© Michael Liebert
Niederösterreich feiert „40 Jahre Landeshauptstadt“. Mit dem Beschluss des Landtags am 10. Juli 1986 wurde St. Pölten nicht nur zum Regierungssitz, sondern auch zum Herz unseres Bundeslandes. Ein Jubiläum, das diesen Sommer – und auch noch im restlichen Jahr – gebührend gefeiert wurde und wird.
Jubiläumsfeier: 40 Jahre Landeshauptstadt
“Ein Land ohne Landeshauptstadt ist wie ein Gulasch ohne Saft.“ Mit diesem ungewöhnlichen Vergleich brachte der ehemalige Landeshauptmann Siegfried Ludwig Mitte der 1980er-Jahre eine Frage auf den Punkt, die Niederösterreich schon Jahrzehnte beschäftigte. Seit der Trennung Wiens von Niederösterreich im Jahr 1922 hatte das Bundesland keine eigene Hauptstadt. Die Landesregierung saß weiterhin in Wien – Niederösterreich war politisch und wirtschaftlich stark, sein Zentrum lag jedoch außerhalb.

Ludwigs Gulasch-Sager machte aus der politischen Diskussion plötzlich eine Frage für alle: Braucht Niederösterreich eine eigene Hauptstadt? Und wenn ja: Wo soll sie liegen? Die Antwort fiel 1986. Bei der Volksbefragung am 1. und 2. März sprachen sich 56 Prozent für eine eigene Landeshauptstadt aus. Bei der Standortfrage lag St. Pölten mit 45 Prozent vor Krems (29 Prozent). In St. Pölten selbst war die Zustimmung überwältigend: 96 Prozent wählten die eigene Stadt. Am 10. Juli 1986 beschloss der Landtag schließlich einstimmig: St. Pölten wird Landeshauptstadt.
Mehr als eine Standortentscheidung
Was damals beschlossen wurde, war weit mehr als die Wahl einer Adresse für Landtag und Landesregierung. Es war eine Entscheidung für Eigenständigkeit und ein neues Selbstbewusstsein. Niederösterreich bekam einen Mittelpunkt und damit einen Ort, an dem Politik, Kultur, Wissenschaft und gesellschaftliches Leben zusammenkommen konnten.

Die Veränderung wurde vor allem am Traisenufer sichtbar, denn dort entstand ab 1992 das neue Regierungsviertel. 1997 übersiedelten Landtag und Landesregierung endgültig von Wien nach St. Pölten. Mit Klangturm, Landtagsgebäude, Festspielhaus, Museum Niederösterreich, Landesbibliothek und -archiv entstand ein architektonisches und kulturelles Zentrum, das bis heute das Bild der Landeshauptstadt prägt.

Ein neuer Mittelpunkt
Der Aufbruch kam genau zur richtigen Zeit: Nur wenige Jahre nach der Hauptstadtentscheidung fielen der Eiserne Vorhang und die Grenzen nach Osteuropa öffneten sich. Niederösterreich wandelte sich von einer Randlage zu einer Region mit neuen wirtschaftlichen, kulturellen und europäischen Perspektiven und St. Pölten wurde damit zum stärkenden Motor für die Regionen.
Wie sehr diese Entwicklung bis heute wirkt, zeigen auch die Jubiläen 2026: 50 Jahre Stadtmuseum, 30 Jahre Fachhochschule (heute USTP) und 20 Jahre Plattform St. Pölten. Sie stehen für Geschichte, Bildung, Wissenschaft, Kultur und Wirtschaft – und damit für eine Stadt, die längst mehr ist als politischer Verwaltungssitz. Um es mit den Worten von Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner abzuschließen: „Sie ist das Zentrum unseres Bundeslandes. Sie ist das Herz unserer Heimat. Sie ist unsere Landeshauptstadt.“

Veranstaltungen zum Jubiläum
- 10. September: Domplatz Open-Air „Tonkünstler & Friends: Nordlichter“
- 12. September: Domplatz Open-Air mit Pop von Lea, Lukascher und Bibiza
- „Stadt + Land = 40“: Ausstellung zum Jubiläumsjahr mit insgesamt 12 Stationen vom Stadtmuseum St. Pölten bis zum Museum Niederösterreich
- Jubiläums-Stadtführungen in St. Pölten.
Mehr Informationen zum Jubiläum unter www.st-poelten.at/40jahre
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