Julia Malischnig über ihr neues Album “Amistad”
Eine Reflexion ihrer musikalischen Entwicklung
© Hartwig Gsaller Photography
Die virtuose Gitarristin, Sängerin und Komponistin Julia Malischnig bewegt sich seit Jahren zwischen klassischer Gitarre, Jazz und international geprägten Klangräumen. Ihr neues Album AMISTAD versteht sie als Reflexion ihrer musikalischen Entwicklung – entstanden aus Begegnungen und gemeinsamer musikalischer Arbeit. Zeitlos, elegant und mit starker Haltung.
Sängerin & Komponistin Julia Malischnig im Interview
Julia Malischnig studierte klassische Gitarre in Wien und Basel und wurde von renommierten Lehrern ihres Fachs ausgebildet, darunter Oscar Ghiglia, Pepe Romero, Frank Bungarten und Alexander Swete. Sie ist vielfach ausgezeichnet, unter anderem mit dem Würdigungspreis des BMUKK Österreich. Bisher sind fünf Alben entstanden, darunter Joy, City of Dreams, Kiss of Life mit der eindringlichen Komposition Peace for Kyiv, die zur Grundlage eines preisgekrönten Kurzfilms wurde, Canti Carinthiae sowie AMISTAD, ihr soeben erschienenes Album.
Die Botschafterin
Konzertreisen und Einladungen zu internationalen Festivals führten die Musikerin rund um den Globus, unter anderem nach Südamerika, Südafrika, Asien und in arabische Länder. Als Initiatorin und Leiterin der Festivals La Guitarra esencial und La Guitarra Erl gibt sie den Besten der internationalen Gitarrenszene eine Bühne und begeistert selbst weltweit als musikalische Botschafterin ihrer Heimat. Julia Malischnig bewegt sich virtuos und zugleich bewusst zwischen musikalischen Welten. Ihre Arbeit ist geprägt von Offenheit, Eigenständigkeit und einem tiefen emotionalen Ausdruck – jenseits stilistischer Schubladen und modischer Trends.
AMISTAD: Das neue Album von Julia Malischnig
Auf ihrem neuen Album versammelt sie renommierte Künstler wie die Jazzlegende Wolfgang Puschnig, den mexikanischen Gitarrenvirtuosen Cecilio Perera, den Akkordeonisten Klaus Paier sowie die niederösterreichische Cellistin Asja Valcic. Die Musik bewegt sich zwischen mediterranen und lateinamerikanischen Klangwelten, Jazz-Elementen, leidenschaftlichen Rhythmen und berührende Melodien – eine intensive Reise voll emotionaler Offenheit. Gibt man sich Ihrer Stimmgewalt wie bei Agua, Fuego, Tierra y Viento hin, so fühlt man sich erinnert an die Tradition der Nueva-Canción-Bewegung…
Julia, die lateinamerikanische Musik wühlt mit ihren Rhythmen auf, streichelt zugleich die Seele, prangert soziale und politische Ungerechtigkeiten an und fordert Freiheit – Themen, die damals wie heute aktuell sind. Welche Botschaften empfinden Sie in dieser Musik, sind sie noch immer politisch?
Für mich entsteht Musik immer aus Freiheit – aus dem tiefen Gefühl, miteinander verbunden zu sein, aus Seele, Herz und echten Emotionen. Wenn darin eine politische Botschaft liegt, dann ist sie nicht laut oder plakativ, sondern sie zeigt sich jenen, die bereit sind, mit dem Herzen zu hören. Musik kann etwas, das Worte oft nicht schaffen, sie öffnet Menschen, berührt sie im Innersten und schafft Verständnis. Und genau das ist für mich stärker und wirkungsvoller als jede formulierte politische Aussage.
Gemeinsam entsteht eine Energie, die weit über das Musikalische hinausgeht.
Wie nehmen Sie die Rolle von Frauen in der Gitarrenszene wahr?
Ich erlebe die Gitarrenszene heute als einen Raum, der von einer beeindruckenden Vielfalt an Musikerinnen geprägt wird. Besonders die jüngere Generation rückt kraftvoll nach und bringt neue Impulse, Perspektiven und Klangfarben ein. Diese lebhafte Weiterentwicklung zu beobachten, erfüllt mich mit großer Freude – sie zeigt, wie selbstverständlich und bereichernd weibliche Präsenz in der Gitarrenwelt geworden ist.
Ihre Konzerte sind sinnliche Erlebnisse mit Musik und Tanz, Wie erleben Sie diese Live-Momente mit Ihren internationalen Bühnenpartnern?
Für mich ist es ein großes Glück, mit so außergewöhnlichen Bühnenpartnern gemeinsam auf der Bühne zu stehen und meine Musik mit ihnen zu leben und zu teilen. Diese Momente sind von einer besonderen Magie getragen – jedes Mal aufs Neue beglückend, inspirierend und zutiefst erfüllend. In dieser gemeinsamen Energie entsteht etwas, das weit über das Musikalische hinausgeht.
Auf Ihrem Album Canti Carinthiae singen Sie die Komposition „Zwa Herzlan, zwa Ringlan“, begleitet von Guo Gan auf der chinesischen 2-saitigen Violone Erhu, in weichem Kärntner Dialekt. Haben Sie auch in der spanischen Sprache eine Heimat gefunden?
Der Kärntner Dialekt und die spanische Sprache teilen für mich etwas Wesentliches: eine weiche, berührende Klangfarbe, die unmittelbar ins Herz spricht. Spanisch trägt darüber hinaus eine eigene Dimension in sich – die Sprache der Leidenschaft, der Sehnsucht, der inneren Glut. Und ja, Südamerika und die spanische Sprache fühlen sich für mich ganz natürlich an, fast wie eine zweite Haut. Als hätte ich seit jeher eine innere Verbindung dorthin, die sich in der Musik auf wundersame Weise erfüllt.
AMISTAD ist, wie der spanische Name sagt, eine Ode an die Freundschaft und kulturelle Verbundenheit. Vermag die Musik Brücken zwischen den verschiedenen Welten zu bauen?
Ja, davon bin ich zutiefst überzeugt. Musik hat eine einzigartige Fähigkeit, Menschen jenseits von Sprache, Herkunft oder kulturellem Hintergrund miteinander zu verbinden. Sie schafft einen Raum, in dem wir einander auf einer menschlichen, unmittelbaren Ebene begegnen können. Ich wünsche mir, dass unsere Welt durch die Magie der Musik verzaubert wird – und dass wir nie vergessen, wie kostbar Freundschaft für unser Leben ist.
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