Säen, ernten, glücklich sein

Im Porträt: Die junge Bio-Bäuerin Franziska Gasselich aus dem Marchfeld. Ein Gespräch über viel Arbeit und noch mehr Leidenschaft.

4 Min.

© Vivis Biohof

Im Jahr 2019 hat die erst 20-jährige Franziska Gasselich den landwirtschaftlichen Betrieb ihres Vaters in Lassee übernommen und ist seitdem eine überaus engagierte Bio-Jungbäuerin. Die Absolventin des Francisco Josephinum in Wieselburg, der größten landwirtschaftlichen Schule Österreichs, setzte nach ihren Praktika in Kärnten, Island und Kanada im Vorjahr ein innovatives Zeichen, als sie die Anbaugebiete eines Spargelbauern übernehmen konnte und ihre ersten Spargelpflanzen ansetzte. Wie sich der Spargel entwickelt und warum Franziska auf die Direktvermarktung in ihrem „Vivis Biohof“ setzt, das fragen wir die sympathische Impulsgeberin gleich selber.

Franziska, obwohl du zwei Brüder hast, hast du dich zur Übernahme der Landwirtschaft entschlossen. Warum?
Franziska Gasselich: Das Interesse an der Landwirtschaft wurde eigentlich durch mein Pferd geweckt. Als ich zwölf Jahre alt war, haben mir meine Eltern erlaubt, ein eigenes Pferd zu Hause einzustellen. Dadurch habe ich begonnen, mit Stapler und Traktor herumzufahren. Später entschied ich mich für eine landwirtschaftliche Ausbildung in Wieselburg. Durch meine Praktika in Kärnten, Island und Kanada merkte ich, dass es ein Leben ohne Landwirtschaft für mich nicht gibt. Meine Brüder haben sich für andere Wege entschieden. Mein älterer Bruder ist Physiotherapeut, mein jüngerer Bruder verarbeitet unter anderem meinen Spargel als Küchenchef.

Wie schaut eigentlich ein ganz normaler Tag einer Jungbäuerin aus?
Nach dem Aufstehen werden zuallererst meine Tiere versorgt. Ich habe zwei Katzen, einen Hund und zwei Pferde. Dann ist es je nach Saison unterschiedlich. In der Spargelsaison werden zuerst alle Bestellungen hergerichtet und ausgeliefert. Dann wird unser Hofladen mit unserem Spargel befüllt. Später geht’s ab auf den Acker. Anbauen, mechanische Beikrautregulierung und Bewässern stehen an oberster Stelle. Nebenbei müssen noch Geräte gewartet werden, und im Büro ist auch immer sehr viel zu tun. Am Abend drehe ich dann mit meinem Labrador Erwin eine Ackerrunde, um zu schauen, ob bei den Bewässerungen eh alles passt.

Woran, glaubst du, liegt es, dass sich immer mehr junge Menschen ganz bewusst für den Beruf des Bauern, der Bäuerin entscheiden – ganz im Gegensatz zum oft proklamierten „Bauern­sterben“?
Ich glaube, es sind die Werte, die in der Familie weitergegeben werden. Noch dazu kommt die Verbundenheit mit der Natur, mit dem Boden und den Pflanzen. Zu ernten, was man über Monate selber gesät, gepflegt und betreut hat, ist ein Privileg, das ich nicht missen möchte.

In den sozialen Medien, wie Facebook und Instagram, lässt du deine Follower an deinem Leben teilhaben. Was willst du damit transportieren?
Ich möchte zeigen, wie viel Arbeit und Herz in der Landwirtschaft steckt. Es kostet nämlich viel Zeit und Arbeit, bis der Spargel, die Zwiebel oder der Kürbis bei den Konsumenten am Teller landen.

Wie geht’s eigentlich deinem Spargel?
Die Saison hat erst vor drei Wochen begonnen und dauert noch bis Mitte Juni. Es war ein sehr kalter April, wodurch sich der Spargel Zeit gelassen hat. Aber jetzt ist die Ernte voll im Gang.

In deinem Dorfladen in Lassee verkaufst du die Produkte aus der Ortschaft. Neben dem Gemüse werden auch Kräuter, verschiedene Kürbiskernöle und Salze, vegane Suppenwürze wie auch dein besonderes Bio-Popcorn und natürlich auch dein Spargel angeboten. Wie wichtig ist dir die Regionalität?
Sehr wichtig! So viele junge Leute geben sich Mühe, regionale Produkte zu produzieren. Das kann ich mit dem Verkauf ihrer Produkte in meinem Hofladen unterstützen.

Im Juni ist Vatertag. Was bedeutet dir die Unterstützung deines Vaters?
Mein Vater ist auch mein Kollege. Seine Unterstützung ist sehr wichtig für mich, da ich noch viel lernen muss. Natürlich gibt es wie auf jedem Arbeitsplatz auch Diskussionen, aber ohne seine Hilfe und seine Erfahrung wäre vieles nicht möglich.

Wenn du drei Wünsche für die Zukunft frei hättest, welche wären das?
Eine gute Ernte, Durchhaltevermögen, glücklich sein!

VIVIS BIOHOF
Ringstraße 1c
2291 Lassee
Tel.: 0699 / 180 575 80
E-Mail: vivisbiohof@gmail.com

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