© Petra Kamenar
Manuela Westermayr ist nicht nur “Bäuerin des Jahres 2026”, sondern auch Bankerin, Mama, Gemeindebäuerin und Musikerin. Was sie antreibt, warum Frauen in der Landwirtschaft mehr Selbstständigkeit brauchen und weshalb Tradition und Moderne für sie kein Widerspruch sind.
Fotos: Petra Kamenar, Haare & Make-up: Sarah Anderl
Outfits: Preßl Trachten, Zalando Schmuck: CAJOY Jewellery
Mit Mut, Herz und Ausdauer
Vor rund zehn Jahren kam Manuela Westermayr, die selbst nicht von einem Bauernhof stammt, in die Landwirtschaft und fand Schritt für Schritt ihre eigene Rolle. Heute bewirtschaftet die 38-Jährige gemeinsam mit ihrem Mann Helmut einen Bio-Betrieb mit Mutterkuhhaltung und rund 84 Hektar Land- und Forstwirtschaft im Mostviertel. Neben ihrer Arbeit am Hof setzt sich als Gemeindebäuerin für die Stärkung und Sichtbarkeit von Frauen im ländlichen Raum ein. Für ihr Engagement wurde sie von den Leserinnen und Lesern der NIEDERÖSTERREICHERIN zur Bäuerin des Jahres ausgezeichnet.
Manuela, wie war der erste Moment, als du erfahren hast, dass du Bäuerin des Jahres geworden bist?
Ich habe mich extrem gefreut! Es ging für mir eigentlich gar nicht ums Gewinnen, sondern ums Dabeisein und einfach darum, präsent zu sein – nicht nur für mich alleine, sondern für so viele Menschen in meinem Umfeld. Ich war wirklich überwältigt. Als du mich angerufen hast, war ich mitten beim Einkaufen im Spar (lacht). Ich habe richtig geweint vor lauter Freude!
Es ging für mich dabei gar nicht ums Gewinnen, sondern einfach nur ums Dabeisein!
Manuela Westermayr
Was bedeutet es für dich, Bäuerin zu sein?
Ich sehe es als Beruf. Ich komme ursprünglich nicht von einem Bauernhof und bin wegen der Liebe Bäuerin geworden, deshalb kenne ich beiden Seiten. Ich bin neben der Landwirtschaft auch berufstätig und arbeite Teilzeit als Bankerin bei der Raiffeisenbank Mittleres Mostviertel. Auch dort spüre ich wirklich viel Rückhalt von meinem Arbeitgeber. Ich habe eigentlich zwei Berufe, oder besser gesagt drei, wenn ich das Mama sein dazurechne. Ich sehe es so: Alles unter einen Hut zu bekommen, ist manchmal schwierig, aber es zahlt sich auf jeden Fall aus, weil man bekommt als Bäuerin und in der Landwirtschaft wirklich viel zurück. Und man kann auch viel vermitteln und die Werte, die wichtig sind, weitergeben. Ich bin wirklich gerne Bäuerin.
Du bist Bäuerin, Bankerin, Mama und Gemeindebäuerin. Wie bekommst du all diese Rollen unter einen Hut?
Vieles geht, wenn man ein wirklich gutes Fundament hat. Und für mich ist so ein Fundament die Familie: mein Mann, mein Kind, meine Eltern und meine Schwiegereltern. Wenn das funktioniert, die Unterstützung da ist und das Zusammenspiel funktioniert, dann geht das. Mir war es immer wichtig, unabhängig zu sein und mir selbst treu zu bleiben. Ich wollte meinen Beruf als Bankerin immer behalten. Und das möchte ich vor allem auch den Frauen von heute weitergeben: Sie sollen immer versuchen, ihre inneren Träume und Wünsche zu verfolgen, und das machen, was sie gerne tun!

Du kommst ursprünglich gar nicht aus der Landwirtschaft. Wie war es für dich, plötzlich Teil eines Hofes zu sein?
Als ich auf den Hof gekommen bin, war der Betrieb noch hauptsächlich in der Hand meiner Schwiegereltern. Damals hatte ich noch meinen 40-Stunden-Bankjob und ich habe anfangs einfach dort mitgeholfen, wo ich konnte. Ich habe schnell erkannt, dass es wichtig ist, dass jeder seine Aufgaben hat und seine Rolle am Hof findet, damit das Miteinander funktioniert. Sicher hat man auch mal Meinungsverschiedenheiten, aber es ist auch wichtig, dass man voneinander lernt, dass man manche Dinge annimmt und auch die unterschiedlichen Meinungen respektiert.
Wie gelingt es, Tradition und Moderne am Hof miteinander zu verbinden?
Für mich sind Türnitz und meine Bäuerinnen und Frauen aus dem ländlichen Raum was das angeht ein richtig gutes Beispiel. Wir sind ein Team von Erfahrenen – ich sage jetzt bewusst nicht alt, sondern erfahren – und versuchen, immer beide Seiten zuzulassen und anzuhören. Es ist einfach wichtig, auch das Altbewährte zu erhalten, denn nicht alles, was alt ist, ist automatisch schlecht. Aber man darf schon versuchen, auch den Älteren oder Erfahrenen vielleicht den modernen Mix beizubringen – und dann, glaube ich, klappt das ganz gut!

Was hat sich deiner Meinung nach am Bild der Bäuerin verändert?
Die Situation in der Landwirtschaft hat sich verändert. Oft braucht es ein zusätzliches Einkommen – und gerade für Frauen ist es wichtig, ein eigenes Standbein zu haben. Da bin ich sicher auch ein bisschen durch meinen Job geprägt: Ich finde, Frauen sollten eigenes Geld und eine eigene Pension haben. Es muss einfach geschaut werden, dass finanzielle Unabhängigkeit gegeben ist. Dadurch, dass mittlerweile eine andere Generation am Werk ist, die zum Teil arbeiten geht oder bei der man sich als Mama bewusst Zeit nimmt und zum Beispiel in Karenz geht, hat sich da schon einiges verändert. Ich glaube, wir sind mitten in einer Umbruchstimmung. Auch als ich vor rund drei Jahren Gemeindebäuerin geworden bin, sind sehr viele neue Gemeindebäuerinnen dazugekommen.
2026 steht im Zeichen der Bäuerin. Was bedeutet das für dich?
Es ist für viele wichtig, die Rolle der Bäuerin auch medial in den Vordergrund zu rücken und zu zeigen, was wir leisten, denn das ist wirklich vieles. Es ist wichtig, auch uns Bäuerinnen eine Plattform und mehr Sichtbarkeit zu geben. Das ist für mich ein richtig schönes Zeichen!
Was würdest du jungen Frauen heute mitgeben, die überlegen, in die Landwirtschaft zu gehen?
Sie sollen den Mut und die Kraft nicht verlieren und auf jeden Fall ausdauernd bleiben! Es wird einem nicht immer alles einfach gemacht, es hängt zum Beispiel viel Bürokratie dran. Wie in jedem Beruf, gibt es ein Für und ein Wider, aber ich glaube, wenn man es wirklich will, dann sollte man den Mut haben, es zu versuchen. Man muss vielleicht mehrere Wege gehen und kann sich im Betrieb nicht nur auf eine Sache fixieren, das geht heutzutage nicht mehr überall. Man sollte offen für Neues sein und auch neue Dinge annehmen. Am wichtigsten ist, sich selbst und das Ziel dabei nicht zu verlieren.
Was gibt dir Energie, wenn du selbst einmal das Gefühl hast: Jetzt ist es zu viel?
Auch wenn am Hof oft viel zu tun ist und man keine geregelten Arbeitszeiten hat, das Schöne an der Landwirtschaft ist, dass man am Tagesende einfach immer sieht, was man geschaffen hat. Egal ob Rinderhaltung, Getreide, Ackerbau oder etwas anderes – man sieht die Produkte, die entstehen, man sieht, dass man etwas geleistet hat. Es ist wirklich schön, wenn man am Ende des Tages zufrieden sein kann. Und wenn es gar nicht mehr geht, dann ist natürlich die Familie da oder mein Kind. Ich nehme mir zum Beispiel bewusst Mama-Sohn-Zeit, das genieße ich sehr. Das muss man tun – und auch lernen, das zuzulassen!

Die Musik ist ebenfalls ein wichtiger Teil deines Lebens …
Ja, die Musik ist schon seit meiner Kindheit und Jugend da. Ich spiele Klarinette und Saxophon und arbeite viel mit der Jugend. Ich bin aktiv in der Trachtenkapelle Türnitz und habe unter anderem die musikalische Leitung der Jugend über. Ich arbeite total gerne mit Kindern und Jugendlichen, die sind einfach so unkompliziert! Die Musik ist ganz konträr zu meinem Beruf oder zum Bäuerin-Sein. Es macht mir extrem viel Spaß und das ist ein Fixtermin in meinem Kalender!
Wie wünschst du dir die Landwirtschaft für die nächste Generation – und für deinen Sohn?
Ich wünsche mir, dass es auch am Land kleine Betriebe gibt. Es kann nicht mehr alles groß sein und es soll auch Bauern geben, die im Mittel- und Kleinerwerb unterwegs sind. Auch sie sollen eine Chance bekommen, nachhaltig bestehen zu können. Dann wünsche ich mir noch, dass Frauen den Mut haben, ihren Weg zu gehen. Und für mich persönlich beziehungsweise für unseren Betrieb wünsche ich mir, dass mein Sohn immer das machen soll, was er will – auch wenn sein Papa das beste Vorbild ist und ihn immer mitnimmt, soll er wirklich lernen, seinen Weg so zu gehen, wie er ihn gehen will.
Wenn du die Auszeichnung “Bäuerin des Jahres” stellvertretend für alle Frauen in Niederösterreich entgegennehmen könntest: Was würdest du ihnen sagen?
Dass es eine extrem coole Erfahrung ist, da mitzumachen! Es zahlt sich wirklich aus, wenn man in Niederösterreich und der Region etwas weiterbringen will, etwas macht und sich engagiert. Und dass sie immer sich selbst treu bleiben sollen.
Glückliche Gewinnerinnen
Feierliche Gewinnübergabe an unserer Top 3 “Bäuerinnen des Jahres” bei Jagd- und Trachtenbekleidung Preßl in Amstetten. Am Foto (v.l.n.r.): Christine Preßl, Landwirtschaftskammer NÖ Vizepräsidentin Andrea Wagner, Waltraud Strobl (Platz 2), Manuela Westermayr (Platz 1), Sabine Schmidt (Platz 3), Nationalrätin, Bundes- und NÖ Landesbäuerin Irene Neumann-Hartberger, Lisa Staltner

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