Mindset-Coach Christine Mark

Christine Mark: Chefin im eigenen Kopf

Autorin, Speakerin und Mindset-Coach

7 Min.

© Theresia Kaufmann

Viele von uns hören immer wieder, dass wir einfach positiver denken sollen, doch genau das führt oft zu Frustration, weil es die eigentlichen Blockaden und Hindernisse nicht anpackt. Christine Mark ist Autorin, Speakerin und Mindset-Coach.
In ihrem Buch „Chef*in im eigenen Kopf“ beschreibt sie wissenschaftlich fundiert und praxisnah, warum wir unsere Gedanken nicht einfach ignorieren oder mit oberflächlichem Positivismus überdecken sollten, sondern wie wir sie bewusst steuern können, um das Leben zu gestalten, das wir uns wünschen.

Frau Mark, oft hören wir, dass wir positiver denken sollen. Aber das Leben hat echte Tiefpunkte. Wie vermeidet man toxische Positivität und was bedeutet das eigentlich?
Grundsätzlich geht es darum, das Leben mit all seinen Höhen und Tiefen anzunehmen und alle Gefühle zuzulassen, anstatt sie zu verdrängen. Gleichzeitig ist es aber wichtig, bewusst zu entscheiden, wie lange man sich negativen Gedanken hingeben möchte. Toxische Positivität entsteht, wenn wir zwanghaft versuchen, negative Emotionen in positive umzuwandeln. Das führt oft zu Selbstvorwürfen und einer negativen Gedankenspirale.

Wie kommt man zu einer gesunden Denkweise?
Indem man erkennt, dass Gedanken lediglich Vorschläge des Verstandes sind, die kommen und wieder gehen. Wir sind Beobachter dieser Gedanken. Sobald man das versteht, kann man bewusst entscheiden, mit welchen Gedanken man sich beschäftigt und welche man loslässt. Es geht nicht darum, gegen „negative“ Gedanken anzukämpfen – diese dürfen da sein. Man soll sie aber nicht zu ernst nehmen und wieder ziehen lassen, ohne sich mit ihnen zu identifizieren.

Sie erwähnen, dass es keine objektive Realität gibt, sondern dass jeder Mensch seine eigene erschafft. Können Sie ein Beispiel geben, wie unser Gehirn diese individuelle Wahrnehmung formt?
Die meisten Menschen kennen das: Sie beschäftigen sich mit einem für sie neuen Thema und plötzlich nehmen sie überall Informationen dazu wahr. Als ich schwanger war und mich mit einer bestimmten Kinderwagenmarke beschäftigte, habe ich plötzlich in der Stadt überall diese Marke wahrgenommen. Meine kinderlose Freundin hingegen hat sich einen Hund angeschafft und sah überall Hunde. Unsere Wahrnehmungen waren völlig unterschiedlich, obwohl wir denselben Ort teilten. Wir glauben oft, dass wir die gleiche Realität wahrnehmen, aber unser Gehirn zeigt uns nur einen Ausschnitt, der unseren aktuellen Interessen und Gedanken entspricht.

In Ihrem Buch gehen Sie auch auf neurobiologische Prozesse wie das retikuläre Aktivierungssystem (ARAS) ein. Welche Rolle spielt es bei dem, was wir wahrnehmen und erleben?
Wir sind ständig von einer Flut an Daten und Informationen umgeben – weit mehr, als unser Gehirn verarbeiten kann. Das ARAS filtert Informationen und lenkt unsere Aufmerksamkeit auf das, was wir für relevant halten. Neurowissenschaftler vergleichen diese Informationsmenge mit dem Wert von 125 Büchern, die jede Sekunde auf uns einströmen. Tatsächlich bewusst wahrnehmen können wir jedoch nur den Informationsgehalt eines einzigen Satzes mit circa zwölf Zeichen. Unsere Aufmerksamkeit wird also nur auf Informationen gelenkt, die mit unseren aktuellen Interessen, vergangenen Erfahrungen und Annahmen über die Zukunft übereinstimmen. Alles andere wird ignoriert.

Wie kann man das ARAS bewusst nutzen?
Indem man die eigenen Bewertungen, Glaubenssätze und Annahmen verändert. Wenn ich zum Beispiel den Glaubenssatz habe, dass mich andere Menschen unsympathisch finden, wird mein Gehirn vor allem ablehnende Signale in meiner Umgebung registrieren. Ändere ich diesen Glaubenssatz und beginne zu glauben, dass Menschen mir positiv oder neutral gegenüberstehen, wird mein Gehirn automatisch mehr freundliche Signale wahrnehmen. Diese Veränderung im Filtermechanismus verdeutlicht, wie stark unsere eigenen Überzeugungen die Wahrnehmung der Realität beeinflussen können.

Wie erkennt man unbewusste Glaubenssätze, die einen blockieren?
Schreiben Sie alles auf, was Sie über sich selbst glauben. Beginnen Sie die Sätze mit „Ich bin …“. Oft hat man auch unbewusste Glaubenssätze aus der Kindheit übernommen, die man in seinem Leben verinnerlicht hat. Wenn Sie dann Ihre Liste durchgehen, können Sie die Glaubenssätze markieren, die sich einschränkend anfühlen oder die Sie in Ihrem Leben nicht mehr unterstützen. Dies ist ein erster Schritt, um bewusst zu erkennen, was Sie in Ihrem Leben blockiert.

Wie kann man destruktive Gedankenmuster durchbrechen?
Zuerst muss man bereit sein, die eigenen Gedankenmuster zu hinterfragen. Sätze wie „So bin ich eben“ oder „Für Geld muss man hart arbeiten“ blockieren jede Veränderung. Der Schlüssel zur Veränderung ist, destruktive Glaubenssätze zu erkennen und dann neue, hilfreichere Gedanken zu entwickeln, die sich durch Wiederholungen im Unterbewusstsein verankern lassen. Wichtig ist, dass man bewusst nach Beweisen sucht, die die neuen Glaubenssätze bestätigen. Damit wird dieser mehr und mehr zu unserer neuen Realität. Wiederholung und Dranbleiben sind das Wichtigste.

Neid zeigt an, dass es etwas gibt, was ich auch will, mir aber selbst nicht zutraue. Da sollte man genauer hinsehen.

Christine Mark

Wir haben oft das Gefühl, etwas im Leben verändern zu wollen, wissen aber nicht genau, was. Gibt es eine Methode, um Klarheit über die eigenen Wünsche und Ziele zu gewinnen?
In meinen Coachings helfe ich Menschen, ihre wahren Wünsche zu entdecken, weil viele verlernt haben, zu ihren echten Wünschen zu stehen. Eine hilfreiche Methode ist, sich zu fragen: „Wenn alles möglich wäre, was würde ich tun?“ Diese Frage öffnet den Raum für neue Möglichkeiten und hilft, den Zugang zu den eigenen, tiefen Wünschen zu finden. Auch das Schreiben einer Wunschliste ist eine gute Übung. Der wichtigste Indikator für mich selbst ist, wenn ich Neid verspüre – er zeigt an, dass es etwas gibt, das ich auch will, mir aber nicht zutraue. Da sollte man genauer hinschauen, um nicht nur die Wünsche, sondern auch die dahinterstehenden negativen Glaubenssätze zu erkennen.

Wir Frauen denken oft gleichzeitig an die Kinder, den Haushalt, die Eltern, den Job. Wie kann man diesen „Mental Load“ verteilen – sei es in der Partnerschaft, im Job oder in der Familie?
Mein Tipp ist, den Perfektionismus abzulegen und nicht zu allem Ja zu sagen. Hinterfragen Sie, warum Sie zustimmen – oft steckt die Angst dahinter, nicht mehr gemocht oder akzeptiert zu werden. Im Job ist es entscheidend, nicht den Eindruck zu erwecken, dass man alles im Griff hat, weil man dadurch mehr Aufgaben und Stress auf sich lädt. Klarheit über die eigenen Grenzen und Bedürfnisse zu haben, ist der Schlüssel. Frauen sollten sich mehr trauen, ihre Wünsche und Grenzen zu kommunizieren, und den Drang aufgeben, immer perfekt sein zu müssen.

Als Mindset-Coach beleiteten Sie in den vergangenen Jahren Hunderte Menschen. Gibt es Unterschiede in der Denkweise zwischen Männern und Frauen? Wenn ja, welche sind das?
Männer hinterfragen sich in der Regel weniger und beziehen ein „Nein“ häufiger auf äußere Umstände. Frauen hingegen fühlen sich oft stärker für die Bedürfnisse anderer verantwortlich, was auf unterschiedliche Sozialisierungen zurückzuführen ist.
Mädchen wurden, zumindest in meiner Generation, dazu erzogen, brav und angepasst zu sein, während Buben mehr Unabhängigkeit und Unangepasstheit zugestanden wurde. In meinen Coachings erlebe ich oft, dass Frauen auch als Erwachsene noch versuchen, den von ihren Eltern geprägten Idealvorstellungen zu entsprechen. Das ist häufig sehr anstrengend und führt zu unnötigem Stress – ein Problem, das Männer in der Regel weniger betrifft.

Ihr Buch vermittelt Strategien, um die Kontrolle über das eigene Denken zu übernehmen. Was ist der erste Schritt, um die „Chefin im eigenen Kopf“ zu werden?
Verantwortung für die eigenen Gedanken und Gefühle zu übernehmen. Veränderung beginnt von innen, und es geht darum, bewusst die eigenen Glaubenssätze zu erkennen und zu verändern. Dabei ist keine jahrelange Analyse nötig. Die zentrale Frage lautet: Was will ich erreichen, welche Gedanken blockieren mich dabei und welche Überzeugungen muss ich stattdessen entwickeln? Das Mindset ist der entscheidende Faktor für Veränderung.

Buchtipp

„Chef*in im eigenen Kopf – Wie du deine Gedanken steuerst und dadurch bekommst, was du wirklich willst“ von Christine Mark, ISBN: 9403787953, Bookmundo, € 24,00. www.christine-mark.com

Buchtipp
Foto: Theresia Kaufmann

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