8 Fragen an eine Pilotin
Monat für Monat richten wir das Scheinwerferlicht auf Menschen, deren Tätigkeiten außerhalb des Gewöhnlichen liegen oder oft zu Unrecht übersehen werden.
© Austrian Airlines
Christina Domweber-Wittmann hat sich bei einem Schnupperflug in einem Leichtflugzeug mit dem „Fliegervirus infiziert“ und anschließend ihre Pilot:innen-Ausbildung neben dem Studium absolviert. 2016 bewältigte sie die Pilot:innen-Selektion und ist heute First Officer und Fleet Pilot bei Austrian Airlines.
Warum sind Sie Pilotin geworden und wie schwierig war der Weg?
Die Fliegerei hat mich von klein auf fasziniert. Auch wenn ich lange nicht am Radar hatte, selbst zu fliegen, war früh klar, dass ich beruflich in diese Richtung gehen möchte. Die Ausbildung ist anspruchsvoll und erfordert viel Einsatz, Geduld und Durchhaltevermögen. Umso schöner ist es für mich, heute unsere Gäste von und nach Wien fliegen zu dürfen.
Was ist das Tolle am Fliegen?
Mich begeistern Technik, Physik und die Vielfalt – kein Tag ist wie der andere. Wir arbeiten im Team wie ein Uhrwerk, haben für alles klare Abläufe und Plan B, C oder D parat. Außerdem mag ich den Schichtdienst und fliege auch gerne mal sonntags oder an Feiertagen.
Welches ist das hartnäckigste Klischee über Ihren Job?
Ich bin aktuell Copilotin. In einem Kurzstrecken-Cockpit sitzen gewöhnlich ein:e Kapitän:in und ein:e Copilot:in. Häufig werde ich gefragt, wann ich „richtige“ Pilotin werde und selbst fliegen dürfe. Fakt ist: Wir wechseln uns mit der Aufgabenverteilung ab. Mal fliege ich und der:die Kapitän:in erledigt Funk und Checklisten, beim nächsten Flug ist es umgekehrt. Auch die Mutmaßung, dass der Autopilot alles übernimmt, ist falsch – Start und Landung fliegt man in der Regel manuell.
Spüren Sie im Berufsalltag, dass der Beruf männerdominiert ist?
Alle Pilot:innen durchlaufen die gleichenTests und Trainings. Jede:r muss die selben Kriterien erfüllen und die geforderte Leistung erbringen. Ich fühle mich als Pilotin bei Austrian von Anfang an sehr wohl und wertgeschätzt. Gelegentlich gibt es Kommentare von Passagier:innen zu einem rein weiblichen Cockpit – die sind aber meist positiv überrascht.
Erinnern Sie sich an Ihren ersten Anflug in Innsbruck?
Ich fliege nun bereits seit knapp neun Jahren nach Innsbruck und dennoch bleibt der erste Anflug unvergesslich. Noch immer ist Innsbruck am Dienstplan etwas Besonderes.
Wurde es im Cockpit schon mal so richtig turbulent?
Turbulenzen gehören zum Job. Wir versuchen sie zu vermeiden, bleiben aber immer ruhig und fokussiert, stets unter der Prämisse „Safety First“. Wir sind extrem gut trainiert, durchlaufen halbjährlich am Simulator unterschiedlichste Szenarien und absolvieren laufend Trainings, um auf alles vorbereitet zu sein.
Was können Fluggäste zu einem angenehmen Flug beitragen?
Mehr Verständnis für das Gegenüber hilft immer und überall. Übrigens: Wer als Passagier:in Flugangst hat, darf dies gerne der Cabin Crew sagen – sie hilft dann, den Flug ein bisschen sorgenfreier zu gestalten.
Fliegen Sie auch noch gerne in den Urlaub?
Ich kann beim privaten Fliegen gut abschalten. Dennoch ist es unter „fliegenden Kolleg:innen“ üblich, sich bei der Crew kurz vorzustellen – so kann man in einer sehr unwahrscheinlichen, besonderen Situation unterstützen, sollte es nötig sein.