The Rain Workers: Aufklärung für mehr Selbstbestimmung
Die Vision: Frauen und Mädchen durch Wissen zu stärken
© The Rain Workers / Magdalena Hassek
In vielen afrikanischen Ländern fehlt Frauen und Mädchen noch immer der Zugang zu Aufklärung und die Möglichkeit, selbstbestimmte Entscheidungen über ihren Körper zu treffen. THE RAIN WORKERS wollen das ändern – mit sexualpädagogischer Aufklärung direkt in den Communities vor Ort.
The Rain Workers: Diese Organisation aus Niederösterreich leistet Großes
Fehlende Aufklärung, Gewalt, Armut und gesellschaftliche Tabus nehmen zahlreichen Frauen und Mädchen weltweit immer noch Chancen, Sicherheit und oft auch ihre Stimme. Genau hier setzt die Arbeit von THE RAIN WORKERS an. Die Organisation, die Ende der 1980er-Jahre von der niederösterreichischen Gynäkologin Maria Hengstberger gegründet wurde, verfolgt eine klare Vision: Frauen und Mädchen durch Wissen zu stärken. Seit fast vier Jahrzehnten setzt sich die NGO für sexuelle und reproduktive Gesundheit und Rechte in afrikanischen Ländern ein und bildet heute lokale Expertinnen und Experte, sogenannte RAIN WORKERS, aus, die in ihren Gemeinschaften sexualpädagogische Aufklärung leisten. „Alle Frauen weltweit müssen selbstbestimmt und informiert über ihre Körper entscheiden können“, sagt Patricia Otuka-Karner, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit der Organisation. „RAIN WORKERS lassen Wissen regnen, damit Frauen wachsen und selbstbestimmte, informierte Entscheidungen treffen können – in Bezug auf ihr sexuelles Verhalten, Familienplanung und Verhütung.“
Starke Arbeit
Im Zentrum der Arbeit stehen Frauen und Mädchen, die oftmals unter schwierigsten Bedingungen leben – etwa in informellen Siedlungen wie Mathare in Nairobi, wo die Partnerorganisation MCF Panairobi tätig ist. Mercy Kamau, Geschäftsführerin der Organisation, beschreibt die Realität der Frauen eindringlich: „In Mathare erleben viele Frauen einen harten Alltag, geprägt von Armut, Gewalt und mangelndem Zugang zu grundlegender Versorgung.“ Frühschwangerschaften, wirtschaftliche Abhängigkeit und fehlender Zugang zu Bildung halten viele Frauen in einem Kreislauf fest, aus dem sie kaum allein herausfinden. Und doch entstehen genau dort Hoffnung und Veränderung. Gemeinsam mit THE RAIN WORKERS schafft MCF Panairobi sichere Räume für Mädchen und Frauen, bietet Mentoring und klärt über sexuelle und reproduktive Gesundheit auf. „Unser Ziel ist es letztlich, ihre Selbstbestimmung zu stärken, damit sie mit Würde, Sicherheit und informierten Entscheidungen leben können“, betont Kamau.

Der Zugang zu den Communities gelingt vor allem durch die RAIN WORKER – Menschen aus den jeweiligen Gemeinden, die Sprache, Kultur und Sorgen der Bewohner kennen. Sie sprechen über Themen, über die sonst oft geschwiegen wird: Menstruation, Verhütung, Gewalt oder Rechte. „Über Sexualität zu sprechen ist oft tabuisiert, aber unsere ausgebildeten RAIN WORKER – die selbst aus den Communities kommen, mit denen sie arbeiten – helfen uns dabei, diese Barrieren zu durchbrechen“, erklärt Kamau. Gerade dieses Vertrauen ist für ihre Arbeit entscheidend.
Ein Privileg
Auch Magdalena Hassek, Projektmanagerin bei THE RAIN WORKERS, kennt diese Herausforderungen aus ihrer Arbeit vor Ort. Nach ihrer Ausbildung zur Sozialpädagogin arbeitete sie als Volontärin in Kenia – eine Erfahrung, die sie nachhaltig geprägt hat. „Ich habe zum ersten Mal erkannt, wie selbstverständlich ich mein Leben lang davon ausgegangen bin, dass mir Türen offenstehen und was für eine Ausnahme das ist“, erzählt sie und betont: „Seitdem gab es keine sinnvollere Aufgabe, als meine Position als ‚privilegierte Frau‘ für andere Frauen zu nutzen.“

Heute begleitet Hassek Partnerorganisationen in mehreren afrikanischen Ländern und bildet neue RAIN WORKER aus. Diese erhalten umfassendes Wissen über sexuelle und reproduktive Gesundheit und lernen, sensible Themen in ihren Gemeinschaften anzusprechen. Schwierig sei dabei vor allem der Umgang mit Tabus: „Besonders herausfordernd ist es für die angehenden RAIN WORKER, offen in den eigenen Nachbarschaften tabuisierte Themen anzusprechen und dabei auf Widerstand zu stoßen“, sagt Hassek. Gerade religiöse und kulturelle Normen erschweren vielerorts offene Gespräche über Sexualität oder Frauenrechte.
The Rain Workers: Großes Wirken
Dass die Arbeit dennoch Wirkung zeigt, erlebt Mercy Kamau täglich in Mathare. „Viele kehren in die Schule zurück oder bleiben dort, vermeiden frühe Schwangerschaften und treffen informiertere Entscheidungen über ihre Zukunft“, berichtet sie. Mädchen entwickeln Selbstvertrauen, suchen Hilfe und werden unabhängiger. Wie tiefgreifend Veränderung sein kann, zeigt auch die Geschichte von Mary, einer ehemaligen Teilnehmerin und heutigen Trainerin der Organisation, die Magdalena Hassek besonders in Erinnerung geblieben ist. Mary erlebte als Kind Gewalt und wurde aufgrund fehlender Aufklärung bereits als Teenagerin Mutter. Heute unterstützt sie andere junge Frauen: „Mary ist eine respektierte Frau der Community, die Mädchen täglich zeigt, dass Wissen ihr Leben verändern kann“, so Hassek.
Jede Unterstützung zählt!
Denn die Herausforderungen bleiben groß. Armut, Gewalt und fehlende Ressourcen prägen weiterhin den Alltag vieler Frauen. „Der Bedarf ist weitaus größer als die verfügbare Unterstützung“, sagt Kamau. Gleichzeitig brauche es auch ein Umdenken innerhalb der Gesellschaft: „Männer spielen als Partner, Väter und Führungspersonen in den Communities eine entscheidende Rolle dabei, schädliche Normen zu hinterfragen. Wenn Männer positiv eingebunden werden, wird Veränderung langfristig nachhaltiger.“ Auch THE RAIN WORKERS setzen bewusst auf die Einbindung von Männern: Trainings und Aufklärungseinheiten werden meist von Tandems – einer Frau und einem Mann – durchgeführt. So sollen auch sie für Themen wie Familienplanung, Gleichberechtigung oder Gewaltprävention sensibilisiert werden. Denn nur so kann langfristige Veränderung gelingen.
Seit 2009 hat die Organisation mehr als 1.100 RAIN WORKER in 13 afrikanischen Ländern ausgebildet. Allein 2025 wurden fast 54.000 Menschen durch Aufklärungssessions erreicht. Damit diese Arbeit fortgesetzt werden kann, ist die Organisation auf Unterstützung angewiesen. „Jede Spende hilft uns, mehr RAIN WORKER auszubilden und so mehr Frauen zu stärken und vor Gewalt zu schützen“, so Otuka-Karner. Nähere Informationen findet ihr unter www.therainworkers.org
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