepte. Allerdings sehen die Expertinnen und Experten auch strukturelle Grenzen: Fachkräftemangel, regulatorische Rahmenbedingungen und Kosten könnten die Versorgungskapazitäten einschränken.

Prävention bleibt die größte Herausforderung

Obwohl die Bedeutung der Augengesundheit in den kommenden Jahren laut der Studie steigen wird, rechnen die Expertinnen und Experten dennoch nicht mit verpflichtenden jährlichen Augenuntersuchungen oder etwa einer europaweiten Regulierung der Bildschirmzeit für Kinder. Solche Maßnahmen seien schwer umsetzbar. Stattdessen werde die Verantwortung zunehmend bei den Einzelnen liegen. Mehr Chancen sehen die Befragten eher bei einfachen Präventionsmaßnahmen. So halten sie es für wahrscheinlich, dass künftig deutlich mehr Menschen – mehr als 70 Prozent der Europäerinnen und Europäer – ihre Augen regelmäßig vor UV-Strahlung schützen und den Zusammenhang zwischen Ernährung und Augengesundheit erkennen. Und auch das Vertrauen in den Einfluss der Ernährung auf die Augengesundheit wird vorraussichtlich weiter wachsen. Digitale Lösungen wie mobile Monitoring-Apps oder smarte Kontaktlinsen bieten zusätzliche Potenziale für Früherkennung und Prävention, stoßen jedoch weiterhin auf Akzeptanz- und Datenschutzbedenken.

“Die Delphi-Studie zeigt, wohin sich Augengesundheit aus heutiger Sicht in Europa entwickeln wird, welche Belastungen zunehmen und wo Versorgung, Prävention und Aufklärungstärker ansetzen müssen.”, betont Ulrike Swoboda, Geschäftsführerin von URSAPHARM Österreich im Interview mit PERISKOP. “Für uns ist das Teil unserer Verantwortung: Wir wollen nicht erst dann handeln, wenn Probleme bereits groß sind, sondern frühzeitig erkennen, wo Handlungsbedarf entstehen wird.”

Fazit

Die Studie zeichnet ein klares Zukunftsbild: Unsere Augen werden in den kommenden Jahren stärker gefordert sein als je zuvor und Augengesundheit wird bis 2035 zu einem strategischen Thema für Gesundheitssysteme, Unternehmen und Gesellschaft. Gleichzeitig eröffnen neue Technologien und ein wachsendes Gesundheitsbewusstsein Chancen für bessere Vorsorge. Ob der Fokus künftig stärker auf Prävention oder weiterhin auf Behandlung liegt, wird letztendlich entscheidend dafür sein, wie gut wir im Jahr 2035 sehen.

Nähere Informationen zur Studie findest du HIER

Die Studie wurde vom Center for Sports and Management (CSM) der WHU – Otto Beisheim School of Management im Auftrag der URSAPHARM Arzneimittel GmbH durchgeführt. Die wissenschaftliche Auswertung erfolgte unabhängig.

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