© Annely Peebo, zVg.
Bei der 66. Ausgabe der „Serenadenkonzerte des Landes Niederösterreich – Musik am Ursprung“ heißt es abermals: Bühne frei für internationale Stars und herausragende Nachwuchstalente der Klassikszene.
Serenadenkonzerte – Musik am Ursprung
Musikalische Begegnungen an besonderen Orten zu schaffen, dieser Auftrag steht in der Tradition der ältesten, durchgehend existierenden Konzertreihe des Landes Niederösterreich. „Die heurigen Konzerte führen durch sehr unterschiedliche musikalische Welten. Bekannte Werke treffen auf selten zu hörende Stücke, Liedkunst verbindet sich mit Kammermusik und literarischer Rezitation. Musik wird nicht isoliert, sondern in ihren historischen, kulturellen und literarischen Zusammenhängen erlebbar. Neben international gefeierten Sängerinnen und Sängern wie Camilla Nylund, Annely Peebo, Rafael Fingerlos oder Rebecca Nelsen wird das Publikum vielversprechenden jungen Musikerinnen und Musikern begegnen – in authentischen, oft kleinen Rahmen, ganz nah am musikalischen Geschehen. Aus dieser Kombination entstehen immer wieder neue musikalische Perspektiven. Genau darin liegt der Reiz der Serenadenkonzerte“, freut sich der künstlerische Leiter der Serenadenkonzerte Niederösterreich, Dr. Michael Linsbauer, dem es wieder gelungen ist, ein überaus beachtenswertes Programm zusammenzustellen, welches über zwei Monate das Erbe von elf berühmten Musikerpersönlichkeiten an ihren Originalschauplätzen feiert.

Annely Peebo
SCHLOSS-SERENADE
Sonntag, 13. September, 19 Uhr, im Schlosstheater Laxenburg.

Gemeinsam mit der aus Finnland stammenden Starsopranistin Camilla Nylund gestaltet die international gefeierte Mezzospranistin Annely Peebo aus Klosterneuburg einen Lieder- und Duettabend mit Werken von Mozart, Mendelssohn, Dvoák, Mahler und weiteren Komponisten, begleitet von Pantelis Polychronidis am Klavier.
Frau Kammersängerin, was bedeutet Ihnen die seltene Gelegenheit, gemeinsam mit Ihrer Freundin Camilla Nylund in Laxenburg auf der Bühne zu stehen?
Ich freue mich sehr, dass wir nach einigen Jahren wieder gemeinsam auf der Bühne stehen. Camilla ist eine liebe Freundin und Kollegin, die ich sehr schätze. Es ist schön, dass sich unsere Wege für diesen besonderen Abend wieder kreuzen. Und ganz nebenbei verbindet uns auch unsere nordische Herkunft – und unsere Hunde sind tatsächlich Brüder. Darüber müssen wir selbst immer wieder schmunzeln.
Wird es ein persönliches Highlightgeben?
Vor allem unsere gemeinsamen Duette! Das Programm führt von der Klassik bis zum Crossover, gerade diese Vielfalt macht den Abend für mich so besonders.
Sie selbst haben in Ihrem Geburtsland Estland elf Jahre Klavier studiert. Gibt das dem Dialog mit Ihrem Klavierpartner Pantelis Polychronidis eine besondere Note?
Mein Klavierstudium hilft mir sicher, den Dialog mit dem Pianisten besonders bewusst wahrzunehmen. Pantelis ist ein äußerst erfahrener Begleiter mit einem beeindruckend breiten musikalischen Spektrum. Er versteht es, mit den Sängerinnen zu atmen und ihnen genau den Raum und die Sicherheit zu geben, die man auf der Bühne braucht.
2014 durfte ich in Ihrem Haus eine unserer ersten Coverstorys produzieren. Wir sprachen damals über Domingo, den Papst und einen Germ, der Ihnen von der Frau des estnischen Präsidenten übermittelt wurde. Lebt der Hefeteig noch?
(lacht) Seit damals ist die Liste der großartigen Künstlerpersönlichkeiten, mit denen ich arbeiten durfte, tatsächlich noch einmal deutlich länger geworden. Der Hefeteig hingegen lebt leider nicht mehr. Die Freude am Kochen und Backen ist mir jedoch geblieben und wird mich hoffentlich noch lange begleiten.
Gerti Drassl
GOTTFRIED-VON-EINEM-SERENADE
Samstag, 19. September, 18 Uhr, Kirche Oberdürnbach bei Maissau

Daniel Gutmann, der beliebte Bariton aus Herzogenburg, singt Werke von F. Schubert und F. Lehár, sowie Lieder von Gottfried von Einem, einer der großen Opernkomponisten des 20. Jahrhunderts, der auch zahlreiche Gedichte aus der Feder seiner Frau, der Schriftstellerin und Gründerin der „Schule der Unsterblichkeit“, Lotte Ingrisch, vertonte. Rezitiert werden diese von der großartigen Schauspielerin Publikumsliebling Gerti Drassl.
„An seinem letzten Tag sagte er noch in der Früh: Komm’ lass uns nach Oberdürnbach fahren. Ich will dort mein Trio fertigschreiben. Das haben wir dann auch getan. Er ist zum Sterben hierhergefahren“, erinnerte sich Lotte Ingrisch an die letzten Stunden ihres Mannes. „Er hat dieses Haus sehr, sehr geliebt. Oft saß er auf der Terrasse und sagte: Ich schau’ zur Kirche und denk’ mir: Herrlich.“ Und genau in dieser Kirche wird die Gottfried-von-Einem-Serenade aufgeführt…
Frau Drassl, die im Juli 2022 verstorbene Lotte Ingrisch war eine Grenzgängerin, die mit dem Jenseits, darunter auch mit ihrem 1996 verstorbenen Mann, kommunizierte. Wie sehr beeinflusst dieses Übersinnliche Ihre Rezitation?
Ich freue mich sehr auf die Texte von Lotte Ingrisch und auf das Zusammenspiel mit der Musik. Ich glaube, dass ihre Texte für sich schon wirken, und ich mag auch sehr den Humor den sie hat.
Ingrisch hatte auch die Gabe, die humorvollen Seiten des Sterbens aufzuzeigen, um damit den Menschen die Angst vor dem Tod zu nehmen. Kann Literatur das leisten?
Kultur kann immer die verschiedensten Perspektiven auf die Themen des Lebens beleuchten und damit auch unterschiedlichen Möglichkeiten eines Umgangs damit bewirken.
Wenn Sie Lotte Ingrisch heute noch eine Frage stellen könnten – welche wäre das?
Es wären viele Fragen und ein langes Gespräch, und ich wäre eine begeisterte Zuhörerin.
Eloise Bella Kohn
BEETHOVEN-SERENADE
Sonntag, 27. September, 16 Uhr, Haus der Kunst Baden

Lieder von Beethoven, Mozart und Schubert werden das Publikum verzaubern, ergänzt durch Lyrik und Prosa aus der Zeit des Genius Loci, rezitiert von Philip Kelz. Am Klavier die vielseitige Pianistin, Plattenproduzentin und Festivalgründerin Eloïse Bella Kohn, die weltweit in renommierten Konzertsälen und bei Festivals ihr Publikum begeistert. In einer musikbegeisterten Pariser Familie aufgewachsen, erhielt sie mit drei Jahren ihren ersten Klavierunterricht. Die Yamaha-Künstlerin zählt zu den vielversprechendsten Künstlern der klassischen Musik und lebt in Wien.
Frau Kohn, Sie konzertieren als Solistin und Kammermusikerin. Was fasziniert Sie am Liedrepertoire?
Liedbegleiterin ist ein ganz eigener Beruf – und etwas völlig anderes, als Solistin auf der Bühne zu stehen. Manche Liedbegleiter geben kaum Solorezitale, während manche Solisten nur selten mit Sängern zusammenarbeiten. Bei drei Pianisten, die ich besonders bewundere, ist das anders: Sir András Schiff, Mitsuko Uchida und Daniel Barenboim. Meine Mutter war Literaturlehrerin, und ich hatte das Glück, während meiner Schulzeit in Paris viele verschiedene Sprachen zu lernen – darunter Russisch, Ivrit, Latein und Altgriechisch. Ich erinnere mich noch gut an unsere Wohnung, deren Wände vom Boden bis zur Decke mit Büchern bedeckt waren. Für mich ist es etwas ganz Besonderes, meine Arbeit als Pianistin mit meiner Leidenschaft für Literatur verbinden zu können. Ich darf mit außergewöhnlichen Sängerinnen und Sängern zusammenarbeiten, die sehr inspirierend sind – darunter Christiane Karg, Chen Reiss, Julian Prégardien, Kate Lindsey und Georg Nigl.
Wie verändert die Verbindung von Musik und Sprache das Konzerterlebnis?
Wenn ich einen Sänger begleite, gibt es für mich eine absolute Priorität: Das Klavier darf die Konsonanten der Singstimme niemals überdecken. Ebenso wird die Richtung oder Phrasierung jeder musikalischen Phrase von den entscheidenden Wörtern des Textes und von der Sprachmelodie bestimmt. Instrumentalmusik kann manchmal abstrakt wirken. Sobald jedoch ein Text hinzukommt, bekommt alles einen konkreten Sinn. Und wenn man sich mit den literarischen Quellen und den Themen beschäftigt, die einen Komponisten bewegt haben, versteht man auch seine Instrumental- und Orchestermusik sehr viel tiefer.
Beethoven ist eng mit Baden verbunden. Hat dieser historische Ort Einfluss auf Ihre Interpretation seiner Musik?
Absolut! Ich bin 2015 als Studentin nach Wien gekommen und habe diese Stadt seitdem nie wieder verlassen. Es ist außergewöhnlich inspirierend, in denselben Vierteln zu leben, in denen so viele musikalische Genies gewirkt haben. Für mich sind Wien und seine Umgebung das Zentrum der Welt der klassischen Musik. Ich wandere sehr gerne und bin oft nach Baden gefahren, um dort die wunderschöne Landschaft bei ausgedehnten Wanderungen zu genießen. Die Umgebung, in der ein Komponist lebt, prägt sein Schaffen zwangsläufig. Das lässt sich zwar nur schwer in Worte fassen, aber für uns Interpreten hilft es sehr, die Orte zu kennen, an denen ein Komponist gelebt hat. Dadurch können wir uns seine Gedankenwelt besser vorstellen, seinem schöpferischen Prozess näherkommen – und seiner Musik besser dienen.
Rebecca Nelsen
HUGO-WOLF-SERENADE
Sonntag, 11. Oktober, 18 Uhr, Festsaal der Burg Perchtoldsdorf

Im historischen Rahmen der Burg werden Werke von E.W. Korngold, Schuberts Deutsche Tänze sowie Hugo Wolfs Mörike-Lieder in einer Bearbeitung für Gesang und Orchester aufgeführt. Darüber hinaus darf sich das Publikum auf Lyrik von Novalis und aus der Feder von Franz Schubert freuen. Begeistern wird die Sopranistin Rebecca Nelsen, aufgewachsen in einer texanischen Großfamilie mit sieben Kindern, die über ein außergewöhnlich breites Repertoire – von Mozart über Puccini bis hin zu zeitgenössischen Opern – verfügt. Sie ist Ensemblemitglied der Wiener Volksoper und feierte international Erfolge als Violetta in „La Traviata“, in der Titelpartie von Alban Bergs „Lulu“ oder als Sophie im Rosenkavalier.
Frau Nelsen, was bedeutet Ihnen ein Liederabend im Vergleich zur Oper?
Die Oper ist natürlich viel bombastischer, sie erzählt eine Geschichte durch viele Figuren, Kostüme und eine ganze Bühnenwelt. Ein Liederabend hingegen ist viel unmittelbarer und intimer. Es gibt nichts zwischen den Künstlern und dem Publikum – nur die Poesie, die Musik und die Stimme. Gerade diese Unmittelbarkeit empfinde ich als etwas ganz Besonderes, weil jede Nuance des Textes und jede noch so feine emotionale Veränderung unmittelbar erfahrbar wird. Hugo Wolf gehörte zu den ersten Liedkomponisten, denen ich während meiner Ausbildung begegnet bin, und ich habe mich sofort in seine ganz eigene musikalische Sprache verliebt. Sein Lied „Auch kleine Dinge“ nach dem Gedicht von Eduard Mörike ist für mich bis heute ein vollkommenes Beispiel dafür, was das Kunstlied auf einzigartige Weise vermag: Poesie in ihrer reinsten Form erlebbar zu machen – allein durch die Kraft der Musik und der menschlichen Stimme.
Wie nähern Sie sich einem Gedicht an, bevor Sie es singen?
Am Anfang steht für mich immer die Wörter. Bevor ich mich mit der Gesangslinie beschäftige, möchte ich die Sprache verstehen – ihren Rhythmus, ihre Bilder und ihre emotionale Tiefe. Erst dann wende ich mich der Musik zu. Bei Hugo Wolf scheint sie jedes einzelne Wort von innen heraus zu beleuchten. Seine Vertonungen und die Dichtung sind untrennbar miteinander verbunden, sie atmen gewissermaßen gemeinsam.
Viele Zuhörer erleben Hugo Wolf zum ersten Mal. Worauf sollten sie achten?
Ich würde empfehlen, auf den Dialog zwischen Singstimme und Musik zu hören. Die Musik begleitet nicht einfach, sondern erzählt die Geschichte gleichberechtigt mit. Wer dem Text folgt und zugleich darauf achtet, wie Wolf jedes Wort durch Harmonik, Klangfarben und musikalische Gesten deutet, wird entdecken, wie viel Ausdruck und Tiefe in wenigen Minuten Musik liegen können. Ich wünsche mir, dass die Zuhörer mit Offenheit und Neugier in dieses Konzert gehen. Hugo Wolfs Lieder schenken uns Momente von großer Wahrhaftigkeit und Menschlichkeit. Wer sich auf die Poesie, die Musik und auch auf die Stille zwischen den Tönen einlässt, wird vielleicht entdecken, dass diese Lieder auf ganz persönliche Weise zu einem sprechen.
Musik am Urpsrung – Die Serenadenkonzerte Land Niederösterreich
Das detaillierte Programm vom 30.August bis zum 1. November 2026 und alle Infos dazu gibt es auf www.serenadenkonzerte.at
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