Face-Reading: Frau mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken und Emotionen als Symbol für Mimik und Persönlichkeitsanalyse.

Face-Reading: Was dein Gesicht über dich verrät

Was verraten Stirnfalten, Ohren und Grübchen über einen Menschen? Face-Reading-Expertin Silvia Nussbaumer liest in meinem Gesicht – und trifft dabei auf Neugier, Zustimmung und eine gute Portion Skepsis.

7 Min.

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Silvia Nussbaumer ist eigens aus Vorarlberg nach Wien gekommen. Wir sitzen einander kaum gegenüber, da richtet sich ihr Blick bereits auf mein Gesicht. Konzen­triert beobachtet sie mich, als würde sie in einem langen Text nach einem wichtigen Satz suchen. Dann bittet sie mich, die Haare zurückzunehmen, um meine Ohren zu sehen.

Auf Fotos im ­Internet, sagt sie, seien sie nirgends richtig erkennbar. Kurz darauf folgt die erste Ansage: Meine Gesichtsform sei außergewöhnlich, eine seltene Kombination, die sie so eindeutig kaum je gesehen habe. Ich sei ein „Phönix“. Das klingt imposant. Und ich muss zugeben, auch ein bissl wie der Auftakt zu einem Horoskop, das man unbedingt weiterlesen möchte.

Face-Reading: Porträt einer Face-Reading-Expertin, die sich mit der Deutung von Gesichtszügen und Persönlichkeit beschäftigt.
© beigestellt

Ein einziges Merkmal reicht nie aus. Entscheidend ist immer das Zusammenspiel.

Silvia Nussbaumer, Face-Readerin

Ich bin offen für solche Zugänge, gleichzeitig meldet sich meine innere Faktenprüferin früh zu Wort. Kann eine Expertin tatsächlich Charakter, Talente und Lebensthemen in einem Gesicht erkennen? Oder hören wir besonders aufmerksam zu, sobald eine Deutung schmeichelhaft klingt und genügend Spielraum lässt, um uns darin wiederzufinden? Die Wahrheit liegt wohl – wie so oft – irgendwo dazwischen. Grobe Eindrücke können erstaunlich stimmig sein, während ein Gesicht allein keinen Menschen vollständig erklären kann.

Vom Medienbusiness zum Face Reading

Nussbaumer beschäftigt sich nach eigenen Angaben seit mehr als 20 Jahren mit dem Lesen von Gesichtern. Beruflich war sie lange in Management, Verkauf und Beratung zu Hause und führte ab 2003 die Wirtschaftszeit, eine Onlineplattform für Wirtschaftsnachrichten im DACH-Raum. Ende 2025 stellte sie deren aktive Tätigkeit ein. „Heute widme ich mich ganz dem, was ich wirklich liebe.“ Und das sei Face Reading, Profiling und Coaching. In ihrer Arbeit verbindet sie Ansätze ihrer unterschiedlichen Ausbildungen: chinesisches Gesichtslesen, Physiognomik, Hand-, Augen- und Fußdiagnostik, Profiling und Mentaltraining und Ernährungsberatung nach der Traditionellen Chinesischen Medizin. Ihre Klient*innen sind Privatpersonen, Führungskräfte und Unternehmen. „Seit einigen Jahren arbeite ich auch mit der Polizei im Bereich Leadership-Coaching.“

Ein Gesicht ist kein schneller Blick

Face Reading beginnt für Nussbaumer schon in dem Moment, in dem ein Mensch den Raum betritt: Wie bewegt die Person sich, wie spricht sie, welche Wörter verwendet sie? Erst danach folgen Gesichtsform, Stirn, Falten, Augenbrauen, Augenstellung, Nase, Nasenlöcher, Philtrum, Mund, Zähne, Kinn, Ohren, Haare und Muttermale. „Ein einziges Merkmal reicht nie aus, entscheidend ist immer das Zusammenspiel.“ Wer sie bei einer ersten Begegnung fragt, was denn im eigenen Gesicht steht, bekommt deshalb keine schnelle Antwort. „Das ist, als würdest du jemandem ein tausendseitiges Buch geben und fragen, was drin steht. Das muss man ja erst lesen.“ Manche Gesichtsformen lieferten frühe Hinweise, doch viele Merkmale würden erst bei genauerem Hinsehen sichtbar. „Für mich ist das Lesen eines Gesichts wie eine Schatzsuche im Menschen.“

Face-Reading: Frau mit unterschiedlichen Gesichtsausdrücken und Emotionen als Symbol für Mimik und Persönlichkeitsanalyse.
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Sie orientiert sich stark an chinesischen Lehren, die zahlreiche Gesichtsformen unterscheiden – darunter Jade, König, Baum, Mond … Die meisten Menschen seien Mischformen. Hinzu kommt ihre Unterscheidung zwischen einem „gewinnend“ oder „verlierend“ gelebten Ausdruck. „Ein schlechter Tag verändert den Gesamteindruck noch nicht. Der zweite Blick ist daher häufig wichtiger als der erste. Außerdem hat jede Eigenschaft zwei Seiten: Wissbegierde kann als Neugier und Offenheit erscheinen, aber ebenso als Einmischung. Die Wortwahl entscheidet da­rüber, wie eine Deutung bei einem Menschen ankommt.“

Der Phönix und ich

Dann wird es persönlich. Meine Gesichtsform, erklärt mir Nussbaumer, setze sich aus Anteilen von Baum, Jade und König zusammen und ergibt in dieser speziellen Anteilsmischung eben einen Phönix. Führung liege mir, ich könne andere Menschen weiterbringen, Fähigkeiten erkennen und Probleme lösen. Meine Erscheinung wirke magnetisch, meine Grübchen stünden für Charisma. Gleichzeitig sei ich für viele Menschen schwer einzuschätzen. Nach außen trete ich selbstsicher auf, während ich im Inneren durchaus mit Unsicherheiten kämpfe. Ich müsse darauf achten, mich im Einsatz für andere nicht selbst zu vergessen.

Bei manchen Sätzen nicke ich innerlich

Ich arbeite viel, übernehme viel Verantwortung und helfe oft, wenn es irgendwo hakt. Auch der Wunsch nach Freiheit und der analytische Blick, den sie an meinen Ohren und Augen festmacht, passen zu meinem Selbstbild. Dass sie mir eine gute Mischung aus Intuition und Instinkt zuschreibt, nehme ich ebenfalls gerne. Wer hört nicht gern, dass er charismatisch, entscheidungsstark und ein Magnet für Menschen sei? Genau hier bleibt meine Skepsis wach: Sind das präzise Erkenntnisse oder positiv formulierte Eigenschaften, in denen sich viele wiederfinden können?
Nussbaumer warnt davor, aus einer einzelnen Geste ein fixes Urteil zu machen. Wenn während eines Gesprächs die Nase juckt, sei das kein Beweis für eine Lüge. „Ich würde niemals behaupten, zweifelsfrei erkennen zu können, ob diese Person lügt. Auch beim Krankheitenlesen ziehe ich eine klare Grenze: Obwohl entsprechende Deutungen Teil mancher Ausbildungen sind, stelle ich keine Diagnosen und überlasse dieses Feld der Medizin.“

Was sagt die Wissenschaft?

Dass wir Gesichter lesen, ist unbestritten. Menschen bilden innerhalb kürzester Zeit Eindrücke darüber, ob jemand vertrauenswürdig, kompetent, dominant oder sympathisch wirkt. Studien zeigen auch, dass Beobachtende bei solchen Urteilen häufig übereinstimmen. Übereinstimmung ist allerdings noch keine Treffsicherheit. Eine viel zitierte Forschungsübersicht im Annual Review of Psychology kommt zu dem Schluss, dass die diagnostische Aussagekraft solcher Zuschreibungen stark überschätzt wurde. Ein Gesicht kann also bei vielen denselben Eindruck auslösen, ohne die Persönlichkeit dahinter zuverlässig abzubilden.

Der Kontext bleibt entscheidend. Für feste Zuordnungen wie „große Nase bedeutet arbeitsam“ oder „bestimmte Stirnfalten bedeuten Intuition“ gibt es keine belastbare wissenschaftliche Grund­lage. Nach unserem Gespräch bleibt ein gemischtes, durchaus positives Gefühl. Face Reading finde ich spannend, weil es Aufmerksamkeit schärft und Fragen anstößt. Parameter können stimmig wirken, manches berührt erstaunlich genau, einiges lässt Raum für eigene Bedeutung. Als Impuls zur Selbstreflexion kann das sehr wertvoll sein.

Kleine Gesichtslehre von Silvia Nussbaumer

Face-Reading: Illustration verschiedener Gesichtsformen und Gesichtszüge zur Analyse von Persönlichkeit und Charakter.
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  1. Abstehende Ohren deuten auf Extrovertiertheit hin. Diese Menschen tun in der Regel das, was sie selbst wirklich wollen. Als wahre Individualisten möchten sie Dinge verändern, trotz Widerstand.
  2. Menschen mit hoch angesetzten Ohren sind spontan und treffen schnelle Entscheidungen. Spitze Ohren sprechen für einen analytisch denkenden Menschen. Der Mittelscheitel steht für Ordnungsliebe.
  3. Menschen mit einer eher rundlichen Nase sind meist neugierig und aufgeweckt, haben aber auch ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Sicherheit – auch in finanziellen Dingen.
  4. Menschen mit großen, offenen Augen sind meist sehr emotional, nehmen vieles wahr und zeigen sich offen für Neues. Große Pupillen deuten auf eine gute Intuition hin. Wer eine kleine Stupsnase hat, gilt als offen, tolerant und leichtgläubig.
  5. Menschen mit großen Nasen sind meist kreativ, fleißig und ehrgeizig, haben einen starken Willen, der sich aber auch in Sturheit oder Widerstand zeigen kann. Meist wollen sie selbst die Führung übernehmen und sind gerne ihr eigener Herr. Wild zusammengebundene Haare im oberen Bereich des Kopfes lenken hier den Fokus auf ein unabhängiges Denkvermögen.
  6. Menschen mit tief angesetzten Ohren sind Erkenntnissuchende und selten spontane Entscheider. Das Streben nach Weisheit ist bei ihnen stark ausgeprägt, ebenso wie hohe Ansprüche an sich selbst. Menschen mit großem Augenabstand verlieren sich gerne in einer Vielzahl von Details, sehen Dinge „nicht so eng“.

Wer mehr über Silvia erfahren möchte: sn-coaching.com

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