© Anna Schober
Ob Tiermanagement, Buchhaltung oder Kochkurse: Ingrid Jägersberger zeigt, wie vielseitig und zentral Frauen in der Landwirtschaft sind – und lebt Regionalität und Genuss mit Leidenschaft.
Ingrid Jägersberger vom Ax.Ox.Hof im Interview
Mit viel Herzblut und Engagement hat Ingrid Jägersberger ihren Weg in die Landwirtschaft gefunden: Nach der Geburt ihres Sohnes stieg sie 2004 in den Betrieb ihres Mannes ein und ist seither leidenschaftliche Bäuerin am Ax.Ox.Hof in Puchberg am Schneeberg. Mit einer Ausbildung zur landwirtschaftlichen Facharbeiterin und als Seminarbäuerin bringt sie nicht nur frischen Wind in den Betrieb, sondern gibt ihr Wissen und ihre Werte auch abseits des Hofes mit Begeisterung weiter. Ob in Kochkursen, auf Social Media oder bei Workshops – ihr Ziel ist klar: die heimische Landwirtschaft stärken und die Vielfalt regionaler Lebensmittel sichtbar machen. Wir haben mit der Gewinnerin des Niederösterreicherin Award 2025 in der Kategorie „Genuss & Regionalität“ über ihre Leidenschaft für den Beruf als Bäuerin und die Rolle der Frau in der Landwirtschaft gesprochen.
War der Weg zur Bäuerin für dich immer schon ganz klar?
Nein, da muss ich schmunzeln, denn wenn ich mich bei meinen Kochkursteilnehmer:innen vorstelle, erzähle ich immer, dass ich außerplanmäßig Bäuerin wurde. Ja, wo die Liebe so hinfällt. (lacht) Nach meinen Pflichtschuljahren begann ich eine Lehre als Köchin. Nach der erfolgreich abgelegten Lehrabschlussprüfung verließ ich meine Heimat Niederösterreich und begann im Stubaital in Tirol in einem Hotel als Kellnerin zu arbeiten. Was als Saisonarbeit begann, wurde schnell eine zweite Heimat. Und so kam es, dass ich über fünf Jahre im schönen Tirol zu Hause war. Bei einem Besuch in der niederösterreichischen Heimat bin ich dann der Liebe über den Weg gelaufen. Dass er Bauer war, erfuhr ich erst nach ein paar gemeinsamen Treffen. Aber, wie sagt man so schön: Wenn‘s passt, dann passt‘s – egal welchen Beruf er ausübt.
Was war der ausschlaggebende Moment für dich, wo dir klar wurde „Das ist meine Welt“?
Ich habe schon seit meiner Kindheit einen guten Draht zu Tieren. Und als ein Kalb das Trinken verweigerte und alle Familienmitglieder am Hof die Hoffnung aufgegebenen hatten, versuchte ich, es zum Trinken zu animieren. Ich habe viele Stunden am Tag bei dem Kalb verbracht, und nach einem Tag hat es schließlich getrunken. Manche Tiere brauchen eben etwas mehr Zeit, und die muss man sich nehmen. Der kleine Kerl brauchte einfach nur Körperkontakt beim Trinken und gut war‘s. Von da an, wusste ich:„Das ist meine Welt!“
Bäuerin zu sein heißt für mich, den Rhythmus der Natur anzunehmen und mit ihm zu arbeiten.
Ingrid Jägersberger
Was bedeutet es für dich, Bäuerin zu sein?
Bäuerin zu sein heißt für mich, den Rhythmus der Natur anzunehmen und mit ihm zu arbeiten. Es bedeutet Verwurzelung, Verantwortung und Sinnhaftigkeit. Aus dieser Haltung entsteht auch meine Küche: ehrlich, regional und geprägt vom Genuss, den heimische Lebensmittel vermitteln.
Du bist eigentlich gelernte Köchin – inwiefern beeinflusst das deine Arbeit als Landwirtin?
Ich bin nicht nur Landwirtin und Köchin, sondern auch Konsumentin – und genau das ist entscheidend. Mit jedem Griff ins Regal erteilen wir einen Produktionsauftrag. Meine Ausbildung als Köchin hat mein Bewusstsein für Qualität, Herkunft und Verarbeitung geschärft. Als Landwirtin sehe ich es daher auch als meine Aufgabe, Verantwortung vorzuleben und zu zeigen, dass bewusster Konsum regionale Kreisläufe stärkt und ressourcenschonend wirkt.
Auf Social Media gibst du Einblicke in das Leben und Arbeiten am Ax.Ox.Hof. Wie reagieren die Menschen darauf – und welche Botschaft möchtest du damit nach außen tragen?
Öffentlichkeitsarbeit ist ein wichtiger Parameter in der heimischen Landwirtschaft. Auf meinen Social-Media-Accounts gebe ich einen realen Einblick in unseren Hof, unsere Region, meine Küche und auch meine Kochkurse. Ich versuche, die Menschen da abzuholen, wo sie sind. Ich berichte ehrlich, authentisch und zeige echte Inhalte. Die häufigste Reaktion ist Dankbarkeit. Da kommen Nachrichten wie: „Danke für die Aufklärung!“, „Das wusste ich nicht!“, „Danke für die schöne Aussicht!“ – wenn ich wiedermal ein Bild vom Schneeberg (mein Lieblingsberg) zeige. Ja, auch das gehört für mich zur Öffentlichkeitsarbeit dazu – mein Heimatort Puchberg am Schneeberg. Daraus ergeben sich meine Botschaften und Werte: Naturverbundenheit, Heimat, Echtheit, Authentizität, Dankbarkeit, Genuss und Regionalität.
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Mehr Informationen2026 ist das Jahr der Bäuerin – damit soll die entscheidende Rolle von Frauen in der Landwirtschaft gewürdigt und zudem ihre Herausforderungen sichtbar gemacht werden. Welche Herausforderungen erlebst du persönlich?
Eine große Herausforderung ist die Vielzahl an Rollen, die Frauen in der Landwirtschaft übernehmen: Betrieb, Familie, Bildungsarbeit, Öffentlichkeitsarbeit oder Vermarktung – alles läuft parallel. Das bringt großen Zeitdruck und auch mentale Belastung mit sich. Gleichzeitig wird es als selbstverständlich angesehen. Persönlich erlebe ich, dass fachliche Kompetenz oft bewiesen werden muss. Gerade darin sehe ich auch eine Chance: Frauen in der Landwirtschaft werden selbstbewusster, vernetzen sich stärker und machen ihre Arbeit sichtbar. Das Jahr der Bäuerin ist ein wichtiges Signal, um diese Entwicklung weiter zu stärken.
Was wünscht du dir für die Zukunft der Landwirtschaft – und welche Rolle spielen Frauen deiner Meinung nach dabei?
Für die Zukunft der Landwirtschaft wünsche ich mir, dass die Betriebe innovativ bleiben, die Scheuklappen ablegen und sich zugleich selbst treu bleiben und nicht auf sich selbst vergessen. Frauen spielen dabei eine entscheidende Rolle: Sie bringen neue Perspektiven, Innovationskraft und Engagement ein, erkennen, wo Prozesse verbessert werden können, und helfen dabei, festgefahrene Denkmuster zwischen den Generationen zu lösen – Aussagen wie „Das war schon immer so“ hinterfragen sie konstruktiv und eröffnen neue Wege. Sie gestalten die Landwirtschaft aktiv mit, ihre Stimme und ihr Wissen sind unverzichtbar, und sie entwickeln die Landwirtschaft zukunftsorientiert weiter.
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