
Anna Kaiser leitet als erste Frau die Katastrophenhilfeeinheit des Bundesheeres
Eine Challenge, der sie sich mehr als gewachsen fühlt!
© Bundesheer/Haiden
Seit September 2024 ist Milizoffizierin Anna Kaiser die neue Kommandantin der Katastrophenhilfeeinheit AFDRU („Austrian Forces Disaster Relief Unit“) des österreichischen Bundesheeres – und damit die erste Frau in dieser Position. Auch in ihrem zivilen Beruf an der Universität Krems spielt das Militär eine wichtige Rolle. Wir haben mit der 38-Jährigen über ihren Weg zum Bundesheer, Herausforderungen und Chancen gesprochen.
Major Anna Kaiser im Interview
Als eine von wenigen Frauen hat sich Anna Kaiser bereits im Alter von 18 Jahren dazu entschieden, einen Weg beim Bundesheer einzuschlagen. Von ihrem ursprünglichen Plan, Berufssoldatin zu werden, hielt sie dann allerdings eine Verletzung ab, die sie zu einem Jahr Pause zwang. Doch das hinderte sie nicht daran, dennoch eine Karriere beim Heer zu starten. Als Milizoffizierin hat die in Krems lebende gebürtige Oberösterreicherin heute einen wichtigen Posten beim Österreichischen Heer. Seit September leitet sie als erste Frau die Katastrophenhilfeeinheit AFDRU und ist in ihrer Funktion für über 100 Personen verantwortlich. Eine Challenge, der sie sich mehr als gewachsen fühlt.

Militär & Geschichte
Warum sie ab der Oberstufe ein Interesse für das Militär entwickelt hat, darauf hat Anna Kaiser keine klare Antwort. „Wo das herkommt, weiß ich nicht. Keine Ahnung! (lacht) Ich habe schon länger versucht zu eruieren, was der Auslöser gewesen sein könnte. Es gibt keinen familiären Konnex. Ich habe einfach ein generelles Interesse am Thema Militär entwickelt, darunter auch für die Antike und das römische Militär – was ich später auch studiert habe.“
Als sie sich jedenfalls nach der Matura fragt, ob sie direkt studieren oder doch zuerst zum Bundesheer gehen soll, ist die Antwort für ihre Mama sofort klar: „Studieren kannst du später auch noch! Wenn es dich so interessiert, dann wirst du sehen, ob es das Richtige für dich ist oder nicht.“ Und das war es, wie ihr weiterer Weg beim Heer zeigt. Während ihrer Laufbahn war die 38-Jährige unter anderem in der Infanterie in einem Jägerbataillon in Oberösterreich beordert. Vor ihrer Aufgabe als Kommandantin der Katastrophenhilfeeinheit AFDRU leitete Anna Kaiser ab 2018 die Miliz-Jägerkompanie in Tulln.

Es ist eine Mischung aus mehreren Dingen, die das Bundesheer für Major Kaiser so spannend macht: Einerseits die Abwechslung, die ihre Arbeit als Milizoffizierin mit sich bringt und einen Ausgleich zu ihrem zivilen Beruf als Leiterin des Zentrums für Kulturgüterschutz an der Universität für Weiterbildung Krems schafft, und andererseits auch die Kameradschaft und die vielen verschiedenen Menschen, mit denen sie beim Bundesheer in Berührung kommt: „Du hast mit Leuten aus allen Schichten und Bereichen zu tun. Das ist extrem bereichernd und vielseitig.“
Frauen beim Bundesheer
Auch wenn die Richtung für Anna schnell klar war, war ihr Weg dennoch nicht von Anfang an einfach. Als Frau hatte sie oft das Gefühl, sich jedes Mal wieder neu beweisen zu müssen. Denn während Männern auf derselben Ausbildungsstufe in Kursen sofort ein gewisses Vertrauen entgegengebracht wurde, war das bei ihr nicht immer so. „Mir wurde oft eine Grundskepsis entgegengebracht, wenn man mich nicht kannte. Das hat sich innerhalb weniger Tage aber meistens schnell gelegt. Aber das ist jetzt nicht etwas, das nur das Militär mit sich bringt. Ich kenne es aus der zivilen Welt genauso.“

Der Einstieg ins Bundesheer war für Anna Kaiser anfangs zwar manchmal hart, wie sie selbst sagt. Entmutigen lassen hat sie sich davon allerdings nie. Mit Erfolg. Denn inzwischen hat sie sich einen Namen gemacht und damit auch Respekt unter ihren männlichen Kameraden verschafft. Was sie Frauen, die einen Weg beim Bundesheer einschlagen wollen, heute raten würde? „Wenn Interesse da ist, es einfach auszuprobieren! Man kann jederzeit wieder aufhören, wenn es nicht das Richtige ist, aber es zumindest zu probieren, lohnt sich. Frauen sollen sich nicht von pseudo-gesellschaftlichen Hürden aufhalten lassen.“
So krisensicher ist Anna Kaiser
Druck empfindet die 38-Jährige in ihrer verantwortungsvollen Rolle als Kommandantin der Katastrophenhilfeeinheit AFDRU, die sich von Korneuburg aus organisiert, nicht. Ganz im Gegenteil: Sie fühlt sich dieser Challenge mehr als gewachsen und hat über die Jahre ihrer militärischen Laufbahn die beste Ausbildung dafür erhalten. Ihre Aufgabe: Die Gesamtkoordination der über 100 Milizsoldaten, die im Ernstfall zu Einsätzen, wie zuletzt etwa 2023 bei dem Erdbeben in der Türkei, oder bei Waldbrandbekämpfung, Dekontamination und Wasseraufbereitung in ganz Europa ausrücken und vor Ort unterstützen. Innerhalb von sechs Stunden muss Kaiser verfügbar sein, um im Ernstfall ins Ausland versetzt werden zu können. Ständige Erreichbarkeit am Handy ist dafür Voraussetzung und gutes Zeitmanagement im privaten und zivilen Leben essenziell.

Ein Job, bei dem also Struktur, ein klarer Kopf und vor allem Nervenstärke gefragt sind. Doch das sind Eigenschaften, die Anna Kaiser bereits mitgebracht hat: „Ich glaube, dass ich immer schon einen gewissen Grundstock an Nervenstärke hatte. Das hat sich über die Jahre hinweg aber noch weiter verbessert. Sei es durch Übungen oder einfach durchs Tun und durchs Feststellen ‚ich habe jetzt diese Position, ich kann das!‘“. Darüber hinaus wird Kaiser in militärischen Übungen immer wieder gefordert, an ihre Grenzen – und darüber hinaus – geführt, um noch krisensicherer zu werden. Es sind diese Führungs-Aus- und -fortbildungen, die sie am Bundesheer besonders schätzt und die ihr auch für ihren zivilen Job viel gebracht haben.
Zivilberuf Kulturgüterschutz
Seit 2015 ist Anna Kaiser am Zentrum für Kulturgüterschutz der Universität für Weiterbildung Krems tätig, inzwischen als Assistenzprofessorin und Leiterin des Zentrums. Das Militär spielt auch in ihrem zivilen Beruf eine übergeordnete Rolle, denn dort forscht sie unter anderem daran, warum es wichtige Kulturgüter – wie in Niederösterreich etwa das Stift Melk oder Stift Göttweig – zu schützen gilt und welche Vorteile es in der militärischen Einsatzführung geben kann, wenn dieser Kulturgüterschutz auch tatsächlich beachtet wird. Kaiser ist überzeugt davon, dass ihr Team an der Uni Krems durchaus von ihrem militärischen Background profitiert: „Für mich sind es wahrscheinlich selbstverständliche Sachen, wie das strukturierte Denken, kurzfristige oder langfristige Planung“, die sich auch positiv auf ihre Rolle an der Universität auswirken.
Kaiser hat für sich die perfekte Mischung aus ihrer Arbeit als Milizoffizierin und Forschungsleiterin an der Universität gefunden: „Meine zwei Welten gleichen sich gegenseitig super aus!“, so die 38-Jährige. Und auch in ihrer Wahlheimat, in der sie ihre Freizeit mit Sport und in der Natur genießt, spiegelt sich ihre Begeisterung für Militär und Geschichte wider. Drei Dinge, die sie an Niederösterreich besonders mag: „Jede Menge quasi noch intakte römische Militäranlagen im Tullnerfeld, den Archäologischen Park in Carnuntum natürlich und ein weiteres Stück Geschichte – Dürnstein, wo Richard Löwenherz gefangen war.“
_____________