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“Fabelhaft Niederösterreich”: Das Austrian International Storytelling Festival feiert Jubiläum

Ein Blick in die Erfolgsgeschichte mit der Intendantin Tessa Erker-Tegetthoff.

5 Min.

Storytelling Festival

Das Austrian International Storytelling Festival “Fabelhaft Niederösterreich” feiert heuer sein 20-jähriges Jubiläum. Ein Blick in die Erfolgsgeschichte mit der Intendantin Tessa Erker-Tegetthoff.

Happy Birthday, Fabelhaft Niederösterreich!

Was der begnadete Erzähler und Märchendichter Folke Tegetthoff 1988 in Graz ins Leben gerufen hat, ist heute mit mehr als 300 Erzählern sowie Künstlern aus 60 Ländern das größte Storytelling Festival Europas. Jüdische, palästinensische, afrikanische, asiatische und viele weitere Stimmen standen gemeinsam auf der Bühne und feierten ein Festival der Toleranz, verbunden durch ihre Geschichten. Seit 2006 macht die älteste Kunstform der Menschheit nun auch unser Bundesland FABELHAFT …

Tessa Erker-Tegehtthoff im Interview

Tessa, du hast 2022 die Leitung des Festivals übernommen. Erinnerst du dich an die Anfänge?

Das Festival ist fast so alt wie ich, ich bin damit aufgewachsen. Viele Künstlerinnen und Künstler kenne ich seit meiner Kindheit. In der Schule habe ich schon mitgearbeitet, während meines Studiums immer mehr Verantwortung übernommen und schließlich die künstlerische Leitung übernommen. Als 2022 klar war, dass mein Vater die Festivalleitung abgeben möchte, war für mich selbstverständlich, dass ich weitermache. Die Voraussetzungen waren allerdings herausfordernd: Ich lebte in Berlin, hatte neben Kleinkind ein kleines Baby und plötzlich die Gesamtverantwortung für ein Festival, das über Jahrzehnte gewachsen war. Die Erwartungen waren groß – vor allem meine eigenen. Ich wollte, dass es genauso gut weitergeht, aber gleichzeitig meine eigene Handschrift bekommt. Heute denke ich: Das ist uns gelungen.

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Tessa Erker-Tegetthoff. Die zweifache Mutter und Tochter von Folke Tegetthoff führt das Festival in die Zukunft. © zVg.

Was waren deine persönlichen Highlights?

Da gibt es unendlich viele, denn nicht nur die Künstler erzählen Geschichten, sondern auch die Orte. Etwa beim “Fliegenden Teppich”, als die Gäste mit einem Charterflug von Graz nach Portorož flogen und mein Vater und ich im Hubschrauber “vorflogen”. Oder Geschichten im Kuhstall bei Familie Blochberger, “Erotische Geschichten” in einem Grazer Bordell oder Erzählungen im Gefängnis in Krems. Und dann sind da die vielen besonderen Begegnungen, wie ein junger Musiker aus Ägypten, damals als YouTube-Star aus seinem Wohnzimmer bekannt. Wir holten ihn erstmals auf eine große Bühne – in die Grazer Oper vor eintausend Menschen. Er war völlig überwältigt. Mein ganz persönlicher Höhepunkt ist heute, meine eigenen Kinder bei einer Vorstellung zu erleben. Wenn sie gebannt dasitzen, lachen, staunen und danach davon erzählen. Genau das habe ich als Kind erlebt. Es ist wunderschön, dass etwas, das man selbst als Kind geliebt hat, auch die nächste Generation berührt. Genauso, wenn tausende andere Kinder bei den Vorstellungen plötzlich mitsingen, lachen oder kreischen, weil sie gerade etwas erleben, das sie noch nie zuvor gesehen haben. Dann weißt du: Das, was wir hier tun, ist besonders. Und es ist wertvoll.

Wie haben die Geschichten aus aller Welt dein Leben geprägt?

Sie sind für mich etwas ganz Selbstverständliches. Durch den Beruf meines Vaters bin ich schon als Baby mitgereist, wir haben ein halbes Jahr in Amerika gelebt. Während meines Studiums war ich für längere Zeit in Amsterdam, Singapur und Buenos Aires. Ich kann mir deshalb ein Leben ohne Geschichten aus aller Welt nicht vorstellen. Sie haben mich geprägt und mich zu dem weltoffenen Menschen gemacht, der ich heute bin. Diese Selbstverständlichkeit möchte ich meinen Kindern mitgeben: dass die Welt groß ist, dass Menschen unterschiedlich sind und dass gerade diese Unterschiede bereichern.

Das Festival steht heuer unter dem Motto “TRÄUME #dreamstories: Zwischen Vision und Wirklichkeit”…

Aus Träumen entstehen oft die schönsten Geschichten. Für mich sind Träume mehr als Fantasie – sie sind Landkarten für die Zukunft. Wir möchten dazu einladen, Träume als kreative Kraft und als Mut zu begreifen, etwas im eigenen Leben oder in der Welt zu verändern. Vielleicht nehmen die Besucher am Ende nicht nur eine Geschichte mit nach Hause, sondern auch die Frage: Was ist eigentlich mein eigener Traum – und was wäre, wenn ich den ersten Schritt wage? Denn auch unser Festival ist aus einem Traum entstanden: die besten Erzählerinnen und Erzähler der Welt zusammenzubringen und ihre Geschichten nach Österreich zu holen.

Wie willst du die Geschichte des Festivals weitererzählen?

Das ist heute vielleicht die wichtigste Frage: Wie schaffen wir es, solche Geschichten in einer Zeit am Leben zu erhalten, in der Kultur es zunehmend schwer hat? Ich habe ein wunderschönes Erbe übernommen und in den vergangenen Jahren sehr dafür gekämpft. Dieses Jahr musste ich in der Steiermark erkennen, dass es manchmal auch richtig sein kann, aufzuhören, wenn es noch schön ist. Umso dankbarer bin ich, dass wir in Niederösterreich diese Wertschätzung erleben. Dem Land NÖ und unserem langjährigen Hauptsponsor NÖ Versicherung verdanken wir, dass diese Geschichte seit 20 Jahren weitergeht und zumindest in den nächsten zwei Jahren weitergeschrieben werden kann. Dazu haben wir mit Bad Schönau das perfekte Festivalzentrum gefunden, es ist wie ein nach Hause kommen! Gerade heute ist das Erzählen wichtiger denn je. In einer lauten, hektischen und digitalen Welt ist es eine der ursprünglichsten Formen, miteinander in Verbindung zu treten: Ein Mensch erzählt einem anderen eine Geschichte – und der hört zu. Vielleicht ist genau das unsere Aufgabe, dafür zu sorgen, dass das Erzählen auch für die nächste Generation lebendig bleibt.

FABELHAFT NIEDERÖSTERREICH

7. bis 9. November in Eggenburg
12. bis 15. November in Bad Schönau

Für Schulen, Familien & Erwachsene

www.storytellingfestival.at

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