Marie-Luise Engel-Schottleitner ist die erste Präsidentin der Wiener Neustädter Instrumentalisten
Ihr Credo: Musik verbindet!
© Elisabeth Lechner
Als Sopranistin, Musicaldarstellerin und leidenschaftliche Gesangspädagogin ist sie eine „Macherin“ vom Fach: Marie-Luise Engel-Schottleitner. Seit 2025 ist sie nun die erste Präsidentin der Wiener Neustädter Instrumentalisten. Ihr Credo: Musik verbindet!
Musik verbindet: Marie-Luise Engel-Schottleitner im Interview
Seit über 45 Jahren sind die Wiener Neustädter Instrumentalisten ein fester Bestandteil des Konzertlebens in der Region, dessen vielseitiger Klangkörper das gesamte Spektrum von Barock über Romantik bis hin zu Stücken des 21. Jahrhunderts im Repertoire hat. Ein besonderes Merkmal des Orchesters ist auch, dass es sich nicht auf Originalpartituren beschränkt, sondern durch eigene Arrangements und Bearbeitungen einzigartige Klangerlebnisse schafft. Darüber hinaus werden auch regelmäßig Werke und Uraufführungen lokaler Wiener Neustädter Komponistinnen und Komponisten auf die Bühne gebracht.
Die Brückenbauerin
Haben die WNI schon immer die gesellschaftliche Verantwortung als regionaler Kulturträger wahrgenommen, und z.B. mit Schulkonzerten den jungen Menschen einen direkten Zugang zu klassischer Musik ermöglicht, so will man mit der Bestellung der neuen Präsidentin dieses Engagement vertiefen. Unter der Prämisse „Mehr als Musik“ will sich das klassische Ensemble als feste Größe in der regionalen Bildungslandschaft und als Sprungbrett für junge Menschen etablieren. Dass die Pädagogin für Gesang und Musiktheater, Marie-Luise Engel-Schottleitner, dafür mehr als prädestiniert ist, liegt in ihrer mittlerweile sechzehnjährigen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, und ihrem Herzensanliegen, ihr Wissen und ihre Begeisterung weiterzugeben.

Frau Engel-Schottleitner, was hat Sie gereizt, die Position der Präsidentin der WNI anzunehmen?
Etwas in der musikalischen Landschaft in und um Wiener Neustadt aktiv mitgestalten zu können hat mich sehr gereizt, außerdem finde ich, Frauen sollten in repräsentativen und leitenden Funktionen sein. Und dann muss man das eben auch tun. (lacht)
Welche Visionen haben Sie für den Verein?
Die Wiener Neustädter Instrumentalisten sind künstlerisch so breit aufgestellt, von Barock bis Neue Musik. Durch diese Vielseitigkeit kann man viele Menschen erreichen und berühren, das ist mir besonders wichtig. Menschen sollen uns kennenlernen und einfach gerne ins Konzert kommen. Darum bemühe ich mich mit dem ganzen Team.
Woran wird man Ihre weibliche Handschrift erkennen?
(lacht) Ob das grundsätzlich weiblich ist, kann ich nicht sagen, aber ich bin ein bisschen chaotisch, oder wie andere auch sagen: äußerst „situationselastisch“ und kreativ. Das soll heißen, ich bin für Lösungen zu haben, die nicht immer der Norm entsprechen. Und wir sind ein super Team, das dann wieder Struktur in die Sache bringt. Das funktioniert großartig!
Man sagt, sie haben Musik im Blut. Welche musikalische Stationen Ihrer Laufbahn haben Sie besonders geprägt?
Ich bin eine geborene Wiener Neustädterin. Besonders haben mich meine aktive Zeit beim Theater im Neukloster mit den Musicalproduktionen, die Zeit im MusikBORG Wiener Neustadt und dann meine zwei Studienorte Eisenstadt und Wien geprägt. In meiner professionellen Laufbahn waren dann die Volksoper Wien, das Lehárfestival Bad Ischl und das Landestheater Linz Höhepunkte. Bis Juni 2026 singe ich noch die Pepi in „Wiener Blut“ im Landestheater Linz (Foto Seite 1),
Wie sehen Sie generell die Rolle von Musik in gesellschaftlich herausfordernden Zeiten?
Name: Musik und vor allem Livemusik ist Nahrung für die Seele. Man kann in andere Welten eintauchen, den Wahnsinn der Welt für zwei Stunden vergessen, und das ganz unabhängig vom musikalischen Genre. Musik selbst zu machen bringt Menschen dazu, einander zuzuhören, denn ohne Zuhören und aufeinander achten funktioniert Musik nicht. Das ist vielleicht das Wichtigste.
Wie wichtig ist Ihnen Ihre Arbeit als Musiktheatervermittlerin, welche Kooperationen planen Sie?
Mein lieber Freund Wolfgang Dosch, Professor für Operette, sagt immer: „Was man nicht kennt, kann man nicht lieben.“ Ich finde, dass dieser Satz es gut zusammenfasst. Deshalb ist es eines der wichtigsten Dinge, jungen Menschen Musik, Theater und Kunst näherzubringen. Derzeit bin ich in den letzten Vorbereitungen für den „Karneval der Tiere“ mit Katharina Osztovics für die WNI. Nächstes Jahr gibt es auch Musikvermittlungskonzerte für Schulen zu einem Thema über Komponistinnen und in der Musikschule arbeite ich gerade mit ca. 40 Kindern und Jugendlichen an dem Musical „OLIVER!“ nach dem Roman Oliver Twist. Da ist im Juni Premiere. Und dann sind mal Ferien…
Welche Herausforderungen sehen Sie aktuell für Kulturvereine und Orchester?
Wie überall wird eingespart. Das betrifft nicht nur die Kultur, sondern das ganze Leben. Trotzdem oder gerade deshalb: Kunst und Musik zu machen, ist eine der größten Herausforderungen derzeit. Ich finde aber, genau das ist wichtig, um Mensch zu sein. Jeder Mensch konsumiert Kunst, im Radio oder TV, über diverse soziale Plattformen und Streamingdienste – ohne Musik geht es nicht. Dazu gibt es auch eine schöne Operettenmelodie: „Ohne Musik kann ich nicht leben“ (lacht).
Sie sind auch die Initiatorin des Ensembles OperWIENette, worum geht‘s?
In dieser Formation bringen wir Oper, Operette, generell Musiktheater in kleinen Formaten an verschiedenste Orte. Unser letztes größeres Projekt war „Brüderlein Fein“ von Leo Fall, das wir kurzerhand „PopUpOperette“ genannt haben. Wir haben in Kaffeehäusern, einem Garten, einem Stall und vor einer Stadtmauer gespielt – überall, nur in keinem Theater. Den Menschen hat das so viel Freude gemacht. Es geht also darum, hochwertige Musiktheateraufführungen mit Livemusik in einem kleineren Rahmen überall spielen zu können.
Ihr Ehemann ist auch Musiker, er spielt Trompete, Sie sind aktive Sängerin für Oper, Operette und Musical – es kann also bei Ihnen Zuhause laut werden. Wie reagieren Ihre Katzen?
Unsere beiden Kater sind total entspannt, wenn geübt oder musiziert wird. Die freuen sich, dass wir mal zu Hause sind (lacht). Und Schülerinnen und Schüler, die zu uns nach Hause zum Unterricht kommen, werden sowieso erstmal von den Stubentigern abgeschmust.
Ihr Credo lautet „Musik verbindet“ – an wen möchten Sie diese Botschaft richten?
An jeden und jede: singt, macht Musik, hört Musik! Livemusik ist ein Erlebnis, das euch niemand wieder nehmen kann.
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