Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister

Die Zukunft der Pflege in NÖ: Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister im Interview

Ein Ausblick.

5 Min.

© Land NÖ

2026 steht in Niederösterreich ganz im Zeichen der Weiterentwicklung des Pflegesystems. Sozial-Landesrätin Christiane Teschl-Hofmeister im Interview. 

Niederösterreich ist in den kommenden Jahren aufgrund des demografischen Wandels mit mehr pflege- und betreuungsbedürftigen Menschen bei gleichzeitigem Fachkräftemangel konfrontiert. Herausforderungen, denen sich Christiane Teschl-Hofmeister, Landesrätin für Bildung, Soziales und Wohnbau, durchaus bewusst ist und denen das Land NÖ mit einer Vielzahl an Maßnahmen gegenübertreten will. Die Landesrätin im Interview über geplante Investitionen für Pflegekräfte, pflegende Angehörige und Betreuungseinrichtungen. 

Frau Landesrätin, Pflege ist eines der zentralen Zukunftsthemen unseres Sozialsystems. Wie blicken Sie auf das Jahr 2026 hinsichtlich der Pflege in Niederösterreich?

2026 steht in Niederösterreich ganz im Zeichen der Weiterentwicklung unseres Pflegesystems. Wir bauen bestehende Angebote gezielt aus, stärken die stationäre Pflege bzw. die Betreuung in den eigenen vier Wänden gleichermaßen und investieren in Personal, Qualität und moderne Strukturen. Unser Ziel ist klar: Wir wollen den Niederösterreicherinnen und Niederösterreichern die gewohnt hohe Pflege- und Betreuungsqualität bieten. Gleichzeitig werden wir unsere Pflegekräfte entlasten, insbesondere indem wir ihnen neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zur Seite stellen, den Pflegebonus zum Gehalt weiter beibehalten oder auch durch Digitalisierungsmaßnahmen, die etwa den administrativen Aufwand reduzieren sollen. 

Das Land Niederösterreich investiert 2026 zusätzlich 62,9 Millionen Euro in Pflege und Behindertenhilfe. Warum ist dieses Maßnahmenbündel notwendig?

Weil Pflege kein Zukunftsthema mehr ist, sondern Gegenwart, handeln wir entschlossen. Wir begegnen dem steigenden Bedarf, sichern die Qualität der Versorgung und unterstützen die Pflegekräfte. Diese Investitionen sind notwendig, um Versorgungssicherheit zu garantieren und unser Pflegesystem langfristig stabil zu halten. 

 „Daheim vor stationär“ ist ein oft genanntes Ziel. Wie soll die mobile Pflege in Niederösterreich weiter gestärkt werden?

Wir investieren gezielt in mobile Pflege- und Betreuungsdienste, Tagesbetreuung, soziale Alltagsbegleitung oder persönliche Assistenz. Rekordwerte bei den Einsatzstunden in der Sozialen Alltagsbegleitung, ein ergänzendes Angebot zu den sozialmedizinischen und sozialen Betreuungsdiensten, das pflegende Angehörige entlastet und betroffene Personen unterstützt, zeigen, dass diese Angebote stark nachgefragt werden. Zusätzlich entlasten digitale Lösungen und eine bessere Vernetzung die Pflegekräfte, sodass mehr Zeit für die Pflege- und Betreuungsbedürftigen bleibt.

Der Betreuungsscheck ist für viele pflegende Angehörige eine wichtige Unterstützung. Wofür wurde er genutzt und wie sieht er 2026 aus?

Die Evaluierung zeigt, dass der Betreuungsscheck genau dort wirkt, wo er gebraucht wird: Ältere Menschen verwenden das Geld zu über 50 Prozent für mobile Dienste, jüngere Anspruchsberechtigte mehrheitlich für Therapien. Das bestätigt unseren Ansatz, den Menschen selbst zu überlassen, wie sie die Unterstützung einsetzen. Auch 2026 bleibt der Betreuungsscheck bestehen – mit 1.000 Euro pro anspruchsberechtigter Person.

Was ist mit den Investitionen in stationäre Pflegeeinrichtungen geplant?

Wir investieren in den Ausbau und die Modernisierung von Pflege- und Betreuungszentren, in kleinere, wohnortnahe Strukturen, spezialisierte Angebote wie Demenzbetreuung sowie in neue Wohnformen wie betreutes und gemeinschaftliches Seniorenwohnen. Das Pilotprojekt Seniorenwohnen+, eine Zwischenstufe zwischen den eigenen vier Wänden und einem Pflege- und Betreuungszentrum, bietet den Menschen die Möglichkeit weitestgehend selbstständig und selbstbestimmt ihren Alltag zu bestreiten, sie haben aber stets Hilfe bei der Hand. 

Welche Rolle spielen Beratung, Schulungsangebote und psychosoziale Unterstützung?

Eine sehr große. Die NÖ Pflegehotline ist die erste Anlaufstelle für alle Fragen um das Thema Pflege und gerade in Akutfällen, etwa nach Schlaganfällen, eine wirklich wertvolle Stütze für unsere Landsleute. Gute Beratung hilft, Überforderung zu vermeiden und passende Angebote frühzeitig zu nutzen. Schulungen stärken pflegende Angehörige, psychosoziale Unterstützung hilft, Belastungen besser zu bewältigen – das alles trägt wesentlich dazu bei, Pflege zu Hause zu ermöglichen.

Der Mangel an Pflegekräften ist ein Dauerthema. Welche Maßnahmen setzt Niederösterreich?

Wir setzen auf ein Bündel an Maßnahmen: attraktivere Arbeitsbedingungen, stabile Dienstpläne, Entlastung durch Digitalisierung, neue Pflegepools, gezielte Imagearbeit, Beibehaltung des Pflegebonus und eine starke Ausbildungslandschaft. Die Auszeichnung unserer Landesgesundheitsagentur als „Leading Employer“ zeigt, dass wir hier auf dem richtigen Weg sind.

Welche Schwerpunkte gibt es bei Ausbildung, Quereinstieg und Wiedereinstieg?

Die Personaloffensive ist voll angelaufen. Wir haben mit unseren „Sieben Wegen in die Pflege“ alle Arten von Ausbildungen für die Pflege gefunden, vom Schulbereich bis zum 2. Ausbildungsweg steht in jeder Region des Landes ein wohnortnahes Bildungsangebot zur Verfügung. Gleichzeitig sind Berufe im Pflege- und Betreuungsbereich wohnortnahe und krisensichere Jobs. Mitte Februar schließen die ersten Pflegekräfte aus Vietnam ihre Ausbildung in Krems ab. Diese jungen Menschen werden eine wichtige Unterstützung für unsere Pflegekräfte darstellen. 

Wie wichtig sind bessere Arbeitsbedingungen gegenüber finanziellen Anreizen?

Beides ist wichtig, aber gute Arbeitsbedingungen sind entscheidend für langfristige Zufriedenheit, das hören wir auch immer bei unseren Gesprächen mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Verlässliche Dienstpläne, Mitsprache, Weiterbildung und ausreichend Zeit für die Menschen sind zentrale Faktoren, um Pflegekräfte im Beruf zu halten. Pflegekräfte der NÖ Landesgesundheitsagentur profitieren seit wenigen Jahren zusätzlich von einer bezahlten Mittagspause, einer sechsten Urlaubswoche ab dem vollendeten 43. Lebensjahr und vielem mehr. 

Woran sollen die Niederösterreicherinnen und Niederösterreicher 2026 merken, dass sich die Pflegepolitik weiterentwickelt hat?

Vor allem daran, dass Pflege in Niederösterreich weiterhin menschlich, hochwertig und verlässlich bleibt. Die Landsleute sollen sagen können: Meine Mutter, mein Großvater, meine Nachbarin oder wer auch immer, erhält in den eigenen vier Wänden oder in einem der Pflegeheime jene Unterstützung, die auch im hohen Alter und bei nachlassender Fitness ein lebenswertes und erfülltes Leben sicherstellt, dank toller Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in unseren Organisationen.

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