Die Fledermaus

Festspiele Reichenau: Im Zeichen von “100 Jahre Theater Reichenau”

Jubiläumsfeier mit "Die Fledermaus"

9 Min.

© Lalo Jodlbauer

2026 stehen die Festspiele Reichenau ganz im Zeichen von 100 Jahren Theater Reichenau, zugleich ist es auch die fünfte Saison unter der künstlerischen Leitung von Maria Happel. Gewürdigt wird das Jubiläum mit dem Eröffnungsstück von 1926: Johann Strauss‘ Operette „Die Fledermaus“. Wir fragen: „Ja, was ist denn hier so Sitte? – und werfen dazu einen ersten Blick auf die Probenarbeiten…

100 Jahre Theater Reichenau

30 Vorstellungen, sechs exklusiv für das Festival entwickelte Eigenproduktionen, von denen, wie bereits im Vorjahr, gleich fünf innerhalb der ersten Festspielwoche ihre Premieren feiern, und ein leidenschaftliches Ensemble, bestehend aus hochkarätigen Bühnenstars und herausragenden Nachwuchstalenten: Das sind die Eckpunkte der Festspiele Reichenau 2026, welche sich unter der Leitung von Schauspielerin, Regisseurin und Nestroy-Theaterpreisträgerin Maria Happel zu einem überaus renommierten Theaterfestival im deutschsprachigen Raum etabliert haben. Eine Erfolgsgeschichte!

Burgschauspielerin Maria Happel mit Raphael von Bargen, Gerhard Kasel und Jakob Semotan.
Nach 100 Jahren kehrt „Die Fledermaus“ nach Reichenau zurück: Burgschauspielerin Maria Happel mit Raphael von Bargen, Gerhard Kasel und Jakob Semotan. © Lalo Jodlbauer

Interview mit Maria Happel

Frau Kammerschauspielerin, welche Gefühle begleiten Sie in diese Festspielsaison? 

Maria Happel: Wie immer ein Kribbeln in der Magengegend, wie vor einem mit freudiger Erregung erwarteten Rendezvous! Das Schöne daran ist, dass es kein Blind Date ist, sondern wir schon einen fünften gemeinsamen Jahrestag feiern können. In dieser Saison feiern wir das Theater Reichenau, ohne das es die Festspiele Reichenau mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht geben würde. Ich freue mich darauf, dass wir dieses Haus wieder einen Sommer lang mit Geschichten füllen dürfen.

Um mit der Frage des Prinzen Orlofsky zu beginnen: „Ja, was ist denn hier so Sitte?“ in diesem besonderen Jahr mit gleich zwei Jubiläen?

(Lacht) Bei uns ist es Sitte, dass die Besucher und Besucherinnen unseres Festivals von der künstlerischen Leitung begrüßt werden, und das nicht nur im Jubiläumsjahr! Es ist mir wichtig, in der sommerlichen Atmosphäre, die meist vor dem Theater herrscht, direkt mit dem Publikum in Kontakt zu treten, zu plaudern und ein wenig zuzuhören. Es ist zwar nicht Sitte, aber ergibt sich auch, dass man ab Beginn der Probenarbeiten und während der gesamten Saison überall auf Künstlerinnen und Künstler trifft, die man vielleicht am Abend auf der Bühne sehen wird. Es ist diese intime Atmosphäre, die die Festspiele Reichenau auch ausmachen.

Der programmatische Schwerpunkt liegt auf österreichischen Autoren der Jahrhundertwende. Wie verweben sich diese Stücke mit zeitgemäßen Theaterinhalten?

Innovation kann nur durch Tradition entstehen. Im Rückblick schreibt sich die Geschichte weiter. Vieles hat sich verändert – manches gar nicht! Wo stehen wir? Wo wollen wir hin? Was haben wir gelernt? Was inspiriert uns? Was kann ich beitragen? So werden wir Stefan Zweig, Joseph Roth, Arthur Schnitzler oder Johann Strauß in einem neuen Licht sehen und gleichzeitig wiedererkennen können. Was wir gelernt haben und was wir beitragen können, werden wir uns aber auch in der szenischen Lesung von Martin Prinz’ Roman „Die letzten Tage“ fragen können. 

Gibt es ein für Sie persönliches Highlight der heurigen Saison?

Ja, sicherlich wenn wir am 1. August mit der „Fledermaus“ die Eröffnung des Theaters vor 100 Jahren feiern. An diesem Tag laden wir unser Publikum ein, mit uns ins Eröffnungsjahr 1926 zurückzukehren, wo auch „Die Fledermaus“ von Nils Strunk und Lukas Schrenk angesiedelt ist. Wir laden ein zu „Federschmuck, Flapperkleid oder schick im Anzug wie Orlofskys Gästeschar zu erscheinen“. Ich denke, das kann ein ganz besonderer Tag im Theater werden.

Nils & Lukas
KONGENIAL. Das Regieduo Nils Strunk und Lukas Schrenk interpretieren „Die Fledermaus“ neu. © Volker Schmidt

Reizen Sie am Theater eher klassische Stoffe oder moderne Stücke und neue Erzählformen?

Wir haben doch das ungeheure Glück, dass wir in so unterschiedlichen Räumen agieren dürfen. So liebe ich beispielsweise die Mischung, klassische Stücke im modernen neuen Spielraum zu sehen oder ein zeitgenössisches Stück, wie die Präsidentinnen im Alten Spielraum.

Welche gesellschaftliche Aufgabe hat das Theater heute?

Ich bin überzeugt, dass wir dazu beitragen können, dass unsere Sprache nicht verroht! Lesen! Bücher! Darüber hinaus soll Theater uterhalten, begeistern und zerstreuen, aber auch inspirieren. Theater kann Themen aufgreifen, die die Gesellschaft betreffen und zum Nachdenken und zur Diskussion anregen. Theater ist unmittelbar und analog und hat großes Erlebnis-Potential, das heute wieder gesucht wird. Wir arbeiten auch mit Jugendlichen aus den umliegenden Schulen um ihnen Theater nahe zu bringen. Hier bemerken wir großes Interesse. Theater lebt! Ich glaube an das Theater! Es wird sich immer weiter entwickeln! 

Inwieweit wird das Flair des Festivals auch von der literarischen und kulturellen Tradition der Region, sowie der umgebenden Natur an der Rax geprägt?

Der Charme liegt in der Natur der Sache! Die Landschaft und die Region war und ist Anziehungspunkt für Künstler und Künstlerinnen. Inspirierend und magisch zugleich! So bleibt ein Ausflug nicht nur auf einen Theaterbesuch beschränkt, sondern lädt zu Aktivitäten ein. Mit einem guten Buch unter der Rotbuche zu sitzen oder Abkühlung in der Schwarza zu suchen oder eine Wanderung auf die Rax zu unternehmen. Auftanken, eine Zeitreise machen, genießen!

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Festspiele Reichenau?

Dass sie das bleiben, was sie sind: Ein Ort des Genusses, des Austauschs und der Inspiration!

Chacun à son goût!

Für die Rolle des Prinzen Orlofsky in „Die Fledermaus“ konnte ein herausragender junger Künstler der Musicalszene gewonnen werden: Moritz Mausser (26) aus Baden.

Es wird eine außergewöhnliche Neuinterpretation, wenn das kongeniale Regieduo Nils Strunk und Lukas Schrenk in einer frischen Fassung den Operettenklassiker in die wilden 1926er Jahre holt. Das erste Mal im Ensemble dabei ist Moritz Mausser, der 2023 als Erzherzog Rudolf in der Produktion von „Elisabeth“ sein Debüt feierte, bevor er mit größtem Erfolg zwei Spielzeiten lang die Rolle des Hans Hölzl in „Rock me Amadeus – das Falco Musical“ im Ronacher spielte. Seit Oktober 2025 ist er in der Uraufführung von „Maria Theresia – Das Musical“ als Friedrich II. von Preußen zu sehen. In beiden Musicals wurden von Kritikern seine vielschichtige Darstellung zwischen Stärke und Zerrissenheit der Figuren gelobt.

Moritz Mausser
MORITZ MAUSSER. Der junge Musicalstar spielt den Prinzen Orlofsky. © Lisa Fokina

Interview mit Moritz Mausser

Moritz, Johann Strauss hat die Partie des Orlofsky in der Tradition der Hosenrollen geschrieben. Wie werden Sie den jungen Prinzen anlegen?

Dadurch, dass wir uns gerade noch mitten im Probenprozess befinden, ist im Moment noch vieles offen. Gemeinsam mit unserem Regieduo suche ich gerade danach, wer dieser Orlofsky in unserer Version wirklich ist. Klar ist aber: Er ist ein junger Mensch, der schon alles erlebt hat und sich deshalb vom Exzess und den Vergnügungen des Lebens fast gelangweilt zeigt. In gewisser Weise ist er für mich ein Prinz der Dekadenz, der über dieser Dekadenz bereits drübersteht. Und genau darin liegt für mich die spannende Suche dieser Figur.

Unsere Version der Fledermaus wird für so manche Überraschung gut sein. 

Moritz Mausser

Für die Falco-Rolle hatten Sie sich intensiv vorbereitet, wollten nicht imitieren, sondern den Charakter verstehen. Wie wichtig ist so eine extreme Hingabe?

Ich glaube, man muss wirklich tief in eine Rolle hineingehen, um eine echte Verbindung zu ihr aufzubauen. Mir ist es wichtig, ein Gefühl für die Figur zu entwickeln und sie wirklich zu verstehen, anstatt nur etwas zu spielen oder zu imitieren. Wenn ich heute auf meine bisherigen Rollen zurückblicke, denke ich an viele davon mit großer Freude zurück — genau deshalb, weil sie mir persönlich etwas bedeutet haben. Diese Hingabe ist für mich ein ganz wesentlicher Teil unseres Berufs.

Was sind für Sie die größten Herausforderungen in der neuen Musical-Generation?

Das kann ich selbst nur schwer beurteilen, weil ich das große Glück hatte, sehr früh und sehr intensiv in diesem Beruf Fuß fassen zu dürfen. Aber ich glaube, eine der größten Herausforderungen war und ist, dass Talent allein nicht reicht. Natürlich muss man Leistung bringen, diszipliniert arbeiten und seinen Job gut machen, aber das ist eigentlich nur die Grundvoraussetzung. Dazu braucht es auch Glück, dass die richtigen Menschen einen sehen, das eigene Können erkennen und einen für eine Rolle als passend empfinden. Gleichzeitig habe ich das Gefühl, dass die Nachfrage nach jungen Darstellerinnen und Darstellern gerade wieder wächst. Aber genau deshalb ist es natürlich auch nicht leicht, sich in dieser neuen Generation wirklich durchzusetzen.

Die Fledermaus
HOMMAGE AN DAS JAHR 1926. Wie bei der Fledermaus-Premiere am 1. August 1926 wurde eine alte Holzschleiferei in ein Theater umfunktioniert. 2026 knallen im berüchtigten „Palais Orlofsky“ die Korken, wo „Adele“ Julia Edtmeier und der Prinz im Rhythmus der „Roaring Twenties“ swingen. © Lalo Jodlbauer

Sie spielen in Reichenau vom 1. Juli bis 2. August 26 Vorstellungen. Ziemlich anstrengend, oder?

Also im Vergleich zu der Anzahl an Vorstellungen, die ich sonst spiele, beginnt mein Urlaub diesmal eigentlich schon ein bisschen im Juli. Natürlich sind 26 Vorstellungen intensiv, aber ich freue mich sehr darauf. Gerade in Reichenau hat das Ganze auch etwas Besonderes — man arbeitet sehr konzentriert, aber gleichzeitig in einer wunderschönen Atmosphäre.

Wenn Sie singen „Chacun à son goût“ (Jedem das Seine), Hand aufs Herz: lieber klassische Operette oder eine rockige „Schallumarmung“ im Pop-Musical?

Ich finde, beides hat absolut seine Daseinsberechtigung. Privat habe ich wahrscheinlich noch etwas mehr Sympathie für die rockigere Richtung, aber gleichzeitig macht es mir großen Spaß, auch einen operettigen Klang auszuprobieren – selbst wenn ich kein klassisch ausgebildeter Sänger bin. Gerade deshalb finde ich diese Produktion so spannend. Nils Strunk hat sich stilistisch unglaublich viele Gedanken gemacht, und ich glaube, dass wir in unserer Version von „Die Fledermaus“ für die eine oder andere Überraschung gut sein werden.

„Die Fledermaus“ 

Feiert am 1. Juli 2026 im Großen Saal Theater Reichenau Premiere. Das gesamte Programm findet ihr auf www.festspiele-reichenau.at

_____________

Das könnte dich auch interessieren:

Abo

Wählen Sie Ihr persönliches Abo aus

×